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Journal 2006 (chronologisch)

Astronomie-Themen

(01.01.2006) Hauptsächlich mit Astronomie beschäftigt:

Kafka, Briefe Band 3

(02.01.2006) Kafka, Briefe Band 3: Mit den Kafka-Briefen fertig, mit Briefen an Kafka angefangen.

Astronomie-Themen

(03.01.2006) Wieder einige Aufsätze über astronomische Themen gelesen, u.a.

Preprint "The Discovery of Two New Satellites of Pluto":
Bericht über die Entdeckung der beiden neuen Plutomonde aus erster Hand.

Preprint "Eclipsing binaries in ASAS catalog":
ASAS gehört zum Spannendsten, was es im Bereich der automatischen Himmelsüberwachungen für mich gibt. Die bisherigen Veränderlichen-Neuentdeckungen durch ASAS gehen in die Zehntausende und haben den bekannten Veränderlichen-Bestand nahezu verdoppelt. Anhand des Materials lassen sich durch pure Statistik theoretische Voraussagen prüfen, so hier im Preprint für den Bereich enger (Kontakt-)Doppelsterne.

Eine alarmierende Nachricht für mich war die Ankündigung, dass die parallel betriebene Himmelsüberwachung im I-Bereich gut vorankommt und das bisher zusammengekommene Terabyte an Daten innerhalb eines Jahres ausgewertet sein wird. Mit der doppelten Anzahl an Neuentdeckungen wie im V-Band wird gerechnet.

Das heißt, dass Amateur-Neuentdeckungen dann wesentlich unwahrscheinlicher werden und folglich die Freunde von Stardial nur noch wenig Zeit haben, in diesem Bestand noch etwas neues zu finden. Und das bedeutet, dass ich jetzt Stress habe...;-)

Stefanie Bach "Musical gypsies and anti-classical aesthetics"

(03.01.2006) Vollständiger Titel: Stefanie Bach "Musical gypsies and anti-classical aesthetics: The Romantic reception of Goethe's Mignon character in Brentano's 'Die Mehreren Wehmüller und Ungarische Nationalgesichter'", University of Strathclyde.

Toller Aufsatz, der die Interpretation und Auseinandersetzung der Romantik mit Goethes Mignon beschreibt und die Deutung von Mignon als einer Marionette im positiven Sinne Heinrich von Kleists wohlwollend aufgreift. Die Exkurse über Androgynie und Sexualität, dionysischer versus apollinischer Kunst, die unterschiedliche Bewertung von visueller Kunst und oraler bzw musikalischer Kunst bei Goethe und im klassischen Kunstbegriff einerseits und den Romantikern andererseits sind allesamt erhellend und zeigen die beeindruckende Bedeutungstiefe dieser Gestalt.

Duo "I Baccalà"

(04.01.2006) Nochmal im Heidelberger Weihnachtscircus. Das Duo "I Baccalà" (Clowns mit Tanzakrobatik) wieder als Höhepunkt erlebt. Die 26-jährige Camilla Pessi (aus der italienischen Schweiz) und Simone Fassari (aus Italien) sind in vier Episoden zu sehen, von denen drei in eigener Regie entstanden. Ganz große Klasse das Mienenspiel und die gespielten Selbstgespräche der beiden, die so unbeholfen (daher auch der Name "I Baccalà" = Stockfisch) und kindlich wirken, aber beispielsweise am Hochtrapez zeigen, was alles an Akrobatik in ihnen steckt. Camilla bewegt sich wie ein kleines Mädchen, aber man spürt die sportliche Potenz in jeder Drehung - vor allem im extrem leichtfüßigen Laufen. Dass sie sportlich ist, bewies sie schon vor ihrer Akrobatenkarriere als Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft im alpinen Skifahren. Vorbilder des Duos sind Charly Chaplin und Buster Keaton - wie Buster kommen sie nicht selber zu Lachen, erregen aber umso mehr Lachen beim Zuschauer. [Einige Informationen aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 30.12.2005).

i baccala

i baccala
"I Baccalà" (Vorstellung vom 04.01.2006)

Hugo Pratt: "Corto Maltese - Die Südseeballade"

(08.01.2006) Natürlich habe ich diesen Comic-Roman schon im großen Albumformat und schon mehrmals gelesen, empfand es aber als Ehrensache, die Edition der FAZ für den Spottpreis von 5 Euro zu kaufen. Das Vorwort von Andreas Platthaus ist in Ordnung und schon die Hälfte des Preises wert, denn Platthaus verzichtet auf die üblichen Hagiografien von Pratt und Corto und betont stattdessen die von Pratt inszenierten auto- und Corto-betreffendenden biographischen Details. Ebenfalls von Platthaus ist ein weiterer informativer Text über Pratt und Corto Maltese, der sich auf der Webseite der FAZ findet

Preprint zu Var A in M33

(10.01.2006) Die Hubble-Sandage-Veränderlichen (Luminous Blue Variables = LBVs) gehören zu meinen Lieblingen, vor allem die Erstentdeckungen, und zu denen gehört der berühmte "Variable A" in M33.

Mark Steyn - "It's the demography, stupid"

(11.01.2006) Mark Steyn ist bekennender Konservativer; was herauskommt, wenn "so jemand" über die Geburtenrate der westlichen Gesellschaften, die Rolle der Frau, und über die Bedrohung des Westens durch den Islam schreibt, könnte man ahnen und ungelesen abtun. Allerdings nur "könnte": Ein Körnchen bis ein Korn Wahrheit ist immer dabei, und ein mit Schmackes geschriebener längerer Aufsatz der politischen "Gegenseite" kann immer dazu dienen, den eigenen Standpunkt zu schärfen. Und dafür ist dieser Aufsatz bestens geeignet. Ich habe ihn mit Gewinn gelesen.

Arwed D. Gorella - Ausstellungskatalog von 1980

(15.01.2006) Im Antiquariat Hatry am 14.01.06 mitgenommen (zusammen mit Chirico "Endlose Reise"), weil nur 3 Euro und beim Durchblättern einige auf den ersten Blick interessante Bilder zu sehen waren. Erste Erkenntnis: Inzwischen ist Gorella tot - war ein seltsames Gefühl, denn beim Katalog hat Gorella mitgearbeitet, man merkt, dass er für seine Kunst gestrampelt hat - aber die Ausstellung war eben vor 26 Jahren, und nach so einem Zeitraum gibt's den einen oder anderen Menschen eben nicht mehr.

Katalog Arwed Gorella

Gorella malt sich oft auf seinen Bildern - zu oft: Seine doch sehr vierschrötige Gestalt mit dem auffallenden Bart und der Seitenscheitelfrisur macht für mein Empfinden einige Bilder kaputt. Schön seine lockeren Atelierskizzen, eindrucksvoll das Diptychon "Geometrie der Erinnerung" mit "sehr persönlichen Assoziationen, Gedankenverbindungen und Erinnerungszeichen" (S.44/45).

Roland Huntford - "Shackleton. Die Reisen" und Paul Costigan - "Mit der Endurance in die Antarktis"

(17.01.2006) Die beiden großformatigen Bände "Shackleton - Die Reisen. Eine Dokumentation in Bildern" von Roland Huntford und "Mit der Endurance in die Antarktis. Die legendären Fotos von Frank Hurley" von Paul Costigan und anderen zum wiederholten Male aber letztmalig (die Stadtbücherei mahnte schon kostenpflichtig) durchgeschaut und viele Passagen nochmal gelesen. Auch nach der Lektüre von Caroline Alexander "Die Endurance" (vgl. meine Notizen zum 08.09.2005) gewinnt man neue Eindrücke dank dem sehr informativen Text und der ausgezeichneten Bildlegenden, vor allem sind die Fotos in beiden Bänden NOCH besser reproduziert als bei Caroline Alexander - und das will etwas heißen. Tolle Bücher!

Konsumzwang

(18.01.2006) Ein lesenswerter Essay von Paul Lutus wider den Konsumzwang.

Ausstellung "3 x Tischbein und die europäische Malerei um 1800"

(21.01.2006) Fahrt nach Kassel zur Ausstellung "3 x Tischbein und die europäische Malerei um 1800" in der "Neuen Galerie". Ein Muss (für mich), und lohnend. Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins "Goethe in der Campagna di Roma" von 1786, eines der bekanntesten Goethe-Bildnisse überhaupt, endlich aus der Nähe zu sehen, nicht so ungünstig plaziert wie im Städel - das ist schon fast alleine die Reise wert.

Bela und Goether

Natürlich auch den sonst ausgestellten Bestand angeschaut, und so endlich die Bilder im Original gesehen, die mir bei der Lektüre des Kasseler Bestandskataloges so gut gefallen haben.

Danach in das "Brüder Grimm-Museum", wo die Sonderausstellung "Des Märchens neue Kleider. Hans Christian Andersen und die Brüder Grimm" noch bis zum 12.03.2006 läuft. Leider war die Zeit schon etwas knapp, zu knapp für eine eingehende Beschäftigung mit den Exponaten - aber zwei Wochen später war nochmal eine Fahrt nach Kassel fällig...

Katalog "3 x Tischbein und die europäische Malerei um 1800"

(24.01.2006) Die ersten Beiträge des Katalogs zur Tischbein-Ausstellung (vgl. 21.01.06) gelesen - sehr gut. Sie könnten sogar ausführlicher sein, so interessant sind die Themen.

Theaterstück "Planet Porno" im Zwinger I

(27.01.2006) Ich habe einige Kritiken gelesen, die sich recht begeistert zeigen und sich über die "unglaublichen Ergüsse zu denen echte und lebendige Menschen fähig sind" lustig machen, vom Stück behaupten, dass es "der ganz nackte Wahnsinn des Lebens - gespeist aus Originalzitaten deutscher Stars" ist, dass deren "Irrwitz" und "Absurdität" zu Tage tritt, dass es deren "Sprüche, die wir letztlich in und auswendig kennen", entlarvt, und was der besserwisserischen Worthülsen mehr sind. Und natürlich ist es angeblich "mehr als ein Theaterstück".

Weniger würde ich sagen. Als etwas anderes als eine Comedy oder eine Nummernshow könnte man es nicht bezeichnen. "Neu" ist an "Planet Porno" nichts, neu ist höchstens, dass eine etwas seichte, wenngleich unterhaltsame Comedy-Show im Theater aufgeführt wird.

"Entlarvung" - das sagt man natürlich gerne, entlarvt werden schließlich immer die anderen. Aber entlarvt wird natürlich doch etwas, wenngleich etwas anderes: Nämlich die Konsumenten der Alltagskultur (incl. der begeisterten "Kritiker" dieses Stücks), für die die Sprüche der "Prominenz" zum inneren Bestand gehören, aber lachen, wenn sie das auf der Bühne sehen.

Es ist ohne große Mühe möglich, mit der "Methode" (oder der Masche) dieses Stücks alles und jeden ins lächerliche zu ziehen - oder schwätzt man selber immer nur druckreifes Zeug? Eher zu kritisieren ist die Tendenz, einem Sportler oder einem Model bei jedem Anlaß ein Mikrophon vor den Mund zu halten und diese Ergüsse zu verbreiten. Aber die Masche des Stücks zieht: sechs Folgen gibt es schon, mit wechselnder Prominenz, die auf die Schippe genommen wird.

Man könnte fast schon sagen, dass es ein Zeichen von Kultur ist, manche der Veralberten nicht zu kennen (die Porno-Dame, den Porno-Darsteller kannte ich überhaupt nicht, das Supermodel "Heidi" - möglich, dass ich sie mal irgendwo abgebildet gesehen habe; aber mir ein Interview mit ihr anhören?????).

Aber wie ich schon sagte: unterhaltsam war es schon. Und besonders die Gesangseinlagen waren hübsch.

Interessant zu beobachten war auch, dass Schauspieler, die nicht gewohnt sind, Unterhaltungsstücke oder Comedy aufzuführen, nun damit rechnen müssen, dass das Publikum kichert und lacht. Und damit hatten einige Akteure in Heidelberg so ihre Probleme.

Katalog "3 x Tischbein und die europäische Malerei um 1800"

(30.01.2006) Den Katalog (siehe 24.01.06) ausgelesen. Pro Bild eine Seite Erklärung (im Schnitt), das ist oft etwas knapp, aber da die Hauptwerke auch in den lesenswerten Aufsätzen immer mal wieder angesprochen werden, ausreichend. Guter Katalog!

Skyweek 18+19+20/2005, 1+2/2006

(03.-05.02.2006) Schwerpunkte sind Hayabusas Rendezvous mit dem Asteroiden Itokawa, wieder mal Deep Impact bei Tempel I, Ergebnisse der Mars Rover, neue Erkenntnisse zu Titan (die ersten wissenschaftlichen Aufsätze zur Huygens-Mission sind nun erschienen), und ein Bericht zur europäischen Venus-Orbiter-Mission.

Aktuelle Ausstellungen in Kassel

(03.-05.02.2006) Nochmal eine Fahrt nach Kassel, diesmal mit mehr Zeit (weil mit Übernachtung).

Am Samstag noch einmal in die Tischbein-Ausstellung, dann nochmal den Bestand der Neuen Galerie abgewandert, und dann lange in das "Brüder- Grimm-Museum".

Am Sonntag in die Alte Galerie. Schwerpunkte unserer Besichtigung:

Und dann natürlich das Schloss Wilhemshöhe selber mit dem großen Park, und auf vereisten Treppen schließlich hoch zum Herkules.

Schloss Wilhelmshöhe, Weg zum Herkules
Park vom Schloss Wilhelmshöhe, Treppe zum Herkules

Schatzinsel, Folge 1 und 2.

(18.02.2006) Nett, aber in der Erinnerung besser... (muss Ende 60er, Anfang 70er gewesen sein)

Gottfried Benn, Thea Sternheim. Briefwechsel und Aufzeichnungen

(19.02.2006) Gekauft und quer reingelesen. Ausführliche Lektüre folgt.

"Rocky Horror Show" im Theater Heidelberg

(22.02.2006) Passabel, mehr lässt sich von mir nicht dazu sagen. Halt nicht ganz meine Welt.

Friedrich Glauser - "Dada, Ascona und andere Erinnerungen"

(23.02.2006) Ein recht kleines Bändchen, aber packend von der ersten bis zur letzten Seite. Friedrich Glauser hat kein leichtes Schicksal gehabt, oft war er sich selbst im Weg, aber wie ruhig und wie klar er über wichtige Abschnitte seines Lebens schreibt, das muß man gelesen haben. Fünf autobiographische Beiträge sind hier versammelt:

Als Anhang folgt noch ein Offener Brief Glausers an einen heute vergessenen Krimiautoren über dessen "Zehn Gebote für den Kriminalroman".

Eugen Drewermann: - "Moby Dick oder Vom Ungeheuren, ein Mensch zu sein."

(24.02.2006) Vollständiger Titel: Eugen Drewermann: "Moby Dick oder Vom Ungeheuren, ein Mensch zu sein. Melvilles Roman tiefenpsychologisch gedeutet."

Dieses sehr dicke Buch habe ich nur diagonal gelesen, das aber im Verlauf von zwei Monaten immer wieder. Es hat was packendes in seiner Art, auf Literatur zuzugehen und Literatur ernst zu nehmen. Allerdings habe ich "Moby Dick" bei meiner Lektüre vor einigen Jahren als beileibe nicht so toll empfunden, wenn ich auch gerne eingestehe, dass der erste Satz zu den besten Anfangssätzen eines Buches gehört, die ich kenne ("Call me Ishmael." - "Nennt mich Ishmael.").

Drewermann, Moby Dick

Was mich dazu bewog, dieses Buch auszuleihen und immer wieder drin zu schmökern, das waren Passagen wie die folgende, in der es darum geht, "wie zu lesen" ist.

Wie zu lesen ist

Manche Bücher liest man der Fülle ihrer Gedanken oder Informationen wegen; andere liest man zur bloßen Unterhaltung. Doch dann gibt es solche, bei denen man von der ersten Zeile an spürt, dass man sie lesen muß, um etwas Wesentliches über sich selbst zu erfahren. Eine eigentümliche Faszination geht von ihnen aus - von den Motiven ihrer Erzählung, von der Entwicklung ihrer Handlung, von der geheimen Symbolik, die in ihnen liegt. Irgendwie, so begreift man, ist das Erzählte eine Parabel auf das eigene Sein, und dem muß man nachgehen. Gefühle uneingestandener Sehnsucht, Ahnungen insgeheim lauernder Gefährdungen, Zielsetzungen, deren Kühnheit stets nur erschreckte, Fragen und Infragestellungen, die schon aufgrund ihrer Widersprüchlichkeit und mehr noch in Anbetracht ihrer alle gewohnten Sicherheiten zersprengenden Konsequenzen bisher stets gemieden wurden, Gegensätzlichkeiten, ja, Unvereinbarkeiten zwischen Denken und Empfinden, zwischen Sollen und Wollen, zwischen Müssen und Mögen, der Zerfall gar der eigenen Person in eine Mehrzahl einander widerstreitenter Gestalten, die doch miteinander verwoben sind und in vagen Andeutungen die Teile eines noch unerfindlichen Ganzen bilden, die beklemmende Ungewißheit vor allem, wieviel im eigenen Leben eher vorherbestimmt und vorherverfügt ist als selbstgewählt und verantwortbar, die bestürzende Frage schließlich, ja, die vollkommene Irritation darüber, wer man eigentlich ist und welch eine Rolle inmitten des Wirbels dieser verwirrenden Welt dem winzigen Ich nun zufällt oder vielleicht doch wohl auch zugedacht ist, - wo irgend ein Buch sich bietet, das eine oder einige dieser Facetten des Daseins zentral aufgreift und ausbreitet, da regt es zum Lesen an, da erregt es einen höchsten Grad an Aufmerksamkeit, da nötigt es zu einer als dringend notwendig empfundenen Aueinandersetzung. Denn so viel steht fest: ausweichen kann man ihm nicht. (Drewermann, S.13)

Jeder, der gerne und interessiert und viel liest, wird hier eigene Beispiele vor Augen haben. Bei mir sind das beispielsweise Bücher von Hamsun, Goethe, Kafka und Arno Schmidt, Melville ist (bisher) nicht dabei.

Peter-André Alt: - "Franz Kafka. Der ewige Sohn. Eine Biographie"

(25.02.2006) In der Stadtbücherei ausgeliehen und abends gut drei Stunden diagonal drin gelesen. Ich war kurz davor, diese neue Biographie zu kaufen, aber obwohl ich nun wirklich den Eindruck habe, dass dies eine ausgezeichnete Biographie ist, bin ich wegen dem schieren Umfang ins Schwanken gekommen: Soll man nicht statt 700 Seiten über Kafka lieber 700 Seiten von Kafka lesen? Es ist ja beileibe nicht so, als ob ich schon alles von Kafka gelesen hätte. Allerdings bin ich kaum vom Buch weggekommen, weil mir auch der Stil von Peter-André Alt liegt, sein recht nüchterner, sachlicher Ton, und dieses nicht-weg-können ist immer ein gutes Zeichen. Siehe auch meine Anmerkungen unter dem 28.12.2005.
[Nachtrag 2017: Natürlich habe ich das Buch einige Jahre später doch noch gekauft.]

Dinner Krimi

(26.02.2006) Eine Enttäuschung. Der Dinner-Part sah so aus, dass man mittelmäßiges Essen im Schulterschluß mit den Nebenmännern essen durfte, aus Platzmangel kaum mit Messer und Gabel hantieren konnte. Die Veranstalter haben zwar das Platzangebot optimiert genutzt, aber uns als Kunden verloren.

Schatzinsel, Folge 3

(04.03.2006) Na ja, halt aus Nostalgie geschaut.

Schatzinsel, Folge 4

(05.03.2006) Aus reiner Nostalgie auch den vierten Teil geschaut.

"Eine Stunde 10", Tanzstück im Mannheimer Nationaltheater

(12.03.2006) Seit 30 Jahren gefällt mir Steve Reich, mithin war der Besuch des Tanzstücks ein heißer Wunsch von mir. Reichs "Music for 18 Musicians" in gehöriger Lautstärke ist schon ein Erlebnis. Das Tanzstück selber empfand ich als eine Art Zugabe: Zentral für mich war die Musik. Vielleicht hätte man auch etwas weniger geizig mit der Beleuchtung sein sollen, so war es eine etwas dustere Vorführung, die automatisch der Musik einen höheren Stellenwert gab. Die Tänzerinnen waren am Ende oben frei, aber nur mit dem Rücken zum Publikum, und bewegten sich vom dämmrigen Bühnenvordergund zum dunklen Bühnenhintergrund.

Adolf Opel - "Wo mir das Lachen zurückgekommen ist. Auf Reisen mit Ingeborg Bachmann."

(15.-22.03.2006) Zum zweiten mal gelesen, diesmal als Reiselektüre auf Malta mit vielen Notizen. Auch beim Wiederlesen empfand ich das Buch als spannend und aufschlußreich.

Film - "Walk the Line"

(02.04.2006) Ein schöner Film über das Leben von Johnny Cash, an den ich mich gerne erinnere. Ich muß gestehen, dass mir manche der Hillbilly-Lieder zu Anfang besser gefielen als die Lieder aus Cashs großer Zeit.

Film - "Der Tiger und der Schnee".

(09.04.2006) Hab' relatv schnell vergessen, um was es da ging.

Theodor W. Adorno - "Traumprotokolle"

(29.04.2006) Adorno "mit einem Mädchen losester Sitten verabredet"; Adorno, der in ein "besonders elegantes Bordell" will; Adorno zum Selbstmord verurteilt; Adorno beim Foltern eines entzückenden Knaben; Adorno mit einer unbeschreiblich schönen und eleganten Geliebten, die von ihm fordert, aus Gründen der Hygiene eine Schwanz-Waschmaschine anzuschaffen; Adorno, dessen Kopf nach einer Enthauptung weiterlebt; Adorno fast schon gelangweilt: "Ich sollte wieder einmal gekreuzigt werden"; Adorno, der mit einer riesigen braungelben Dogge tanzt und dabei das Gefühl hat, "zum ersten Mal in meinem Leben tanzen zu können, sicher und hemmungslos. Zuweilen küßten wir uns, der Hund und ich."

Ein herrliches Büchlein aus der Bibliothek Suhrkamp, bei dessen Lektüre ich manchmal grade rauslachen musste.

Klaus Wagenbach, Lesung aus "Franz Kafka, Biographie einer Jugend"

(03.05.2006) Anläßlich der Neuauflage seiner legendären Kafka-Biographie von 1958 befindet sich Klaus Wagenbach auf einer kleinen Lesereise und sprach auch in Heidelberg im DAI (von 20h00-21h45) vor einem vollen Saal (ca 150 Zuhörer). Natürlich habe ich mir das Buch gekauft, und natürlich habe ich es signieren lassen. Glücklicherweise verzichtete Wagenbach darauf, einfach nur eine Dreiviertelstunde aus dem Buch zu lesen: Ziemlich zu Anfang las er drei Seiten aus dem Buch und ging dann dazu über, einzelne Geschichten (manchmal Anekdoten) zur Entstehung des Buches zu erzählen - als Deutscher in den fünfziger Jahren in Israel, als Deutscher in den fünfziger Jahren in Prag, lange vor dem Prager Frühling, zu einer Zeit, da Kafka noch ein verbotener Autor war. Ich fand diese Geschichten, diese Umstände der Buchentstehung höchst interessant. Bedauerlich, dass ein fertiges Buch immer nur einen Teil des Stoffes bringt, bringen kann, den ein Autor recherchiert hat, und besonders bedauerlich, wenn man merkt, dass die Erinnerung an Details durchaus auch von der Stimmung des Vortragenden und den Reaktionen des Publikums abhängt und bei anderen Lesungen wohl manchmal mehr, manchmal weniger detailliert ausfällt. Und dass diese Erinnerungen mit dem Tod einer Person verloren sind. Und Wagenbach ist schon 76 (was man ihm nebenbei gesagt nicht ansieht).

Klaus Wagenbach

John Updike - "Sucht mein Angesicht"

(04.05.2006) Das Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste, weil es mir wichtig war, einen Text von Updike zu lesen, der sich mit dem Thema "Kunst und Künstler" im allgemeinen und der Emanzipation der amerikanischen Kunst in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts im speziellen beschäftigt. Ich halte viel von Updike und bin neugierig, was er zum Thema zu sagen hat. Die Kritiken dieses Romans fallen extrem aus: es gibt alle Schattierungen von Begeisterung bis hin zur totalen Ablehnung. Mein eigener Eindruck Unbedingt lesenswert! Großartige Beobachtungen, tolle Formulierungen teils doch recht abstrakter Zusammenhänge - Updike, wie man ihn liebt!

Konzert der "Geyers" in Neckargemünd (Prinz-Carl-Keller)

(05.05.2006) Die Geyers, ehemals "Des Geyers Schwarzer Haufen" traten in Neckargemünd als vierköpfige akustische Gruppe auf (es gibt sie auch in einer HistoRock-Variante, mit E-Gitarre und um einen Bassisten verstärkt). Auf dem Foto spielen Albert Dannenmann (Blasinstrumente, Drehleier), Thomas Roth (Gesang, Schlüsselfidel, Dudelsack), Georg Hesse (Gitarrenlaute) und Jost Pogrzeba (Trommeln, Perkussion). Die Behauptung, dass "mitelalterliche Musik" geboten wird, tradiert natürlich das übliche Vorurteil, dass alles, was einige Jahrhunderte auf dem Buckel hat, mittelalterlich ist. Die vorgestellte Musik bestand zum großen Teil aus Renaissancetänzen oder -liedern oder Eigenkompositionen nach Art der Renaissance-Musik, daneben natürlich auch noch einige Folk-Lieder. Die Texte zur Musik hatten teils wesentlich ältere Quellen, bis hin zu Walter von der Vogelweide. Manchmal war es etwas ermüdend, die vielen Wiederholungen über sich ergehen lassen zu müssen, denn viele Lieder hatten eine sehr einfache Strophenform, die sich durch Verdoppelungen jedes Verses "auszeichnete", aber so waren halt die Schemata der Lieder damals. Auch nicht ganz behaglich fühlte ich mich bei dem ständigen verbalen Kokettieren mit Trinklust und "derber" Liebeslust, was aber offenbar zum Assoziationsrahmen und mithin zur Werbemasche von sogenannter "Mittelaltermusik" gehört - die Bühnenshow (wenn man denn von einer sprechen kann) zeigte jedenfalls die nicht mehr ganz jungen Musiker nicht gerade von einer virilen Seite... Trink- und Esslust nehme ich ihnen aber gerne ab...

Geyers

Das sind aber alles nur marginale Einwände: Die Gruppe spielte sehr gut, das Zuhören machte Spaß, Thomas Roth beherrschte die Schlüsselfidel souverän, und Jost Pogrzeba machte ein minutenlanges Trommelsolo, für das er verdienten Szenenapplaus erntete.

Sophokles - "König Ödipus" (Städtische Bühne Heidelberg)

(16.05.2006) Die erste Hälfte packend (auch die vielen Schüler im Theater offenbar so gebannt, dass es ungewöhnlich ruhig war). Die zweite Hälfte nach der Pause für meinen Geschmack zu theatralisch und zu dick aufgetragen. Die Geschichte hat mich so interessiert, dass ich eine größere Reihe von Sekundärliteratur gelesen habe und mich mit den Gedanken getragen habe, etwas zum Thema zu malen.

Ausstellung "Arno Schmidt? Allerdings!" in Marbach

(20.05.2006) Toll gemachte Ausstellung, die verdient nahezu ausschließlich begeisterte Kritiken erhalten hat, denen ich mich uneingeschränkt anschließe. Es war mir sofort klar, dass ein einziger Besuch nicht ausreicht, und so fuhr ich am 16.08. nochmal hin. Die kleinen Fotos und die teils winzigen Beschriftungen, die Arno Schmidt überall anbrachte (besonders natürlich auf den Kärtchen), stellten meine Augen ganz schön vor Probleme und ich bedauerte, kein Vergrößerungsglas mitgebracht zu haben. Leider konnte ich nur mit meiner kleinen Revio fotografieren, die bei den Lichtverhältnissen massiv überfordert war. Für einige Erinnerungsbilder hat es aber gereicht. Nettes Aufsichtspersonal, welches fürsorglich dafür sorgte, dass man auch ja die ausliegenden Texte sammelte.

Marbach, Arno Schmidt
Der Raum mit den Schreibmaschinen und Zettelkästen

Marbach, Arno Schmidt
Yours truly bei irgendwelchen Objekten

Natürlich habe ich den schönen Katalog zur Ausstellung gekauft, und wenn man mal in Marbach ist und die Möglichkeit hat, die "Marbacher Magazine" vor Ort zu kaufen, dann tut man das auch. Und so fand sich das Marbacher Magazin 47/1988 zu Siegfried Kracauer schnell in meinem Rucksack wieder.

Ausstellungskatalog - "Arno Schmidt? Allerdings!"

(21.05.2006) Den Katalog zur Marbacher Arno-Schmidt-Ausstellung gelesen. "Schön und gut."

John Carey - "What good are the Arts?"

(04.06.2006 ff) Eine Interesse weckende Buchbesprechung gelesen und folglich in der Uni-Bibliothek ausgeliehen. Immer mal wieder neben der Fowler-Lektüre auch hier reingeschaut. Lustigerweise passt diese Lektüre ganz gut zu John Updikes "Sucht mein Angesicht", was ich zur Zeit auch noch lese.

Chad Fowler - "My Job goes to India"

(04.06.2006 ff) Vollständiger Titel: Chad Fowler, "My Job goes to India" (And all I got was this lousy Book).

Vor dem Kauf auf der Webseite von The Pragmatic Programmer die pdf-Beispielkapitel gelesen und sofort zum Kauf entschlossen. Am Sonntag kaum von der Lektüre weggekommen. Immer das Gefühl, hier tritt mir jemand zu Recht in den Hintern. Ein Buch gegen das allmähliche Verfetten, das Faul- und Ranzigwerden. Selten ein Buch gelesen, das einem so schonungslos die Defizite vorhält, zum Glück aber auch die Wege aus der Misere weist. Werde das Buch nochmal gründlich durcharbeiten - und jawohl! - ich habe schon angefangen, einige Sachen zu beherzigen!

Jürgen Serke - "Böhmische Dörfer"

(09.06.2006 und vorher) Vollständiger Titel: Jürgen Serke, "Böhmische Dörfer. Wanderungen durch eine verlassene literarische Landschaft.", Paul Zsolnay Verlag, 1987.

Jürgen Serke hat meinen literarischen Geschmack mit seinem Buch "Verbrannte Dichter" Ende der siebziger Jahre entscheidend geformt. Dieser Band nun über "Böhmische Dörfer", den ich eigentlich nur wegen einem langen Abschnitt über Max Brod ausgeliehen habe, hätte das Zeug, auch wieder Epoche zu machen - man müßte nur wie damals im Studium wieder mehr Zeit haben. Ich habe das Buch acht Wochen gehabt und immer wieder reingelesen. Eine gelungene Kombination aus Text und Abbildungen, keine knappen Texte zu den dargestellten Schrifstellern, sondern teilweise Abhandlungen in der Länge einer Rowohlt-Monographie. Das Kapitel zu Max Brod in der erwarteten Qualität und mit der Achtung, die dieser Mann verdient - viel zu oft wird er nur als Trabant Kafkas gesehen. Sicherlich werde ich mir das Buch nochmal ausleihen.

Herlinde Koelbl - "Im Schreiben zu Haus"

(09.06.2006 und vorher) Vollständiger Titel: Herlinde Koelbl, "Im Schreiben zu Haus. Wie Schriftsteller zu Werke gehen.", Fotografien und Gespräche, München 1998.

Tja, wie gehen Schriftsteller zu Werk? Ganz, ganz unterschiedlich - dies der Tenor des Buches. Der eine braucht eine abgeschiedene ruhige Zelle, der andere hat eine Jahres-Netzkarte der Bahn, fährt wild durch die Gegend und schreibt dabei auf dem Notebook; der eine wohnt anal-rigide aufgeräumt, das Schreibzimmer des anderen sieht aus wie bei einem Messie; der eine braucht einen erlesenen Füller, dem anderen ist alles wurscht. Das weiß man natürlich alles, dennoch hat das Buch immer wieder nachdenkenswerte Passagen. Am interessantesten fand ich das Gespräch mit Jurek Becker, aus verschiedenen Gründen. Zum Beispiel habe ich selten so klar einen der immer wieder angeführten Vorteile des Schreibens am PC als tatsächlichen Nachteil dargestellt gesehen:

"Ich habe ein Problem, wenn ich etwas ändern möchte: Natürlich ändert es sich am Computer leichter, da schreibst du statt dem, was da steht, das, was du willst - und schon ist es sauber und in Ordnung. Aber man kann hinterher nicht mehr sehen, wie es vorher war. Vielleicht möchte ich die Änderung aber wieder rückgängig machen, vielleicht nur einen Teil davon. Vielleicht war in der ursprünglichen Fassung irgend etwas doch besser als jetzt, und wenn ich das im Computer geändert habe, ist es verschwunden. Vielleicht gibt es irgendwelche raffinierten Dinger, bei denen das nicht so ist, aber ich habe so etwas nicht. Wenn ich mit der Hand ändere, dann ist da nur ein dünner Strich durch, und ich kann sehen, wie es einmal war. Das verstehe ich übrigens auch unter 'einem Text näher zu sein'."(S.18)

Einige weitere Zitate von Jurek Becker habe ich auf einer eigenen Seite zusammengefasst.

Ausstellung: Josef Anton Koch - "Römische Ansichten"

(10.06.2006) Josef Anton Koch, "Römische Ansichten", eine Galerieausstellung im Kurpfälzischen Museum Heidelberg. Die Ansichten bestehen aus 20 Blättern mit einer Plattengröße von ca. 22 cm x 16 cm, aber das Museum sah sich wohl nicht imstande, diese Handvoll Ansichten in einem Rutsch zu zeigen, sondern stellte bis zum 7.5.06 die ersten zehn Blätter aus, und ich mußte mich nun mit den Blättern 11 bis 20 zufrieden geben. Ein wie üblich abgedunkelter Raum, kleine detailreiche Stiche, die bei der Beleuchtung eine Herausforderung für die Augen waren (warum vergesse ich nur immer ein Leseglas!).

Koch, Ausstellung

Kochs Römische Ansichten sind finster, dunkel, sehr kontrastreich. Man denkt eher an pampige niederländische Ansichten als an lichtüberflutete italienische Landschaften. Der Vordergrund ist meist nahezu schwarz. Mächtige Wolken am Himmel, Rauch aus den Schornsteinen, die Staffagefiguren dick eingepackt - was war da nur für ein Wetter! Sehr detailreich die Ausarbeitung der Geologie und Botanik, aber es wirkt nicht natürlich - weniger wäre mehr gewesen. Nur wenige Radierungen bemühen sich um eine Luftperspektive. Die Räumlichkeit und die Tiefenstaffelung ist ungeschickt - ein Problem, welches Koch auch bei seinen Gemälden nicht in den Griff bekommen hat. Aus irgendeinem Grund müssen manchmal auf den winzigen Himmelsflächen, die eh schon von Wolken und Rauch verunstaltet werden, auch noch Vögel fliegen - so klein, dass sie wie Staubkörner wirken. Totaler Horror vacui - eine riesige Angst vor leeren Flächen (ein häufiges Problem mittelmäßiger Maler).

Ein Riesenabstand trennt Koch von den duftigen, zarten Aquarellen der Romantiker, obwohl er mit ihnen symphatisierte und teils als Vaterfigur gesehen wurde.

Milo Manara (Zeichnung / Hugo Pratt (Story) - "El Gaucho"

(25.06.2006) Manara und Pratt bilden ein Traumteam in der Comic-Kunst, beide gehören seid den achtziger Jahren zu meinen persönlichen Favoriten. Die Zeichnungen von Manara gehören zum besten, was die Zeichenkunst (nicht nur in der Welt der Comics) zu bieten hat. Nur selten berufe ich mich bei Urteilen darauf, dass ich Kunstgeschichte studiert habe, hier schon. Natürlich ist auch Pratt ein exzellenter Zeichner, aber Manara ist um einen Tick vielseitiger und geschmeidiger. Pratt ist überlegen, wenn es um die Dramatisierung einer Geschichte geht, insofern gilt die Aussage vom Traumteam. Der Comic-Roman ist sehr umfangreich (die reinen Zeichnungen machen 127 Seiten aus) und läßt sich in einigen Sätzen nicht zusammenfassen, wenn man ihn gerecht werden will. Er erzählt eine eher unbekannte Episode aus der Geschichte Südamerikas (die Belagerung und Einnahme von Buenos Aires durch die Engländer 1806), im Roman treten einige Besatzungsmitglieder eines englischen Schiffes auf, eine Gruppe bildschöner irischer Mädchen, südamerikanische Großgrundbesitzer, deren Sklaven, englische Offiziere, korrupte südamerikanische Militärs, geheime Logen mischen mit und vieles andere mehr. Das eigentliche Thema ist aber der Versuch der "Helden", der Drangsal und der Schikane an Bord der Kriegsschiffe zu entkommen (zu desertieren) und in "Südamerika", dem riesigen Kontinent vor ihnen, ihr Glück zu machen. Nur leider gelingt das nicht: die kleinen Leute werden im Räderwerk der großen Politik zermahlen. Alles eingebettet in eine Rahmenhandlung.

Wie immer, wenn Manara zeichnet, gibt es traumhaft schöne Frauen zu sehen und fast schon pure Pornographie, es gibt reichlich Gewalt, eine brutale Vergewaltigung, und dies alles in zum Heulen schönen Zeichnungen, die man gesehen haben muß.

Bela und Manaran

Gelesen habe ich den Comic während einer Bretagne-Rundfahrt: In einer der Privatunterkünfte gab es eine nette Comic-Bibliothek.

Yves Swolfs - "Durango. La proie des chacals"

(25.06.2006) Ein Western-Comic der härteren Sorte. Der 1955 geborene Yves Swolfs kann seine Vorbilder Giraud und Hermann für das Genre des realistischen Comic nicht verleugnen. Seine in den achtziger Jahren erschienene Serie "Durango" begründete seinen guten Ruf, den er sich bis heute erhalten hat. Ich habe "La proie des chacals" in der 1991 in der Editions Alpen Publishers neu herausgegebenen Auflage gelesen. Die Story: Durango ist zufällig in der Nähe, als eine Bande von Menschenhändlern, die wieder einmal eine Indianerin über die Grenze nach Mexiko in ein Bordell bringen will, an einem Brunnen eine Rast macht. Sie ruft um Hilfe, er erschiesst drei der vier Entführer, worauf die Frau entkommen kann; der vierte Bandit kann flüchten. In der nächsten Ortschaft wird Durango deswegen von dem mit der Bande abhängigen Sheriff gefangengenommen. Nachts befreit ihn ein Indianer, der den Kampf Durangos mit den Kidnappern der Indianerin beobachtet hat, und von Durango Unterstützung bei der Befreiung seiner eigenen Frau erhofft, die sich schon in einem Ort hinter der Grenze (Santa Rosa), vermutlich schon in einem Bordell, befindet. Durango sagt zu, und in zwei spannenden und gut erzählten und gezeichneten Show-Downs wird die ganze Bande niedergemacht und die Frau befreit. Schön charakterisiert ist die Mischung aus Feigheit und Brutalität im Charakter des Bosses (Jaime Alonzo). Auch wenn die Story sich schnell erzählt: Zusammen mit den ausgezeichneten Zeichnungen bildet sie ein stimmiges Ganzes.

Durango

Molière - "Die gelehrten Frauen"

(01.07.2006) Eine Aufführung vom proVitheater im Romanischen Keller Heidelberg. Super gespielt, man glaubt es kaum, dass es sich bei den Schauspielern NICHT um Profis handelt. In der lebendigen und ausgesprochen humorvollen Aufführung gab es keine Hänger, keine langweilige Minute. An dem Stück soll Molière vier Jahre gearbeitet haben und es selbst als eines seiner Lieblingsstücke bezeichnet haben. Der Witz, die tollen Charaktere, der Ernst hinter der Satire - alles trägt dazu bei, dass das Stück nach über 330 Jahren Bühnengeschichte immer noch wirkt. Geleitet wird das Ensemble von der 1972 geborenen Christiane Daubenberger, die am Ende mindestens soviel Beifall bekam wie die Akteure.

Moliere, proVitheater, Daubenberger

Auf der linken Abbildung Michael Steinhauser in der Rolle des Schöngeistes und Literaten Trissotin, rechts eine etwas dramatische Gruppenszene, aus der sich dann ein Duell zwischen Trissotin und der Gelehrten Vadia (Sibylle Grath, rauchend) entwickelte. Die Bühne war überwiegend schwarz, und die fast schon spartanische Ausstattung zeigte mal wieder, dass Theater nicht von bombastischen Bühnenaufbauten lebt, sondern von den Geschichten und den Menschen.

Schlossfestspiele in Heidelberg: Zwei Western-Stummfilme

(18.07.2006) Zwei Western-Stummfilme aus der Kurpfalz, die in Heidelberg bzw in der Nähe von Heidelberg gedreht wurden. Heutzutage wirken diese File unfreiwillig komisch, weil die Gestik, überhaupt die Körpersprache, vollkommen überdreht ist. Andererseits gelang es damit damals, mit sparsamen Zwischentexten die dargestellte Geschichte zu vermitteln. Es wäre interessant, ob ein heutiger Western mit abgedrehten Ton die Story noch transportieren kann.

William Shakespeare - "Viel Lärm um nichts"

(28.07.2006) Eine Vorstellung bei den Schlossfestspielen in Heidelberg. Hat mich nicht beeindruckt.

Wolfgang Emmerich - "Gottfried Benn"

(07.08.2006) Vor einigen Jahrzehnten (am 24.04.1973), noch in der Oberprima, habe ich die unten links abgebildete Rowohlt-Monographie zu Gottfried Benn (von Walter Lennig) gekauft. Benn war seit 1972 mein Lieblingsdichter, und noch heute schaue ich mir wichtige Neuerscheinungen zu Benn immer an. Mehr oder weniger zufällig zu der laufenden Benn-Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne in Marbach, die ich in nächster Zeit besuchen möchte, wurde vom Rowohlt-Verlag diese Monographie neu herausgegeben - eine ideale Vorbereitung für den Ausstellungsbesuch. Autor ist diesmal Wolfgang Emmerich.

Walter Lennig hatte den Vorteil der Zeitgenossenschaft und der persönlichen Bekanntschaft (er ging manchmal mit Benn ein Bierchen zischen), Emmerich hat den Vorteil der weit umfangreicheren Primär- und Sekundärliteratur: So wichtige Briefwechsel wie der mit F.W. Oelze lagen Lennig noch nicht vor. Auch die umfangreichen Briefwechsel mit verschiedenen Frauen, zu denen Benn eine Liebesbeziehung unterhielt, waren noch nicht herausgegeben. Kein Wunder, dass der Mythos des großen Einsamen inzwischen kräftig revidiert worden ist, so faszinierend er (zumindet für mich damals) war.

Emmerich, der noch zur Schule ging, als Benn starb, hat das inzwischen vorliegende umfangreiche Material zur Verfügung und steht nicht im Bannkreis der Bennschen Selbstinzenierungen, deren Opfer Lennig teilweise war. Man kann sagen, dass das Ergebnis gelungen ist. Bei der Lektüre habe ich kaum etwas von den Themen vermisst, die für mich mit Benn verbunden sind. Vielleicht kommt der geistesgeschichtliche Hintergrund (besonders des frühen Benn) etwas zu kurz, vielleicht hätte die Rolle von Nietzsche noch etwas intensiver herausgestellt werden sollen. Aber das sind marginale Kritikpunkte.

Für mich neu und interessant war der Hinweis auf den eigentlich auffallenden Widerspruch von Benns Poetologie (formuliert zur Hauptsache in seinem berühmten Vortrag "Probleme der Lyrik") zu seinen eigenen Gedichten: Da wird von kalter monologischer Kunst geredet und theoretisiert und gleichzeitig werden emotionale "Parlando-Gedichte" geschrieben.

Benn Monografie

Nicht gefallen haben mir die Abbildungen in der neuen Ausgabe: Sie sind oft zu klein und viel zu kontrastreich. Schwarz-weiss-Aufnahmen müssen nicht von tiefstem Schwarz bis zu blendenden Weiss gehen. Schon die gleichzeitig gescannten Titelbilder machen die Abbildungsqualität deutlich. Der Textumfang ist zugunsten der Lesbarkeit erheblich reduziert worden, zur Hauptsache wurden die langen Originalzitate der Lenning-Ausgabe weggelassen. Hatte die alte Ausgabe noch 180 Seiten, bringt es die neue Ausgabe nur auf 159 Seiten. Gleichzeitig wurde die Anzahl der Zeichen pro Seite von ca 3260 auf 2400 reduziert. Weniger kann aber auch mehr sein: die alte Ausgabe liest sich wegen der kleineren Schrift und den engeren Zeilenabständen erheblich unbequemer.

Preise: 1973 habe ich 4,80 DM für den Band bezahlt, was mir damals für ein Taschenbuch teuer vorkam, 2006 kostet der Spaß 8,50 Euro (ca 16,60 DM).

(Arno-Schmidt-Ausstellung in Marbach, zweiter Besuch)

(16.08.2006) Zum zweitenmal (nach dem 20.05.2006) und wieder fast drei Stunden in der Arno-Schmidt-Ausstellung in Marbach gewesen. Auch beim zweitenmal nicht langweilig geworden. Eine Super-Präsentation. Diesmal habe ich meine Lesebrille mitgenommen und konnte endlich auch die winzigen Original-Fotos genauer anschauen. Etwas mehr Zeit investierte ich im "Kartenraum", in dem Stadtpläne und Landkarten aus Arno Schmidts Produktion versammelt waren. Auch ich liebe Karten.

Arno-Schmidt-Ausstellung
Blick in einen der Ausstellungsräume in Marbach, die sich mit der Biographie Schmidts beschäftigten. Wer zum Betrachten der Fotos und Karten keine Brille oder kein Leseglas dabei hatte, war auf verlorenem Posten.

Arno-Schmidt-Ausstellung
Einer der Themenräume, hier zu den literarischen Vorbildern (Jules Verne, Karl May, Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Schnabel und andere).

Ausstellung "Benns Doppelleben" in Marbach

(16.08.2006) Anschließend an die Arno-Schmidt-Ausstellung noch in die Gottfried-Benn-Ausstellung "Benns Doppelleben" im Literaturmuseum der Moderne (das Kombiticket machte es einigermaßen preiswert möglich). Im Vergleich zur Schmidt-Ausstellung leider sehr dürftig und obendrein noch furchtbar präsentiert. Ich hatte zum Glück keine Probleme, aber weniger lange Zeitgenossen konnten die Exponate auf den oberen Glasböden der Vitrinen definitiv NICHT sehen. Schade. Warum die Texte und Fotos so dämlich auf die Glasböden gelegt wurden, dass man sie nur schräg und schon gar nicht komplett sehen konnte, wird das Geheimnis der Ausstellungsmacher bleiben. Wären sie doch nur rüber zur Schmidt-Ausstellung gegangen und hätten geschaut, wie man ausstellt. Was nützt ein hypermodernes Museum, wenn die Exponate offenbar nur dazu dienen sollen, eine Schicki-Micki-Ach-sind-wir-modern-Ausstellung zu bestücken? An der Kasse bekommt man ein High-Tech-Funkteil geradezu aufgenötigt, mit welchem man durch die Ausstellung gehen soll. Soweit ich beobachten konnte funktioniert es nicht in allen Räumen, und mit der Bedienung hatten die meisten Besucher Probleme. Ich nahm keines, denn ich bin selten allein in Ausstellungen und bin gewohnt, mit meiner Begleitung über die Exponate zu reden. Auch gehöre ich noch nicht zu den modernen Analphabeten, die alles vorgelesen bekommen möchten. Ich will die Informationen lesen können und in der Geschwindigheit aufnehmen können, wie es mir genehm ist: Die Zeitvorgabe möchte ich setzen. Unter diesen Prämissen kommt man sich in so einem Museum natürlich veralbert vor. Immerhin gab es innerhalb der Benn-Ausstellung ein Info-Blättchen über die Anordnung der Exponate in den Vitrinen.

"Circus Roncalli" in Ludwigshafen

(24.08.2006) Es war nicht die schönste Aufführung des Circus Roncalli, die ich bisher gesehen habe, aber beeindruckend und, ja, erhebend ist er immer. Schön, dass es noch Zirkus gibt. Ich liebe die Zirkus-Stimmung, und gehe mindestens in jeden Zirkus, der nach Heidelberg kommt. Für den Roncalli kann's auch Ludwigshafen sein.

Sky & Telescope, einige Jahrgänge

(26.08.2006ff) Durch einige Jahrgänge von Sky and Telescope gewühlt (Hefte von Mitte 1993 bis Anfang 1998) und ausgemistet.

Interessante Zeit: Erstentdeckung von Planeten bei anderen Sternen, Erstentdeckung von Braunen Zwergen, die beiden unvergeßlichen Kometen Hyakutake und Hale-Bopp, Galileo bei Jupiter, Hipparcos, das Internet wird für Amateurastronomen zur Schatzgrube, CCD-Kameras werden für Amateure erschwinglich und und und... Viele Erinnerungen kamen hoch, besonders an die beiden Kometen. Trotzdem: Die Hefte wurden durchgesehen, wichtige Bilder oder Aufsätze herausgetrennt, und dann gnadenlos zum Altpapier gegeben.

Die Zeitschrift habe ich seit 1980 abonniert, von Zeit zu Zeit muss man sich (leider) von alten Heften trennen, denn pro Jahr kommt ein Stapel von 6-7 cm zusammen. Jetzt habe ich immer noch fast einen Meter Sky and Telescope vor mir, und ich hatte bzw habe noch mehrere andere Astro-Zeitschriften abonniert. Mein Eindruck über die Evolution des Heftes ist, dass die Aufsätze früher tiefschürfender waren, häufiger von den Original-Wissenschaftlern selbst geschrieben waren, die bekanntlich besonders im angelsächsischen Bereich gewohnt (und genötigt) sind, ihr Forschungsgebiet zu vermarkten, und folglich auch mehr Übung haben, die Thematiken in einen größeren Kontext zu stellen und trotzdem allgemeinverständlich für fortgeschrittene Amateure über ihr Thema zu schreiben. Die Aufsätze der letzten Jahre waren weniger gehaltvoll. Natürlich ist das Layout heutzutage peppiger, bunter, aber damit gleicht man inhaltliche Schwächen nicht aus (abgesehen auch davon, dass peppig und bunt nicht jedermanns Sache ist).

Paul Graham - Essays

(31.08.2006) Jeder hat so seine Vertrauenspersonen an der Hand, von denen man eigentlich immer wissen will, mit was sie sich gerade beschäftigen (das muss interessant sein) oder was sie zu einem virulenten Thema zu sagen haben (das hat immer Hand und Fuß). Sieht man von seinen Lieblingsschriftstellern einmal ab, so bleiben ein halbes Dutzend Leute übrig. Zum Beispiel Paul Graham. In regelmäßigen Abständen schaue ich nach neuen Essays auf seiner wohltuend nüchternen Webseite, UND LESE SIE! Es lohnt sich nämlich. Im Lauf des August habe ich wieder mal alle zusammengekommenen neuen Beiträge gelesen, etwa zehn Stück.

Ein wichtiger Aspekt für mich ist, dass Graham lange geschwankt hat, ob er Maler werden soll, den Kunstmarkt und die Kunst also sehr wach beobachtet hat und kennt, und interessante Bezüge zu anderen Arbeitsbereichen herstellen kann - und sei es die IT-Branche, in der nunmal auch ich meine Brötchen verdiene.

Auftritt der Strada Montana Big Band beim Strassenfest in Schriesheim

(03.09.2006) Ursprünglich wollten wir nur eine halbe Stunde vorbeischauen, geworden sind es dann aber mehr als zwei Stunden - das Zuhören und Zuschauen hat einfach zuviel Spaß gemacht. Die Strada Montana Big Band hat jede Menge Funk- und Soul-Stücke (Wilson Pickett, James Brown, Sly and the Family Stone usw) im Repertoire, es ging also recht fetzig zu. Auch wenn man nicht auf (Big-Band-)Jazz steht: live genossen ist das halt immer eine andere Sache.

Strada Montana Big Band
Reinhard (links im Hintergrund im Schatten) am Bass, also ein MUSS für jeden Musikfreund :-)

Bernhard Epple - Katalog zur Ausstellung anläßlich seines 75. Geburtstages

(08.10.2006) Vollständiger Titel: Bernhard Epple - Katalog zur Ausstellung anläßlich seines 75. Geburtstages (Heidelberger Bibliotheksschriften 29, von 1988).

Am 11.10.1987 wurde Bernhard Epple 75 Jahre alt, Anlass genug für die Universitätsbibliothek Heidelberg, eine Ausstellung für ihn zu veranstalten, denn seit 1958(!) schon hatte Epple einen Lehrauftrag für den akademischen Zeichenunterricht an der Universität Heidelberg inne. Von 1976 bis 1977 habe ich dort meinen ersten (Akt-)Zeichenunterricht genommen - wie man an meiner Zeichnung vom 15.12.1976 unschwer erkennen kann noch mit reichlich Problemen mit den menschlichen Proportionen.

Bela, Aktzeichnung
Einer meiner Aktzeichnungen (15.12.1976)

An den Unterricht kann ich mich noch sehr gut erinnern: Epple war hauptberuflich Kunsterzieher am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium in Heidelberg (wo auch der akademische Zeichenunterricht zu dieser Zeit stattfand), und er war noch ein Lehrer von altem Schrot und Korn. Obwohl jedesmal zum Beginn des Semesters etwa 40 Studenten teilnahmen, reduzierte sich die Anzahl in den folgenden Wochen immer wieder auf die Hälfte - nicht wegen des anstrengenden Studiums, sondern wegen der anstrengenden und strengen Art von Epple. Mucksmäuschenstill war es während des Unterrichts, nur ganz vereinzelt ein kurzes Flüstern - in den 70er Jahren im akademischen Betrieb überhaupt nicht selbstverständlich. Eine Paukstimmung herrschte: Die Sache war ernst, kein Spiel: Kunst muss erlernt werden - mit "genialisch" war da nichts zu machen. Sprüche wie "Sie sprechen Deutsch?", "Sie können mir folgen?" waren an der Tagesordnung, die Kritiken gingen manchmal stark unter die Gürtellinie. Etwas Ressentiment gegenüber Studenten war immer zu spüren. Vielleicht war es ja auch nur sein Mittel, um die mäßig Interessierten zum Absprung zu bewegen, aber schön war die Stimmung im Unterricht jedenfalls nicht. Um etwas positives zu sagen: Fachlich war der Unterricht gut und ich habe viel gelernt. Epple legte Wert auf interessante oder dynamische Stellungen und wies immer auf die Aufgabe des Zeichners hin, Stellungen übertrieben oder dramatisiert wiederzugeben.

Epple, Katalog

Anläßlich der Aufarbeitung einiger privater Geschichten habe ich mir diesen Katalog günstig besorgt und intensiv durchgesehen. Epple war ein sehr genauer Naturbeobachter: Seine Canyonlandschaften aus den USA oder seine Stadtlandschaften aus Italien sind schon gut - aber der Mensch ist fast immer abwesend, und nur in seinen vergleichsweise häufigen dekorativen Arbeiten (vgl. das Titelbild des Kataloges) sind auch Menschen als dekoratives Element erlaubt. Auf einer reichhaltigen Webseite zu Epple finden sich allerdings auch Porträts.

Unvergesslich auch die junge spanische Frau, die meist Modell stand: Sie machte ohne dazu aufgefordert zu werden die schönsten (und sicherlich nicht einfachen) Stellungen.

Walter Grünzweig und Ursula Seeber (Hrsg.) - "Fred Wander. Leben und Werk."

(08.-12.10.2006 und nochmal Anfang November) Fred Wander ist einer meiner Lieblingsschriftsteller, diese erste Aufsatzsammlung aus dem Weidle Verlag zum Werk Fred Wanders war somit ein Muss für mich.

Fred Wander

Der Band versammelt Aufsätze sehr unterschiedlicher Qualität. Besonders lesenswert empfand ich folgende Beiträge:

Ich habe den Band in einer eigenen Datei ausführlicher und mit wichtigen Zitaten vorgestellt.

Recherche zu M31 RV

(22.10.2006) Literaturrecherche und Zusammenstellung von Aufnahmen der Umgebung. Ein relaxtes Wochenende, an dem ich mir viel Zeit genommen habe, einen meiner Lieblingssterne nachzuspüren: M31 RV. Auf allen meinen guten Aufnahmen des Zentrums von M31 die Region gesucht und als neue Abbildung abgespeichert, dabei normalisiert und den Hintergrundsgradienten abgezogen. Leider ist der Stern immer unsichtbar. Die im Internet verfügbare Literatur (meist als preprint) abgespeichert und durchgesehen.

Le Tendre, Lidwine, Loisel - Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit, Bd. 5 "Javin".

(03.11.2006) Erschienen ist dieser Band 1998(!) - seitdem muss man auf eine Fortsetzung warten. Régis Loisel war die letzten Jahre zu stark mit der Fertigstellung seiner Peter-Pan-Serie beschäftigt, und obwohl bei Band 5 des Vogel-Zyklus schon der bretonische Zeichner Dominique Lidwine mitarbeitete, ist Loisel nicht zu ersetzen. Auf der Webseite von Loisel habe ich sechs Panelseiten des Fortsetzungsbandes gefunden, in gewohnt exzellenter Qualität, wenn auch noch in Schwarz-Weiß und mit Randanmerkungen, wo noch zu korrigieren ist. Um diese Seiten (1, 2, 3, 21a, 21b, 22) so richtig geniessen zu können, habe ich den Band 5 nochmal komplett gelesen - eine zum Heulen schöne Grafik! Glücklicherweise wird dieses künstlerische Niveau im Folgeband gehalten, ein allerdings nur schwacher Trost, da bis zum Erscheinen dieses Bandes wohl noch einige Jährchen dahingehen werden (geplant ist zwar 2007, aber schauen wir mal).

Walter Grasskamp - "Das Cover von Sgt. Pepper"

(12./13.11.2006) Vollständiger Titel: Walter Grasskamp - "Das Cover von Sgt. Pepper" (2004, Verlag Klaus Wagenbach, Band 71 der Reihe KLEINE KULTURWISSENSCHAFTLICHE BIBLIOTHEK)

Grasskamp
Buchcover und kleine Vorstudie von Peter Blake zum geplanten Cover der LP

Ein von der ersten bis zur letzten Seite hochinteressant und spannend zu lesendes Buch, in welchem Walter Grasskamp seiner selbst formulierten Aufgabe glänzend nachkommt, dem lange Zeit "bekanntesten unbekannten Kunstwerk des 20. Jahrhunderts" die differenzierten Betrachtungsmethoden zukommen zu lassen, die in der Kunstgeschichte traditionell nur einem als "Kunstwerk" wahrgenommenen Gegenstand gegönnt werden. Selten habe ich ein kunsthistorisches oder kunstwissenschaftliches Buch gelesen, welches gleichzeitig so packend und erhellend geschrieben ist und sich dennoch strikt an akademische Regeln hält. Was wiederum Hoffnung darauf macht, dass sich die unselige Trennung in Hoch- und populäre Kultur endlich doch einmal abschleift und neben Plattencovern auch Comics und andere Produkte einer intensiveren Betrachtung unterzogen werden, wie sie es verdienen. Zu optimistisch darf man natürlich auch nicht sein, legen doch noch immer viel zu viele Menschen Wert auf zur Schau getretene Logos irgendwelcher "Designer", da sie keinen eigenen Geschmack haben, und die gleichzeitig als Preisschild ("guck, ich bin teuer") funktionierenden Namenszüge irgendwelcher Klamotten stolz auf der Brust vor sich hertragen und sich damit "in" fühlen. Ähnlich erging es lange den Kunsthistorikern: Sie durften nur über anerkannte Kunstwerke arbeiten. Egal wie schlecht ein Gegenstand beurteilt wurde: Hatte er es (zum Beispiel über Vitamin B) in den nobilitierenden Umkreis der Gallerien oder Museen geschafft, stand sein Status als Kunstwerk ausser Frage, auch wenn kein Ausstellungsbesucher mehr als einige Sekunden kopfschüttelnd draufschaute und dann weiterging. Grasskamp spricht hier von "charismatischen und nicht-charismatischen Distributionswegen" für Kunstwerke.

Das Albumcover von Sgt. Pepper stammt - wie inzwischen allgemein bekannt sein sollte - von Peter Blake, einem der wichtigsten britischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Wie jedes Kunstwerk hat es Vorläufer im Werk von Blake selber, hat es Bezug auf eine Bildtradition, die Grasskamp bis zu Raffaels "Schule von Athen" zurückverfolgt, hat es selber Schule gemacht (bis hin zu Parodien) und eine inzwischen Jahrzehnte währende Wirkungsgeschichte. Dass es erst lange nach seinem Erscheinen als Kunstwerk in das Oeuvre von Blake eingegliedert wurde, auch dieses kulturhistorische und wissenschaftsgeschichtliche Phänomen wird von Grasskamp hochinteressant dargestellt. Alles natürlich etwas kurz (das Buch hat schließlich nur 134 Seiten), aber Dank der Anmerkungen und der Literaturangaben ohne Probleme zu vertiefen.

Bei der Lektüre habe ich eine Unmenge von Stellen zum Exzerpieren angestrichen, hier eine kleine Auswahl davon.

Alberto Savinio alias Andrea de Chirico - "Die Nacht Salomos" (1930)

(15.11.2006) Alberto Savinio, der Bruder von Giorgio de Chirico, hat mich sowohl als Maler als auch als Literat in den siebziger Jahren in Bann geschlagen. Seine "Nacht Salomos" habe ich im Sommer 1974 während meines Zivildienstes kopiert (so gut ich konnte), und nahezu zwei Jahrzehnte lang hatte ich das Bild immer in meinem Zimmer hängen.

Bela und Savinio
Yours truly 1974 (Zivildienst in Walldürn).
Das Zeug auf dem Tisch war für die Abschlußparty.

Bela und Savinio, Die Nacht Salomos
"Die Nacht Salomos" (meine Kopie von 1974).
Zum Vergrößern draufclicken.

Im "Surrealismus"-Band der Galerie Schuler (Autor: Enrico Crispolti), in dem ich zu dieser Zeit ständig blätterte, befanden sich zwei Gemäldeabbildungen von Alberto Savinio, aber auch der folgende Text von ihm (im Original aus der Szenenfolge "Les Chants de la Mi-Mort"), den ich immer mal wieder lese - und gerade eben mal wieder nötig hatte:

"Ein roter Platz. Eine Mauer. Ein Haus mit einem Fenster, in dem eine Kerze auf silbernem Kandelaber brennt. Es ist tiefe Nacht, doch der Himmel ist blau. Der Glatzenmensch sitzt zusammengekauert auf dem Boden. Blecherne Zielscheibenmänner stehen in Reih und Glied an der Wand entlang, die Herzgegend ist durch ein rotes Herz kenntlich gemacht. Schwarze schmiedeeiserne Männer gehen an der Mauer mit schleppenden Schritten vorbei. Unaufhörlicher Trommelwirbel im Hintergrund. Schwarze Männer, die sich unter scheußlichen Leibschmerzen winden, bedecken mit einem schweren Mantel den Glatzenmann, dann gehen sie, die Knie beugend und unter Seufzern, ab. Auf einmal wirft der Arm des Glatzenmannes die Decke ab und seine Hand hält eine Lampe, die ein furchterregend helles Licht verbreitet. Man hört das schreckliche Geräusch eines zerreißenden groben Tuches. Sofort hört der Trommelwirbel auf. Stille." (S.13)

Alice Munroe - "Himmel und Hölle" (neun Erzählungen)

(20.-25.11.2006) Laut Klappentext (bekanntlich sind die ja immer eine total seriöse Quelle...) ist Munroe für den Literaturnobelpreis im Gespräch und was so das übliche blablabla ist. Läßt man sich davon nicht abschrecken, dann hat man wirklich ein tolles Buch in der Hand, dessen neun Erzählungen sich lesen wie kurze Romane. Meist überspannen die Geschichten einen langen Zeitraum, springen von der Jugend der Protagonisten in das Alter der Handelnden oder schildern auch Nebenfiguren so intensiv, dass ein sehr plastisches Panorama entsteht.

Alice Munroe

Fast immer wird aus der Perspektive einer Frau geschrieben, mit einer Ausnahme: Die Erzählung "Der Bär kletterte über den Berg" wird aus der Sicht eines Mannes erzählt, der im Alter erleben muß, wie seine geliebte Frau immer mehr geistig abbaut, bis sie ihn phasenweise kaum noch erkennt. Wie sich diese Liebe dann doch noch bewährt - das ist sehr bewegend beschrieben und macht die Geschichte für mich zur besten des Bandes.

Kommt "die Liebe" wie in dieser Erzählung meist gut weg, so bieten die beschriebenen Ehen (welche ja nichts mit "Liebe" zu tun haben müssen...) meist ein reichlich abschreckendes Bild - die typische amerikanische oder kanadische Ehe in den fünfziger oder sechziger Jahren muß ein wahrer Alptraum gewesen sein, wahrscheinlich für beide Partner.

Wer immer schon mal wissen wollte, wie eine Leiche bei einem Bestattungsunternehmen für eine Einäscherung vorbereitet wird, der lese die Geschichte "Trost". Danach weiß man, für was ein Ding namens Trokar gut ist...

Firuz Askin - Illustrationen zu "Heißer als tausend Sonnen"

(01.12.2006) Mindestens seit 1987, unserem letzten Umzug, habe ich diese Illustration gesucht, der ich als Kind Alpträume zu verdanken hatte. Bei einer überfälligen Aufräumaktion ist sie nun wieder aufgetaucht (und zum Glück ist es nicht mehr nötig, sich direkt an den Verlag zu wenden und um eine Archivsuche zu betteln, was ich tatsächlich erwogen hatte).

Firuz Askin

In einem Bericht der Bunten Illustrierten aus der Mitte der Sechziger Jahre wurden von Hanns Manfred Heuer die seit 1960 entwickelten Laser vorgestellt, wobei der Schwerpunkt auf das militärische Potenzial gelegt wurde. Es ist vielleicht ungerecht, von Kalten Krieg zu sprechen, auch hat dieses Bild ein Pendant, in welchem eine russische Stadt angegriffen wird - das ist aber alles ganz egal! Was mir als Kind körperliche Angst einjagte und lange Zeit zu Alpträumen führte, das war diese furchtbar gleichgültige Art, Städte zu zerstören, Massenmord zu begehen. Dieses hilflose Ausgeliefertsein dem Machtkalkül irgendwelcher Politiker oder Despoten. Heute mag das schwer nachzuvollziehen sein (na ja, nach dem 11.9. vielleicht doch wieder nicht mehr), aber damals in der aufgeheizten Stimmung des Wettrüstens war dieses Gefühl von Hilflosigkeit und Gefahr nicht so abwegig. Auch die anderen Bilder des Beitrags hatte ich noch gut im Gedächtnis, die hier gezeigte Abbildung ist aber das Bild, das ich nie wieder vergessen habe. Gemalt ist es nicht, wie ich ursprünglich gedacht habe, von Theo Bleser (1918-1974), einem freischaffenden Maler und Werbegrafiker, sondern von Firuz Askin (1924-2011). Firuz Askin ist in Istanbul geboren, siedelte mit seiner Frau Güner 1959 nach München um und begann im Januar 1960 seine Arbeit im Atelier von Theo Bleser. Wahrscheinlich wurde für die üblichen Auftragsarbeiten dann der Name des Ateliers verwendet, der einzelne Illustrator verschwand so in der Anonymität. Da Askin sich schon Anfang 1963 selbständig machte, sind die Abbildungen entweder früher entstanden als vermutet oder Askin bekam noch Aufträge vom Atelier Theo Bleser weitergereicht.

Auf die Urheberschaft von Firuz Askin bin ich nur zufällig gestoßen, denn auf seiner Webseite (die es immer noch gibt) sind diese Illustrationen als seine Werke gelistet worden.

Ich hätte gerne den Katalog von Firuz Askin bestellt, als er herauskam, empfand ihn aber zu teuer. Leider ist er jetzt nicht mehr neu zu beziehen, und gebraucht inzwischen noch teurer als früher neu. Blöd.

Felix Weltsch - "Religion und Humor im Leben und Werk Franz Kafkas". Herbig, 1957

(02.-09.12.2006) Mindestens einmal im Monat wühle ich im Antiquariat Hatry in Heidelberg, und diese Woche gab es fette Beute. Die Arbeit von Weltsch ist zwar schmal (etwas über neunzig Seiten nur), das Buch auch antiquarisch reichlich teuer (7,50 Euro), aber für Kafka-Freunde ein Geschenk. Felix Weltsch war eng mit Kafka befreundet, spricht also aus unmittelbarer Erfahrung. Der Text ist durchgängig "no-nonsense", mit Floskeln und unnötigen Anekdötchen wird kein Raum verschwendet, in den fünfziger Jahren war Papier noch teuer. So liest sich der Text auch nicht in einem Hauruck innerhalb einer Stunde, und ich war eine ganze Woche damit beschäftigt. Eine lohnende Lektüre, die zwar wenig neues bringt, wenn man mal einen gewissen Stapel von Sekundärliteratur abgearbeitet hat, die aber vieles auf den Punkt bringt und pointiert.

Interessant, dass wie Max Brod auch Weltsch den "Fall Janouch" nicht für einen Betrugsfall hält, sondern die von Janouch 1952 veröffentlichten "Gespräche mit Kafka" als authentisch (wenn auch nachträglich stilisiert) und als wertvolle biographische Quelle betrachtet[S.31]. Damit haben die engsten Freunde Kafkas (und auch Dora Diamant) einen Text als authentisch eingestuft, der heutzutage nahezu einhellig als Fälschung betrachtet wird. Seltsam.

Adolf Opel schildert in "Wo mir das Lachen zurückgekommen ist. Auf Reisen mit Ingeborg Bachmann" ein Treffen mit Janouch am 3.3.1964 [S.64/65]. Janouch galt damals als misstrauisch, total zurückgezogen und an Verfolgungswahn leidend. Das Treffen war offenbar eher anstrengend (und für Ingeborg Bachmann nahezu unerträglich), und leider erfährt man auch nicht, welches "mysteriöse Manuskript" Opel da ausgehändigt bekommt, um es nach Westdeutschland zu bringen. Eine seltsame Gestalt.

Recherchen zum Micro-Lensing-Phänomen wegen GSC 3656-1328 = Var Cas 06

(08.12.2006) Micro-Lensing-Ereignisse kann man praktisch nur bei sehr schwachen Sternen beobachten, weil dieses Phänomen so selten ist (und es mehr schwache als helle Sterne gibt...). Ende Oktober wurde ein Durchschnittstern (GSC 3656-1328) im Sternbild Cassiopeia etwa sechzigmal heller, war in einem kleinen Feldstecher sichtbar, sah aber die ganze Zeit über weiterhin total durchschnittlich aus. Die Form der Lichtkurve und die Unveränderlichkeit des Spektrums machen den Schluß nahezu zwingend, dass es sich hier um ein Micro-Lensing-Ereignis handelt, bei einem Stern dieser Helligkeit ein Ereignis, welches man nur alle etwa 30 Jahre beobachten kann, wie ein Kenner der Materie ausrechnete (wohlgemerkt nicht nur für diesen Stern, sondern für alle Sterne der gleichen Helligkeit zusammengenommen). Für einen Aufsatz alle verfügbaren mails aus verschiedenen mailing-Listen gelesen und über das Micro-Lensing-Phänomen anhand weterer Sekundärliteratur informiert.

BAV-Rundbrief 4(2006)

(09.12.2006) Vierteljährlich kommt der BAV-Rundbrief, das Mitteilungsorgan der Bundesdeutschen Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Sterne, und die Nummer 4(2006) des inzwischen 55. Jahrgangs habe ich mal wieder nahezu vollständig gelesen, nachdem ich zur Lektüre der letzten Hefte etwas weniger Motivation aufbringen konnte.

Heinrich Heine - "Die Harzreise"

(09./10.12.2006) Manchmal gibt es Lektüreerlebnisse, die einen für das ganze Leben prägen. Vom 12.-21.10.1972 war ich mit meiner Klasse, der 13c des Helmholtz-Gymnasiums Heidelberg, im Schulland- und Jugendheim "Haus Berlin" in Hohegeiß / Harz. Der Aufenthalt diente hauptsächlich der Vertiefung (eigentlich ein Euphemismus) der fast nicht vorhandenen Französisch-Kenntnisse unserer Klasse, die nahezu durchgängig frankophob war, und bei der Hälfte von uns ging es letztlich nur darum, erfolgreich die "5" zu verteidigen, um nicht wegen einer "6" durch das Abitur zu fallen. Bis auf einen Mitschüler ist es dann auch allen geglückt. Als Angebot für Literaturfreunde gab es eine Arbeitsgemeinschaft, die dem Anlaß entsprechend Heinrich Heines "Harzreise" lesen sollte. Mit meinem Freund Toncek (auf der Abbildung unten in der Mitte) machte ich natürlich mit, und wir waren von Heine so begeistert, dass wir eine Menge Heine-Gedichte auswendig lernten (wir hatten auch einen kleinen Gedicht-Band mitgenommen) und ich mir kurz nach der Rückkehr aus dem Harz eine Gesamtausgabe von Heine kaufte.

Heinrich Heine, Harz, Bela, Toncek
Links: unsere Zimmer-"Besatzung"; mitte: Toncek; rechts: ich

Gleichzeitig konnten wir uns nicht satt hören an der LP "Heinrich Heine. Lyrik und Jazz", die von Gerd Westphal emphatisch und mit Schmackes zur tollen Musik des Attila-Zoller-Quartetts gelesen wurde. Dieses Jahr (2006!) wurde endlich die lange vergriffene LP als CD veröffentlicht, in einer hervorragenden Qualität, besonders wenn man berücksichtigt, dass die Aufnahmen schon 1964 gemacht wurden. Am 15.09.06 habe ich zuerst von der Wiederveröffentlichung gelesen, und natürlich habe ich mir sofort diese CD geholt (1972 habe ich die LP auf Tonband aufgenommen, in den achtziger Jahren die Tonband-Aufnahmen auf Kassette überspielt, Ende der neunziger Jahre diese Kassettenaufnahmen auf CD gebrannt - man kann sich vorstellen, wie die Klangqualität nach diesem Marsch durch die Medien war). Ein Genuß, diese CD nun zu hören.

Und wegen dieser CD habe ich auch Lust bekommen, Heines "Harzreise" wieder einmal zu lesen.

Filmpreview: "Der weisse Planet" von Thierry Ragobert und Thierry Piantanida

(17.12.2006) Wie schon "Die Reise der Pinguine" (vgl. Eintrag am 23.10.2005) ein betörend schöner Naturfilm, bei dem es durch das geschickte Zusammenschneiden einer Unmasse von Filmmaterial (über 1000 Stunden) gelingt, auch hartgesottene Genossen (wie Eisbären) recht "menschlich" wirken zu lassen - die Auswahl des Filmmaterials macht's eben. Teilweise ausgezeichnete Musik: Ich hätte schwören können, die Gruppe Sibèba aus Äquatorialguinea gehört zu haben, aber im Abspann habe ich's auf die Schnelle nicht sehen können.

Heidelberger Weihnachtscircus

(30.12.2006) Der Besuch gehört zum jährlichen Ritual. Toll wie immer. Schade, dass das Zelt nur zu einem Fünftel besetzt war.


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