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Journal 2015

Jonas Jonasson - Die Analphabetin, die rechnen konnte

(29.12.2015) Das Buch beschreibt die steile Karriere eines afrikanischen Mädchens (Nombeko Mayeki) von einer Township-Bewohnerin bis hin zur Botschafterin Schwedens in Südafrika.

Der Titel passt nicht zum Buch. Zwar kann die Protagonistin zu Beginn tatsächlich noch nicht lesen, lernt es aber noch während der ersten ein oder zwei Dutzend Seiten und ist ab dann eine wahre Bücherfresserin, die sich durch ganze Bibliotheken liest.

Jonasson, Analphabetin
Jonas Jonasson "Die Analphabetin, die rechnen konnte"

Ich kannte Jonas Jonasson nicht, wusste nichts vom Erfolg des Films "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand". Ich hatte bei einem Arzttermin einige Minuten zu warten, was unüblich ist, und fing wahllos eines der Bücher zu lesen an, die im Wartezimmer vorhanden waren. Nach fünf Minuten kam ich schon dran, hatte bis dahin die ersten 12 Seiten gelesen - und wollte das ganze Buch lesen. Ich habe einfach die Ärztin gefragt und bekam die Erlaubnis, das Buch auszuleihen. Es war also eine recht spontane Lektüre.

Sonderlich tiefschürfend fand ich das Buch nicht, es gibt zwar immer wieder einige launige Einblicke in die Verhältnisse Südafrikas unter der Apartheid, der israelische Geheimdienst spielt mit sehr bedenklichen Methoden eine gewisse Rolle, eine seltsame WG findet sich in Schweden um Nombeko zusammen, unwahrscheinliches und unmögliches geschieht (einen Sprung aus einem Hubschrauber aus einer normalen Flughöhe ohne Blessuren zu überleben und o Wunder genau im eigenen Haus auf dem Kissenlager zu landen halte ich - kleinlich wie ich manchmal bin - für unmöglich) - aber der Roman ist witzig und liest sich leicht und trotz seiner 448 Seiten sehr schnell. Kritiker bemägeln, dass es ein zweiter Aufguss eines Erfolgsrezeptes wäre, dazu kann ich nichts sagen, ich kenne den ersten Aufguss nicht.

Nach diesem netten und witzigen, letztlich aber doch etwas seichten Buch kann ich mir nicht vorstellen, noch weitere Bücher von Jonas Jonasson zu lesen.

 

Mondfinsternis am Morgen des 28.09.2015

(28.09.2015) Dies war die letzte gut beobachtbare Mondfinsternis für Mitteleuropa für einige Jahre - trotz der herausfordernden Beobachtungszeit (ich habe von 3h35 MESZ bis 4h45 MESZ beobachtet) also eine Pflichtveranstaltung für Hobby-Sterngucker.

Als ich nach 3 Stunden Schlaf aufstand, hatte die Finsternis schon begonnen, aber diese Phase finde ich auch nicht sonderlich spannend. Aber die Mitte der Finsternis, die Totalität, war tief beeindruckend. Es war eine der dunkelsten Mondfinsternisse, die ich bisher beobachtet habe, und das macht das direkte Erleben unverzichtbar - diese Stimmung gibt keine Kamera wieder.

Zwischendurch machte ich noch zwei Sternfeldaufnahmen für mein Veränderlichenprogramm - das wäre ohne Mondfinsternis (bei Vollmond!) nicht möglich gewesen.

Nach 4h45 war ich zufrieden und ging noch ein Stündchen schlafen, bis um 5h55 zur üblichen Zeit mein Wecker mich wieder aus den Träumen riss. So konnte ich aber noch das Ende der Finsternis beim Vorbereiten des Frühstücks beobachten.

Die folgenden Mondaufnahmen sind auf sehr unterschiedliche Weise gemacht, etwas Spieltrieb hat man auch mitten in der Nacht noch.

Mondfinsternis 28.09.2015, 01h35ut
28.09.2015, 01h35ut, Digicam IXUS 70 freihändig hinter Feldstecher 11x80

Mondfinsternis 28.09.2015, 01h35ut
28.09.2015, 02h35ut, Digicam IXUS 70, Blende 4,9, Brennweite 17,4 mm, Belichtungszeit 1 sec

Mondfinsternis 28.09.2015, 02h45ut
28.09.2015, 02h45ut, Canon EOS 450D, Blende 5,6, Brennweite 53 mm, Belichtungszeit 5 sec

Mondfinsternis 28.09.2015, 02h30ut
28.09.2015, 02h30ut, IXUS 70, Blende 2,8, Brennweite 5,8 mm, Belichtungszeit 1 sec.
Landschaft mit Mondfinsternis.
Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

 

Sonne, 27.09.2015

(27.09.2015) Die Sonne zeigt gerade einige schöne Fleckengruppen. Im 80/400-Refraktor mit 18mm-Okular angeschaut (also bei geringer Vergrößerung), sah gut aus. Deswegen auch einige Fotos mit der freihändig hinter das Okular gehaltenen Digicam gemacht. Die Ergebnisse sind passabel.

Sonne, 27.09.2015

Sonne (Detail), 27.09.2015
Sonne, 27.09.2015, 10h40UT, 80/400-Refraktor mit 18mm-Okular, Baader-Sonnenfilterfolie,
freihändig mit Canon IXUS 70 am Okular fotografiert, Gesamt- und Detailansicht.
Die Fleckengruppe unten halblinks heißt "AR 12422" (AR steht für "Active Region").

Sonne, 27.09.2015, Solar Monitor
Der Solar Monitor zeigt diese Fleckengruppe in ihrer ganzen Pracht.

 

Neues Ölbild "Kämpfende" fertig

(22.09.2015) Mit dem neuen Ölbild "Kämpfende" fertig geworden.

Kämpfende
Kämpfende, 2015, Öl auf Hartfaser, 60cm x 80cm
Zum Vergrössern auf das Bild klicken.

 

Melina Kana

(21.09.2015) Beim Taggen alter digitalisierter Kassettenaufnahmen vom Radio mit Hilfe der App "Shazam" ist mir aufgefallen, dass sechs hintereinander abgespeicherte griechische Lieder alle von der Sängerin Melina Kana sind - offenbar war da eine Sendung mit Schwerpunkt Melina Kana, vielleicht zu einer neu erschienenen LP/CD von ihr. Alle sechs Titel sind klasse, ich war deshalb froh, bis auf einen Titel alle auf YouTube zu finden und in besserer technischer Qualität nun hören zu können. Die Aufnahmen habe ich vermutlich Anfang bis Mitte der neunziger Jahre gemacht - die ersten Alben der 1966 geborenen Sängerin erschienen 1991, 1992 und 1995: Bei einer dieser Gelegenheiten wurde Melina Kana wohl im Rundfunk vorgestellt. Beeinflusst ist sie laut Wikipedia von der Musik Thessalonikis, dem Rembetiko und der Volksmusik des Balkans, lauter Musik, die mir sowieso gefällt.

Melina Kana
Melina Kana

 

Pluto - Die Landschaft eines Kleinplaneten

(19.09.2015) Mein tägliches Pflicht-Leseprogramm (zur Zeit Céline) wurde für heute ersatzlos gestrichen, als ich die neuen Bilder der Plutosonde "New Horizons" sah. Das war doch mal etwas anderes als die "normalen" Gesamtansichten oder Detailaufnahmen. Eine der neuen Aufnahmen hat das Zeug, zum Klassiker der Raumfahrt-Fotografie zu werden. Sie wurde aufgenommen kurz nach dem engsten Punkt des Vorbeiflugs, ein Rückblick, die Landschaft im Gegenlicht, wunderbar räumlich. Wäre da nicht die Krümmung des nur 2370 km durchmessenden Körpers, man könnte meinen, eine Antarktis-Landschaft wäre im Bild. Wie ganz anders ist ein Planet, der aus Eis besteht, und sei es Stickstoff-Eis: Im Vergleich zu einem reinen Felskörper geschieht doch da immer etwas, und sei es in Zeiträumen von Millionen Jahren. Und so winzig dieser Kerl auch ist: Er hat eine dünne Atmosphäre, und fast ein Dutzend unterschiedliche Dunstschichten zeichnen sich auf der Original-Aufnahme ab.

Pluto im Gegenlicht
Ausschnitt aus der angesprochenen Gegenlichtaufnahme.
Links im Mittelgrund die Norgay Montes, bis zu 3500 Meter hoch.
Im Hintergrund am Horizont die Hillary Montes, etwa auch so hoch.
Die unterste Dunstschicht ist noch zu erkennen.
Ein Klick auf das Bild zeigt es doppelt so groß.

 

Pluto
Der oben gezeigte Landschaftsausschnitt ist hier markiert.
Der Blick geht von rechts unten nach links oben.

 

Pluto, Gesamtansicht
Eine farbverstärkte Gesamtansicht von Pluto.
Der oben gezeigte Ausschnitt ist markiert.

 

Moebius - "Arzak"

(17.09.2015) Ich bin bekennender Moebius-Fan, sein (vielleicht) letztes Werk "Arzak" war also ein Pflichtkauf, auch wenn ich 25 Euro für eine Menge Geld halte.

Mit Arzach, Harzak, Harzack, Arzack und Harzakcc usw hat Moebius Mitte der siebziger Jahre Comic-Geschichte geschrieben: Phantastisch schöne Bildgeschichten ohne Sprechblasen, leuchtende Farben, wunderschöne Zeichnungen, Geschichten wie aus Träumen, ein Held ohne Geschichte, ohne Aufgabe und ohne Zukunft, der auf einem seltsamen Reitvogel durch die Lüfte schwebt. Geschichten ohne große Planung: Moebius wusste nach seinem eigenen Bekunden nicht, was er als nächstes zeichnen würde, Pläne machte er selten. Seine Kunst ist zeitlos: Man nimmt den Arzach-Sammelband immer noch gerne in die Hand, noch lieber allerdings die "Schwermetall"-Einzelhefte, in denen die Farben weit satter und besser kommen als auf dem Glanzpapier des Sammelbandes.

Moebius Arzak
Moebius - "Arzak"

Legt man den neuen edel aufgemachten Arzak-Band daneben, ist man etwas enttäuscht. Hardcover, Überformat - so weit, so gut. Aber: Die Farben sind blass geworden, sehr blass, auch noch zur Hauptsache flächig eingesetzt, nicht modellierend, nicht die Räumlichkeit verstärkend. Die Zeichnungen sind - wie nicht anders zu erwarten - wunderschön, meistens... Es gibt aber auch - und das ist eine Enttäuschung - richtiggehend mediokre Panels, manchmal einfach nur mit zwei sehr nachlässig gezeichneten Köpfen.

Auch inhaltlich hat eine vollständige Umkehr stattgefunden: Statt des Traumgeschehens in den alten Arzach-Bänden ein ausgefeiltes Szenario (bei dem noch viele Fäden offen sind, wie bei einem auf mehrere Bände angelegten Abenteuer auch nicht anders zu erwarten). Arzak hat plötzlich eine Geschichte, auch eine Aufgabe, und am Reden ist er, mehr als genug, denn sogar Selbstgespräche führt er. Man wundert sich dann doch über diesen Wandel einer im Comic-Kosmos schon fast mythischen Gestalt.

Arzak ist "Raumvermesser", so wird er mehrfach im Comic bezeichnet, und in der Handlung weiß das jedes Kind (wie er ja tatsächlich eine Anziehungskraft auf Kinder auszuüben scheint). Was es mit der Raumvermesserei auf sich hat, wird aber nicht klar, er scheint ja eher eine Art Polizist zu sein, der "Anomalien" aufspürt und bekämpft. Kurze Zeit habe ich überlegt, ob es eine Anspielung auf den "Landvermesser K." in Kafkas "Schloss" sein könnte, dafür ist aber in dem Band keine brauchbare Spur zu finden.

Die Geschichte verbindet die beiden Hauptthemen von Moebius: Western und Science Fiction. Das Szenario ist etwas altbacken, nicht auf der Höhe der Zeit, da muss man schon zu einen Tim Burns greifen oder zu Winshluss' "Pinocchio" (der auch ohne Worte auskommt).

Der neue Arzak ist zu einem zwar graphisch gekonnten, aber sonst wenig aufregenden Nostalgieprodukt geworden. Wer einen immer noch packenden und revolutionären Arzak (Arzach usw) kennenlernen will, der sollte sich lieber die alten Geschichten holen.

 

Emtidi - "Walkin' in the Park"

(16.09.2015) Wenn man in den 70er bis 90er Jahren, also vor dem Internet, interessante Musik vom Radio aufgenommen hat, war man oft in der traurigen Lage, nicht zu wissen, was man da eigentlich aufgenommen hat. So habe ich immer noch einige unidentifizierte Musikdateien, die die übliche Medientour (Tonband-Aufnahme vom Radio in den 70ern oder 80ern, Überspielung auf Kassette Ende der 80er Jahre, Digitalisierung der Kassette ab Ende der 90er Jahre) hinter sich haben. Eine dieser Aufnahmen habe ich betitelt mit dem Gruppennamen "MTT" so etwas muss ich gehört haben, und dem Liedtitel "Walkin' in the Park". Noch letztes Jahr wurde der Titel auch von Shazam nicht erkannt, jetzt hat es aber geklappt: Es handelt sich um das Folk-Duo "Emtidi" (naja), bestehend aus den Musikern Maik Hirschfeldt und der Kanadierin Dolly Holmes. 1970 wurde das Album "Emtidi" veröffentlicht, 1972 das Album "Saat", auf den sich der fragliche Titel befindet. Unterstützt werden Maik Hirschfeldt und Dolly Holmes beim zweiten Album von Dieter Dierks an Mischpult, Percussion, Bass und Mellotron.

Emtidi
LP-Cover: Emtidi - "Saat"

Von beiden Alben finden sich jede Menge Titel auf YouTube, aber nichts hat mich beim kurzen Reinhören beeindruckt; die Titel der ersten LP (fast reiner Folk) fand ich langweilig. Auch bei "Walkin' in the Park" wird ein kleiner Teil Nostalgie bei meiner Anhänglichkeit dabei sein.

Rührend die Fotos, die man von den beiden findet: Auf einem die gute Dolly mit engem T-Shirt - und ohne BH, wie's in den guten alten Zeiten so üblich war, bester "Trocken-Wet-Shirt-Contest"... Und Maik natürlich mit langen Haaren, etwa in der Länge meiner Haare von damals. Nostalgie halt.

 

Les Voix Bulgares de l'Ensemble Radio Sofia - "Balkan"

(13.09.2015) Passt einfach nicht! Das ist das vorherrschende Gefühl, wenn ich diese CD höre. Die bulgarischen Frauenchöre gehören mit zu den wichtigsten Export-"Artikeln" von Bulgarien, und wie das Amen im Gebet ist zu erwarten, dass diese Musik instrumentalisiert wird, zum Beispiel wie im vorliegenden Fall als Filmmusik. "Balkan" ist der Soundtrack zum Film "Bunker Palace Hotel" von 1989, den ich nicht kenne, der aber der Stimmung des Soundtracks folgend wohl ungute als auch mystische (oder mystisch-sein-sollende) Szenen enthält. Zu der Chormusik, die nicht in jedem Einzeltitel zu hören ist, gehören auch perkussive Passagen (rhythmisch allerdings sehr einfach gehalten, für ein westliches Publikum) und die unvermeidlichen Synthesizer-Klänge. Philippe Eidel und Arnaud Devos haben die meisten Titel geschrieben, manche auch nur arrangiert.

Balkan
Les Voix Bulgares de l'Ensemble Radio Sofia - "Balkan"

Ich habe die beiden CDs "Le Mystère des Voix Bulgares" I und II, dem Projekt des Schweizer Ethnomusikwissenschaftlers Marcel Cellier. Das ist eine klasse Musik! Da kann diese Filmmusik nicht mihalten.

Beim zweiten oder dritten Anhören sollte man parallel den kurzweiligen Aufsatz von Christian Geiselmann über "Bulgarien – ein Land zwischen Tradition und Moderne" lesen - da kommen diese Chöre schließlich her...

 

Le Tendre / Mallié / Loisel - "Ritter Bragon"

(12.09.2015) Dieser achte Band aus dem Zyklus "Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit" setzt die Rückblende in Bragons Jugend und in seine erste Zeit als Ritter fort. Wie schon in den drei vorhergehenden Alben (beginnend ab Band 5) ist Loisel nur noch "Künstlerischer Leiter": Die ersten vier Bände, die alle noch in den achtziger Jahren erschienen sind, tragen die künstlerische Handschrift von Régis Loisel. Ab dem Band 5 beginnt sich das Karussell der ausführenden Künstler dann zu drehen: Den Band 5 zeichnet Lidwine und koloriert Loisel, den Band 6 zeichnet Mohamed Aouamri und koloriert François Lapierre, den Band 7 zeichnet Vincent Mallié und koloriert François Lapierre, und den vorliegenden Band 8 zeichnen und kolorieren die gleichen Künstler wie den Band 7, mit Unterstützung von Annie Richard.

Loisel, Ritter Bragon
Le Tendre / Mallié / Loisel - "Ritter Bragon"

Während der Band 7 für mich der formale und inhaltliche Tiefpunkt der Serie war, spürt man nun eine Wende zum Besseren: Das Storyboard ist wieder interessanter, die Standorte wechseln häufiger, und der Zeichner Mallié ist besser im Thema drin. Dennoch kann ich nur die Note "befriedigend" vergeben, während die ersten vier Bände für mich allesamt ein "sehr gut" hatten.

Die Geschichte endet mit einem klassischen Cliffhanger, so dass ein neunter Band zu erwarten steht. Denn eines muss man der Geschichte lassen, sie ist ein ganz schöner Langläufer, der erste Band liegt nun immerhin über 30 Jahre zurück. Es ist ein großer Jammer, dass Loisel nicht mehr selber zeichnet - seine Alben hatten die filigraneren Zeichnungen, da gab es nichts leeres, auch nicht in der Luft (die im Zweifelsfall von sehr ungut aussehenden Vögeln besetzt war).

Laut dem Blog und der F.book-Seite von Mallié arbeitet er zur Zeit wohl noch am sechsten Band der Serie "le Grand Mort", die auch von Régis Loisel künstlerisch betreut wird. Und Loisel selber ist gerade mit so vielen Projekten gleichzeitig beschäftigt, dass er als Zeichner schon gar nicht in Frage kommt. Schade! Der Band 9 wird wohl noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Den vorliegenden achten Band habe ich letztes Jahr gekauft und gelesen und ihn mir nun nochmal vorgeknöpft, um für einen Tag Pause mit der Céline-Lektüre zu machen.

 

Robert Johnson - "King of the Delta Blues Singers"

(09.09.2015) Man glaubt es kaum, dass hier nur eine Gitarre spielt - wie schafft man es, gleichzeitig Rhythmusgitarre mit festem Anschlag und Melodiegitarre zu spielen? Unglaublich! Man spürt auch beim Gesang, dass Robert Johnson am liebsten zwei- oder mehrstimmig singen würde, er behilft sich aber sehr originell damit, schnell mal eine Oktave höher zu singen, und manchmal klingt es wie ein Jodeln.

Robert Jonhson
Robert Johnson - "King of the Delta Blues Singers"

Der Einfluß dieser Platte von 1961 (mit Material aus den 30er Jahren) auf andere Musiker ist bekannt, sie gehört zu den einflussreichsten Scheiben überhaupt. In der letzten Zeit habe ich sie ein paarmal gehört, und kann ihren Status als Klassikr nur bestätigen - auch wenn ich zugeben muss, dass mir nicht jeder Song gefällt.

 

Louis-Ferdinand Céline - "Reise ans Ende der Nacht" / "Voyage au Bout de la Nuit"

(06.09.2015) Am 2.9. mit der gleichzeitigen Lektüre der beiden verfügbaren deutschen Übersetzungen und des französischen Textes mit den vollständigen Illustrationen von Jacques Tardi begonnen. Es verlangt etwas Platz auf dem Schreibtisch, mit drei offen liegenden Büchern zu hantieren, aber ansonsten gefällt mir das. Natürlich reicht mein Schul-Französisch, welches nun über 42 Jahre her ist, nicht für eine Lektüre des Originaltextes, aber manche Passagen, für die die beiden deutschen Übersetzungen auseinander lagen, habe ich doch nachgesehen. Die französische Ausgabe habe ich mir wegen der Illustrationen von Jacques Tardi besorgt, und diese bringen neben den beiden Übersetzungen noch eine Interpretationsebene ins Spiel.

Dreimal Céline
Dreimal Céline - und das ist nicht zuviel!

Ich habe es in den ersten Tagen als sehr hilfreich empfunden, zwei Übersetzungen parallel zu lesen, auch ist der Text so klasse, dass es eh gut ist, sich alles mindestens zwei Mal auf der Zunge zergehen zu lassen. Mehr über Text und Übersetzungen, wenn ich mit der Lektüre fertig bin.

 

Chet Baker - "Chet"

(02.09.2015) Dieses schlicht mit "Chet" betitelte Album von 1959 versammelt bekannte Jazzballaden in der Interpretation von Chet Baker, dabei unterstützt von so berühmten Musikern wie Paul Chambers, Bill Evans, Herbie Mann und anderen. Die zehn Titel der CD (die Original-LP hatte nur 9 Titel) sind so unterschiedlich interpretiert, dass das Anhören nie langweilig wird. Man kann die Musik als entspannte und entspannende Hintergrundmusik laufen lassen, kann aber auch intensiv und konzentriert zuhören - beides geht. In den letzten zwei Wochen habe ich das Album sicherlich zehnmal laufen lassen, dabei ist es mir kein bisschen langweilig geworden. Der neun Minuten lange Bonus-Titel der CD ("Early Morning Mood", der einzige von Chet Baker komponierte Titel), enthält ein wunderschönes lockeres Bass-Solo von Paul Chambers.

Chet Baker
Chet Baker - "Chet"

Auf YouTube ist das Album komplett verfügbar; zum Kennenlernen reicht die Qualität.

 

Cuno Hoffmeister - "Sterne über der Steppe"

Cuno Hoffmeister, Sterne über der Steppe
Cuno Hoffmeister - "Sterne über der Steppe"

(01.09.2015) Der Klappentext des Schutzumschlags mit dem schematisierten Kreuz des Südens, mit Alpha und Beta Centauri, bringt es auf den Punkt: Es handelt sich hier um

"ein Buch, aus dem ein vorbildlicher, echter Humanist spricht, unerbittlich in seinem Forscherdrang und zugleich erfüllt von tiefer Ehrfurcht vor der Natur und ihrem Wirken."

Als unerbittlich gegen sich selbst habe ich Cuno Hoffmeister bei der Lektüre oft empfunden, aber so muss man wahrscheinlich sein, wenn man allen äußeren Umständen zum Trotz nicht die vorgezeichnete Kaufmanns-Laufbahn einschlagen will, sondern Astronom werden will - was Cuno Hoffmeister dann ja auch geschafft hat, bis hin zum Sternwartendirektor. Andererseits ist Hoffmeister wirklich noch alte Schule, für ihn ist es selbstverständlich, seine Gefühle und Empfindungen immer wieder in Gedichte zu fassen, auch zeichnen konnte er.

Das Buch habe ich im April 2002 antiquarisch gekauft. Es ist die zweite Auflage, von 1955, also kurz nach Hoffmeisters Reise geschrieben, im Osten, und Zeit und Lokalität weisen darauf hin, dass man es mit gebräunten alten Papier zu tun bekommt. Dem etwas angegriffenen äußeren Eindruck korrespondiert aber nicht der Inhalt: Sorgfältig geschrieben, wohl ebenso sorgfältig Korrektur gelesen und lektoriert - mit dem Ergebnis, dass mir kein einziger Grammatik- oder Rechtschreibfehler aufgefallen ist.

Das Buch ist in viele kleine bis mittellange Artikel gegliedert, die vereinzelt schon anderswo veröffentlicht wurden, z.B. in der Zeitschrift "Die Sterne".

Dass die Zeiten sich geändert haben, spürt man schon im Vorwort: Hoffmeister hat sich nach dem Angebot des Verlags Brockhaus, ein Buch über seine Reisen in Südafrika zu schreiben, ein Jahr lang überlegt, ob er überhaupt das Recht dazu habe, denn:

Zwei Jahre Aufenthalt reichten doch nicht hin, ein Land gründlich kennen zu lernen, ... (S.7)

Heutige Autoren meinen, mit zwei Wochen auszukommen.

Hoffmeisters Jugend ist durchwachsen, erst behütet, dann schwierig. Nach wechselvollen Schicksalen, als er gerade dabei war, sich aufzurappeln, bricht der Erste Weltkrieg aus. Er steht vor dem Nichts, aber er

hatte das köstlichste Geschenk des Schicksals erhalten: die Freiheit des Handelns. (S.11)

Er schaffte es, auf der Sternwarte Bamberg als Hilfsassistent eingestellt zu werden, und da er wegen unzureichender Schulbildung nicht direkt Astronom werden konnte, entwarf er kühn einen "Plan B":

Als Ziel setzte ich mir: wirtschaftliche Unabhängigkeit, wissenschaftliche Arbeit mit eigenem Instrumentarium. Das war im März 1916. Eine Besessenheit kam über mich. (S.11)

Nach dem Krieg gab es andere Regeln für das Ablegen der Reifeprüfung, so dass sie Hoffmeister im Frühjahr 1920 nachholte und anschließend das Studium der Astronomie in Jena begann. Parallel betrieb er die Gründung der Sternwarte Sonneberg, die ab 1925 als solche bezeichnet werden konnte. 1927 promoviert Hoffmeister in Astronomie, Mathematik und Physik.

Da Hoffmeister (so wie ich) gleichzeitig von Sternen und vom Meer fasziniert ist, schaffte er es, 1930 an Bord eines Hapag-Motorschiffes nach Westindien und Mittelamerka zu fahren und unterwegs Meteore, das Zodikallcht und die Milchstraße zu beobachten. Eine zweite Reise 1933, die u.a. der Flächenphotometrie der Milchstraße diente, ging viel weiter in den Süden, bis -35 Südbreite, so dass Hoffmeister erstmals die Magellanschen Wolken sehen konnte.

Warum macht Hoffmeister diese lange Einführung über seinen Weg zur Astronomie?

Es "sollte gezeigt werden, wie die hier beschriebenen Unternehmungen sich einem vorgezeichneten Lebensplan als notwendige Bestandteile einfügen..." (S.20)

Astronomische Station in Windhoek
Instrumentenhaus der Astronomischen Station bei Windhoek:
Schutzzelt für den Beobachter, links Flächenspektrograph

Station Voigtland
Beobachtungsstation auf Farm Voigtland,
links kleiner Zeiss-Astrograph, rechts 130mm-Fernrohr

Station Dornfontein
Beobachtungsstation Dornfontein gegen Westen.
Interessant das Stativ des Refraktors (rechts).

to be continued...

 

Frank Frazetta - "Rough Work"

(27.08.2015) Ein sehr schöner Bildband, der "Rough Work", also Entwürfe, Scribbles, Skizzen und Kompositionsstudien enthält. Frazetta (1928-2010), der in Interviews gelegentlich behauptete, gar keine Vorstudien zu machen, hat natürlich Vorarbeiten gemacht. Seine ganze Arbeitsweise lebte ja davon, dass er sich zunächst mit dem Skizzenblock auf dem Schoß sich seinen Ideen und Einfällen überliess. Und diese flüchtigen Bleistiftskizzen, teils noch flott mit Farben übermalt, waren dann die Keimzelle der Auftragsarbeiten oder der freien Arbeiten Frazettas. Sicher, die Skizzen zeigen, dass er in der Lage war, den menschlichen Körper mit wenigen Strichen wunderbar ausdrucksvoll aufs Papier zu bringen, aber von da bis hin zu einer stimmigen Komposition braucht es mehr als die Sicherheit im Figurenzeichnen, es ist doch noch ein gewisser Weg, der zu gehen ist - und auch für diese Zwischenstufen gibt es Beispiele im Bildband.

Frank Frazetta, Rough Work
Frank Frazetta - Rough Work

Oft sind die Skizzen recht klein (Briefmarkenformat bis etwa Postkartenformat), auf größeren Blättern sind deswegen oft mehrere Skizzen und Vorarbeiten zu ganz unterschiedlichen Themen versammelt.

Die Einleitung von Arnie Fenner umfasst gerade einmal 8 Seiten, bietet allerdings ein brauchbares Konzentrat dessen, was man von Frazetta wissen sollte. Einen gewissen Widerspruch könnte man in der Behauptung sehen, dass Frazetta ein "volles" Leben geführt hat, denn David Apatoff hat eine schöne Schilderung der Arbeitsatmosphäre bei Frazetta gegeben, und da erkennt man eher einen sehr häuslichen Menschen. Weil's so schön ist diese Schilderung als Zitat. Zunächst stellt Apathoff fest, dass Frazettas Kunst um vier Themen kreist: "the four points on the compass were heroism, strength, adventure and great asses on women" - und wer macht diese Kunst, und wo?

"Art like Frazetta's should have been created in a cave with flaming torches and skulls. Instead, it was created in a messy little room by a grandfather wearing short sleeve polyester shirts over his paunch, an artist who spilled coffee on his work as he raced to make deadlines. Frazetta's studio, like the studios of other great creators before him, was a place where a temporary and unexplainable breach in the laws of physics permitted true alchemy to occur."
David Apatoff, http://illustrationart.blogspot.de/2010/05/few-thoughts-on-empty-studio.html

Es ist ja oft so, dass Skizzen und Vorstudien spannender und formal interessanter aussehen als die fertigen Kunstwerke, und so finde ich auch Frazettas Skizzen teilweise (nicht immer) attraktiver als die ausgearbeiteten Kunstwerke: Mir gefallen die Spuren der Expressivität, des spontanen Reagierens auf zufällig hingeschmissene Striche. Die Farbhintergründe finde ich geradezu genial: Was hier auf kleinsten Raum an sinistren Stimmungen bei greifbarer Räumlichkeit ausschliesslich durch die gewählte Farbpalette erzeugt wird, das ist große Meisterschaft.

Frazetta hat eine Zeitlang mit Roy Krenkel zusammengearbeitet, von dem ein schönes Zitat im Vorwort abgedruckt ist:

"At first we did roughs on everything and got them approved. Often the roughs were superior to the finished art. The roughs had more charm, more color, more everything. Then, finally, I gave up doing roughs altogether. Frank would say, ‘The hell with roughing this thing, that’s doing it twice! You know I can do it. They’ll take the final painting and like it - the hell with the rough!’ And it worked."
Arnie Fenner in Frank Frazetta, "Rough Work", S.11

Also auch die beiden Künstler selber schätzten die "roughs" hoch ein.

Der recht kleine Bildband (16,5 x 23,5 cm, wenig mehr als A5) hat einen überraschend dicken und weichen Einband; mit 128 Seiten ist der Umfang in Ordnung, da ist viel Material untergebracht. Zum Glück habe ich den Band schon vor einigen Jahren für knapp 30 Euro gekauft - inzwischen ist er - auch gebraucht - deutlich teurer geworden.

 

Gabriele Wolff - "Ermittlungen in Sachen Frau Pollmer"

(25.08.2015) Gabriele Wolff, Juristin und Krimiautorin, Karl-May- und Arno-Schmidt-Kennerin, bringt juristischen Spürsinn, breite literarische Kenntnisse und eine ungewöhnlich große Präzision in ihrer Sprache, ihren Ausdruck mit, ihre Monographie über Karl Mays "Frau Pollmer, eine psychologische Studie" (1907) im "Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 2001" vereinigt also zwei komplementäre Herangehensweisen. Und: Sie nimmt den Text sehr ernst, und sie nimmt ihn beim Wort. Die Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis des Jahrbuchs (S. 11–307) zeigen, dass es ein umfangreicher Text ist.

Ich war immer wieder überrascht über die Detailgenauigkeit, über die analytische Herangehensweise, über die Schlüsse, die sich aus kleinsten Formulierungen ableiten lassen, über das Herausschälen des nüchternen Inhalts, der (wenn überhaupt) hinter blumigen Aussagen steckt. Deswegen war das Buch einerseits über lange Strecken sehr spannend zu lesen. Andererseits beschränkt sich Gabriele Wolff nicht auf die Auslegung von Karl Mays Studie allein, sondern bezieht immer wieder auch andere seiner Werke in die Deutung mit ein, und da wird einem die Lektüre schon etwas zäh, wenn man Karl Mays späteres Werk wie "Im Reiche des silbernen Löwen", "Und Friede auf Erden", "Ardistan und Dschinnistan" sowie die autobiographischen Texte nicht gelesen hat (und es auch nicht vorhat). Die ganzen Namensnennungen und Hinweise kann man nur hinnehmen, und das macht eben keinen Spaß.

Gabriele Wolff verfolgt zwei Absichten mit ihrer Arbeit:

Sie deutet die Studie "als Welt- und Lebenserklärungstext, in dem May den roten Faden in seinem Leben, die Ursache für alle seine persönlichen, geschäftlichen und juristischen Fehlentscheidungen und Niederlagen mit" [S.15] Emma Pollmer "verknüpft, an die er mehr als 22 Ehejahre

mein Leben und mein ganzes Wollen und Streben gekettet hatte, eine für die geistige Menschheit Verlorene ..., die wie die Kanonenkugel des Bagnosträflings an meinen Füßen hing und mich bei jedem Versuch, emporzusteigen, immer wieder auf das Gemeine niederzog, ... [ebd. S.15]

Ihre Aufgabe sieht sie darin, "mit dem Instrumentarium der juristischen Wahrheitsfindung die beschreibenden Passagen zu untersuchen, inwieweit andere Darstellungen des Autors sie bestätigen oder ihnen widersprechen. Das bedeutet Abgleich mit weiteren Dokumenten und Aussagen anderer beteiligter Personen, und es heißt auch, bei der Wertung dieser Aussagen aussagepsychologische Kriterien zu verwenden, von denen eine der wichtigsten die Entstehungsgeschichte einer Aussage ist. [S.16]

Ihre Beschreibung der Entwicklung von May vom Genießer zum Asketen habe ich selbst bei Wollschläger nicht so klar dargestellt gefunden. Vor der Orient-Reise war May ein Genießer von Essen, von Wein, von Zigarren. Da Genuß am Essen und an Sexualität oft Hand in Hand gehen (sozusagen), kann man May auch als Genießer von Sex sehen. Folgerichtig wollte er am liebsten immer das essen, was seine Frau kochte. Emma war also wohl gleichermaßen eine gute Köchin wie gut im Bett, und man sieht es wohl nicht falsch, wenn man May als Emma sexuell verfallen, als Emma hörig sieht.

Während der Orientreise kommt bei May Ekel vor Fleisch auf, und gleichzeitig kommt es zur Abwendung von Emma. Auch hört er mit dem Rauchen auf - obwohl er vorher Kettenraucher war.

Emma macht das, was lebens- und liebeslustige Menschen immer gemacht haben - sie sucht sich andere Gegenüber. Dass das auch Frauen sind, ist nicht unerwartet (nach Gabriele Wolff handelt es sich bei den Frauen dieser Zeit nicht unbedingt um Lesben, sondern die Frauen wurden durch ihre sexuelle Unerfülltheit zueinander getrieben - und die Gefahr von Schwangerschaften bestand nicht). Dass zu diesen Frauen auch Mays zweite Ehefrau gehörte, die noch lange Zeit innerlich nicht von Emma loskam, ist dagegen pikant.

Auch spannend ist die Beurteilung der Orientreise für Karl May als Schrifsteller: "Die Realität Ägyptens während der Orientreise versetzt ein für allemal der Lebensbewältigungsstrategie "Reiseerzählung" den Todesstoss" .

Mir hat es leid getan, die Arbeit von Gabriele Wolff mit dem "Kindle" zu lesen; ich war immer versucht, Passagen anzustreichen, Texte zu unterstreichen (um sie für eine schnelle zweite oder dritte Lektüre wiederzufinden), aber das Markieren mit dem Kindle ist viel zu umständlich.

Ein spannender Text (über weite Passgagen), bei dessen Lektüre ich viel gelernt habe.

 

Karl May: "Frau Pollmer - eine psychologische Studie"

(18.08.2015) Die Studie liest sich schnell, in zwei Tagen ist man durch, auch wenn man werktags (also ermüdet) drangeht. Zum einen ist sie kurz, als Buch hätte sie wohl kaum 100 Seiten, zum zweiten liest sie sich spannend und kurzweilig. Karl May handelt zwar unentschlossen bis dumm und ich habe immer wieder den Kopf über sein Zaudern und seine Passivität schütteln müssen, aber schreiben kann er, und das zeigt er in dieser Studie deutlicher als in vielen seiner für die Veröffentlichung bestimmten Büchern. In meiner Kindheit habe ich viel Karl May gelesen, dann vierzig Jahre nicht mehr. Ein Wiederlesen von "Durch die Wüste" habe ich vor einigen Jahren aber genervt abgebrochen - hat mir gar nicht mehr gefallen. Aber diese Studie hat mich doch überrascht: Man lernt einen ganz anderen Karl May kennen - und hat einen überraschend lesenswerten Text vor sich.

 Karl May und Emma Pollmer
Karl May und Emma Pollmer

Das Buch handelt von Karl Mays erster Frau Emma Pollmer, ihrer Familiengeschichte bis hin zum Urgroßvater (mit der deutlichen Absicht, die ganze Familie in Diskredit zu bringen und auch damit wieder Emma Pollmer zu belasten). Und es handelt vom schlimmen Leben und dem ganzen Leid, welches Karl May in dieser Beziehung seiner Meinung nach erdulden musste mit einer Frau, die "erdverhaftet" war und nicht Mays "Drang zum Höheren" (dies in 1000 Variationen im Text betont) folgen konnte oder wollte.

Bei aller wohl durchaus auch berechtigten Kritik an dieser Frau frägt man sich schon, warum May sie überhaupt heiratet, obwohl er sie eigentlich schon vor der Heirat gar nicht mehr will, und warum er sich nicht früher scheiden lässt, obwohl er das Gefühl hat, sterbenskrank zu werden und ihm sein Leben zur Hölle gemacht wird. Vermutlicht hat diese Frau auch Qualitäten gehabt, die Karl May lange bei der Stange gehalten haben.

Im Nachhinein schmutzige Wäsche zu waschen und alles zu verdammen - das ist menschlich verständlich und leider ziemlich normal, aber halt doch etwas unfein. Warum man einen Menschen, mit dem man 22 Jahre zusammen war, so häufig als "Bestie" bezeichnet - das erschliesst sich mir auch nicht.

 

Zwischenstand vom neuen Ölbild "Kämpfende"

Kämpfende, Zwischenstand 18.08.15

(18.08.2015) Heute wieder gemalt, und nun also ein erster Zwischenstand vom neuen Ölbild mit dem Arbeitstitel "Kämpfende". Es ist noch viel zu tun: Der Hintergrund ist immer noch nicht fertig, und die beiden Figuren sind wenig mehr als untermalt.

 

Thor Heyerdahl - "Kon-Tiki. Ein Floss treibt über den Pazifik"

(16.08.2015) Die Beschreibung der Reise der Kon-Tiki im Jahr 1947 ist einer der Klassiker der Reise- und Abenteuerliteratur, und das zu Recht. Heyerdahl gelingt es, archäologisches Hintergrundswissen, Biologie (im Dschungel, auf See), Ethnologie, Psychologie (die schwierige Überzeugungsarbeit in der Phase des "Fundraising", die sechs Männer auf engstem Raum drei Monate auf See), und Reiseabenteuer (im Jeep über die Anden, auf Baumstämmen einen Fluß hinunter, mit dem Floß über den Pazifik, Haifischfang und so weiter) so miteinander zu verknüpfen, dass man das Buch - einmal mit der Lektüre angefangen - ungern aus der Hand legt. Eine so stimmige Mischung von kurzweiliger Belehrung und Spannung findet man selten.

Kon-Tiki, Buchtitel
Kon-Tiki auf dem Buchdeckel

Meine Flohmarktausgabe gehört zur neunten von zahllosen deutschen Auflagen, die in kurzen Abständen seit April 1949 aufeinander folgten. Mit dieser neunten Auflage vom August 1951 war das 87. - 116. Tausend erreicht - für die Nachkriegszeit ein bemerkenswerter Erfolg. Inzwischen ist das Buch in 66 Sprachen übersetzt, immer noch gern gelesen, und man kann sich leicht vorstellen, dass es Thor Heyerdahl zum reichen Mann gemacht hat.

Der Band aus dem Jahr 1951 aus dem Ullstein-Verlag hat eine sehr kräftige fast fette serifenlose Schrift in angenehmer Größe und angenehmen Zeilenabstand und liest sich sehr bequem - auch bei schummrigen Licht. Überhaupt das Design - absolut modern; kaum zu glauben, aber das Buch ist älter als ich. In jeder Hinsicht also ein Klassiker...

Natürlich ist das Unternehmen ein Abenteuer, aber ein Abenteuer, das nicht erst mit der Abfahrt aus irgendeinem Hafen beginnt, sondern mit den vielen Kontakten und Verhandlungen im Vorfeld (mit Politikern, Militärs, Wissenschaftlern usw), die nötig waren, das Unternehmen zu fördern und zu finanzieren. Man überlege nur einmal, was es braucht, 9 dicke Balsastämme zu schlagen und aus einem Dschungel an die Küste zu transportieren. Zu den Kontakten gehörten unter anderen hohe Militärs im Pentagon, ein Balsakönig in Quito und der reale Präsident von Peru; der über mehrere Seiten geschilderte Besuch beim Präsidenten ist eine Mischung aus einer Komödie und einer nahezu kafkaesken Situation. Schon diese Vorarbeiten, die auch einen immensen Papierkram mit sich brachten, sind für Normalsterbliche nahezu unerreichbare "Abenteuer", wie erst die Floßfahrt.

Überraschend einfach war es, eine Mannschaft zusammenzustellen, die sich das zutraute, die an den Erfolg des Unternehmens glaubte. Es war die unmittelbare Nachkriegszeit, die meisten Männer waren im Krieg und hatten Situationen erlebt und überlebt, die ihnen eine gehörige Portion Entschlußkraft, Ausdauer, Leidensfähigkeit abverlangten, und alle hatten während der Fahrt eine Aufgabe, sei es, den schwierigen Funkkontakt herzustellen (und immer wieder das Gerät zu reparieren), sei es, über 70 mitgebrachte soziologische Fachbücher hintereinander weg zu lesen, sei es, das Journal zu führen, um die Fahrt dann gehörig popularisieren zu können - denn es gehört mit zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Wissenschaftlers, sein Forschungsgebiet fesselnd und spannend beschreiben zu können.

Als größte Gefahr wurden vor der Abreise die psychischen Schwierigkeiten betrachtet, wenn sich sechs Männer auf engstem Raum für über drei Monate vertragen müssen. Unter anderem deswegen war die Oberfläche des Floßes bewußt sehr vielgestaltig: Bambusflechtwerk; ein "Gehweg" über das Ausrüstungslager; freiligende Balsastämme - der psychologische Effekt der Unregelmäßigkeit sorgte für Abwechslung und glich die mangelnde Bewegungsmöglichkeit aus (S.78). Von großer psychologischer Wirkung war auch die Hütte auf dem Floß, vor allem ihre offene Bauart (S.162). An keiner Stelle wird von Problemen im Zusammenleben gesprochen, es scheint tatsächlich alles sehr harmonisch abgelaufen zu sein.

Kon-Tiki
Kon-Tiki segelt und treibt über das Meer

Einige Einzelaspekte:

Die geschilderten astronomischen Kenntnisse der Polynesier hätte ich nicht erwartet: sie wußten, dass die Erde rund ist, kannten Äquator, Ekliptik, den nördlichen und südlichen Wendekreis (S.189).

Die Schilderungen der Meeresfauna sind immer sehr spannend, aber ganz besonders fesselnd fand ich die Beschreibung des Verhaltens der Fische während eines Sturms (S.195). "Normale" Überraschungen sind aber auch immer schön zu lesen (S.109). Oder wer hätte gedacht, wie interessant eine Passage über Lotsenfische sein kann (S.142/143)? Und fliegende Tintenfische, die bis zu 40 oder 50 Meter schaffen, hätte ich auch nicht erwartet (S.147).

Die Floßfahrt fand zwar in den Tropen statt, und die Männer waren oft der Sonne ausgesetzt - dass aber dennoch als durchschnittliche Wasserration pro Mann und Tag nur 1,25 Liter veranschlagt wurden, das ist überraschend. Dass diese Ration oft nicht verbraucht wurde noch mehr (S.123).

Bei dieser Ansammlung harter Männer ist es natürlich kein Wunder, dass es bei der ersten Landsichtung nach über drei Monaten keine überschwänglichen Gefühlsausbrüche gab (S.213) - wahrscheinlich hätte es dieser Crew nichts ausgemacht, noch einige Monate weiter über das Meer zu treiben.

Der schwierigste und gefährlichste Teil der Reise war tatsächlich die Landung in wüster Brandung an einem Korallenriff (S.218ff).

Ein absolut lesenswertes Buch; ich kann mir vorstellen, in naher Zukunft auch noch andere von Heyerdahls Büchern zu lesen.

 

Pamela des Barres - "I'm with the Band"

(10.08.2015) Zwei Wochen tägliche Lektüre - das ist vergleichsweise lange für ein einzelnes Buch. Schön ist, dass ich mich nie zur Lektüre zwingen musste, ich wollte weiterlesen, die Lektüre war gar zu interessant und in vielem erhellend. Aber: Es ist in einem anspruchsvollen Englisch geschrieben. Man merkt, dass Pamela des Barres heute Schreibkurse gibt, und das Ausfeilen von Passagen und das Verwenden origineller Ausdrücke oder Wörter ihr zur zweiten Natur geworden ist.

Pamela des Barres - I'm with the Band
Pamela des Barres - "I'm with the Band"

Beeindruckend zu sehen, in welchem Ausmaß sie über ihr Leben, über die Geschichte ihres Lebens verfügt. Sie hat seit ihrer Jugend ausführlich Tagebuch geschrieben, zitiert auch immer wieder wörtlich daraus, und dieses Kapital verschafft ihr die Möglichkeit, sehr intensiv, sehr faktenreich, sehr detailiert aus ihrer Vergangenheit zu berichten. Natürlich sind auch Namen absolut kein Problem für sie, sie kann sie immer locker herunterbeten.

Für mich das Auffallendste und das Sympathischste: Pamela ist immer am Lachen oder am Lächeln. Aus dem Buch und aus den Fotos spricht eine unbändige Lebensfreude. Auch wenn auf Gruppenaufnahmen zum Beispiel der GTOs alles etwas betont cool bis affektiert ernst aus der Wäsche schaut (was oft ziemlich albern rüberkommt): Pamela lächelt glücklich! Fotos, auf denen sie mit Rockgrößen gemeinsam abgebildet ist, zeigen diese oft mit posenartigen Gesichtern, fotogen zwar, aber professionell fotogen - wer lacht oder lächelt ist Pamela.

Sie macht kein Hehl daraus, dass ihr Sex Spass macht, dass sie Männer will. Das liest mann immer gerne.

Mit etwa 21 oder 22 Jahren häufen sich nachdenkliche Selbstgepräche, als Pamela realisiert, dass sie den männlichen Stars (weibliche Musiker interessieren sie nicht) wenig eigenes gegenüberzustellen hat. Nicht nur deswegen war das Projekt "GTO" für sie sehr wichtig. Und natürlich ist sie damit konfrontiert, dass man von Luft und Liebe allein nicht leben kann, weswegen sie Jobs zum Lebensunterhalt annehmen muss. Der Gegensatz von der Glitterwelt mit den Stars und der Brotarbeit ist natürlich bei ihr besonders krass.

Einige der beschriebenen Rockmusiker wirken etwas abstoßend, andere scheinen privat anders zu sein als ihr Bühnen-Ego vermuten lässt. Wer hätte gedacht, dass Jim Morrison im wesentlichen ein "one-woman-man" ist, wie Pamela schreibt?

Sympathisch die Beschreibung des Zappa-Haushalts (in dem Pamela jahrelang als Kindermädchen arbeitet): Bei ihrer ersten Begegnung war sie erstaunt darüber, wie ein so origineller und kreativer Künstler gleichzeitig in einem Haushalt lebt, in dem gemeinsames Essen und gepflegte Runden beim Tee eine so große Rolle spielen?

Nach der Lektüre des E-Books hatte ich den Impuls, nun auch die Papierausgabe bestellen und alles noch einmal lesen zu müssen, bekämpfte aber diese Anwandlung. Vielleicht werde ich aber eines ihrer abderen Bücher lesen.

Pamela hat mit niemanden gebrochen und mit allen ihren Liebschaften auch heute noch Kontakt - das ist ihr wichtig. Und auch mit den damaligen Mitstreiterinnen oder der gewissermassen verhassten Konkurrenz minderjähriger Groupies (insbes. Lori Lightning) hat sie Freundschaft geschlossen und ein Buch über Groupies herausgebracht.

Während der zwei Wochen Lektüre bin ich gleichzeitig tief in die Zeit eingetaucht, habe Musik der angesprochenen Musiker im Hintergrund laufen lassen, habe über manche schrägen Vögel recherchiert.

Eine tief beeindruckende Frau. Man (oder mann) kann sich schon denken, dass sie im Bett toll sein muss...

 

Cynthia Plaster Caster

(03.08.2015) Wieder eine spin-off-Recherche während der laufenden Lektüre von Pamela des Barres' Autobiographie "I'm with the Band".

Darauf muss man auch erst einmal kommen: Cynthia Plaster Caster (d.i. Cynthia Albritton) kam Ende der Sechziger Jahre auf die Idee, ihre als Groupie unbestrittene Nähe zu Rockstars auszunutzen und Penis-Abdrücke ihrer Eroberungen als Kunstobjekte herzustellen und zu vermarkten. Gewisse Berühmtheit bekamen die Abdrücke von Jimi Hendrix' bestem Stück und von Noel Reddings eigentümlichen Objekt. Pamela des Barres und Cynthia waren beide hinter Noel Redding her, wobei Pamela etwas mehr Erfolg hatte. Pamela hat Cynthia in Chicago besucht, und beide scheinen sich weitschweifig über das Thema unterhalten zu haben. Jedenfalls erfährt man, dass bei der Bearbeitung von Noel nicht alles nach Plan ging, was man dem Ergebnis ansieht. Eine längerfristige Freundschaft zwischen Pamela und Cynthia kam nicht zustande, weil sich Noel zu deutlich für Pamela entschied.

Eine Nähe zur Happening-Kunst kann man dem Unternehmen nicht absprechen, immerhin gehörte als Belohnung für die Rockstars dazu, mit Cynthia machen zu können, was sie wollten. Na ja. Selbst Pamela muss bei der Vorstellung schlucken, sie weiß wohl, was das bedeuten kann...

Cynthia ist weiter im Geschäft mit ihren Abdrücken (es gibt immer mal wieder Ausstellungen), widmet sich aber nun auch anderen Künstlern und auch Frauen (Abdrücke von Brüsten und Genitalien, wobei die Brüste nicht überzeugen können). Auch bietet sie auf ihrer Homepage ein Technik-Coaching für Paare an, die das gerne miteinander ausprobieren würden - natürlich ohne dass Cynthia selber Hand anlegt (so jedenfalls das Statement auf ihrer Webseite).

 

the GTO's - Girls Together Outrageously

(02.08.2015) Auf den ersten Platten von Frank Zappa (und den Mothers of Invention) gibt es immer einige Passagen mit lustigen und schrägen Chören. Kein Wunder, dass er die lockere Groupie-Formation GTO ermunterte, Titel zu schreiben und unter seiner Aufsicht eine LP aufzunehmen. Um den sieben Damen (Miss Christine, Miss Pamela, Miss Sandra, Miss Lucy, Miss Mercy, Miss Cinderella und Miss Sparky) das ganze leichter zu machen, zahlte er jeder von ihnen ein Fixum von 35 Dollar die Woche, prüfte die Lyrics und die Melodien, kümmerte sich um die Musiker im Hintergrund. Keine der Damen konnte singen, und - wie Pamela de Barres schreibt - waren sie natürlich auch harmonisch nicht auf der Höhe, so dass sie meist unisono wie ein Schul- oder Kirchenchor sangen. Ich muß gestehen, dass das nicht stört. Das Ergebnis hat durchaus seinen Reiz: Die Titel kommen nicht brav hintereinander, sondern sind mit Geplapper voneinander abgesetzt, im Hintergrund wirken sparsam aber akzentuiert einige Musiker der "Mothers" oder andere Gastmusiker (sogar Jeff Beck!), und den Damen macht alles einen Heidenspaß, was man den Aufnahmen anhört.

the GTOs - permanent damage
LP Cover der GTO's "Permanent Damage"

the GTOs - Gruppenfoto
Ausschnitt vom LP-Cover, in Schwarz-Weiß.
Prominent im Vordergrund Pamela Miller (spätere des Barres) mit Country-Fiddle.

Im Frühjahr 1969 war alles fertig, aber verärgert über drei Mitglieder, die mit Heroin erwischt worden waren, stoppte Zappa zunächst das ganze Projekt und strich das wöchentliche Gehalt. Erst im Dezember 1969 erschien dann doch noch das Album (unter dem Namen "Permanent Damage"), weil Zappa schon zuviel Aufwand damit betrieben hatte, um es ganz sein zu lassen. Auf der fertigen Platte wird die Zahl der gelisteten Mitglieder auf 5 reduziert, da zwei inzwischen die Gruppe verlassen hatten.

Seit einer Woche lese ich die Autobiographie von Pamela des Barres "I'm with the Band", da bleibt es nicht aus, Neben- und Seitenpfade zu begehen, und dazu gehört auch, sich mit den GTO's bekannt zu machen (die darin natürlich prominent vorkommen) - und das hab' ich nicht bereut.

 

Mick Taylor Band - Little Red Rooster

(02.08.2015) Mick Taylor ist eine etwas tragische Gestalt: Schon als Jugendlicher ein begnadeter Gitarrist wurde er 1969 im Alter von 21 Jahren als Leadgitarrist zu den Rolling Stones berufen. Bereits Ende 1974 allerdings verkündete er seinen Abschied und widmete sich - allerdings mit mäßigem Erfolg - seiner Solokarriere und anderen Bandprojekten. Keith Richards harsches Statement trifft ins Schwarze: "Mick Taylor is a great guitarist, but he found out the hard way that that's all he is." (zitiert nach der englischen Wikipedia). Mick Taylor stand immer etwas wie ein Schulbub neben den kantigen Gestalten der Stones. Oberflächlich betrachtet agierte Bill Wyman zwar ähnlich ruhig auf der Bühne, aber da war halt doch ein dunkles Charisma, eine sinistre Ausstrahlung, die Mick Taylor daneben besonders bubihaft aussehen ließ. Seit über 40 Jahren ist Mick Taylor nun nicht mehr bei den Stones, was aber bei seinem Namen zuerst einfällt, das ist immer noch seine ehemalige Bandzugehörigkeit.

Mick Taylor Band - Little Red Rooster
Mick Taylor Band - Little Red Rooster

2001 stand er in Pacs (Ungarn) auf der Bühne mit Noel Redding (dem ehemaligen Jimi-Hendrix-Bassisten) und John Coghlan (dem ehemaligen Status-Quo-Drummer). Lauter "Ehemalige"... Der Konzertmitschnitt läuft unter dem Namen "Little Red Rooster" und bietet positiv ausgedrückt "soliden Blues-Rock". Mick Taylor zeigt, dass er immer noch ein guter Gitarrist ist, aber gesanglich einige Ligen weiter unten spielt - "si tu tacuisses, ..." möchte man ihm zurufen. Ein dezidierter Sänger wäre von Vorteil für die Band gewesen. Die Rhythmusgruppe Redding und Coghlan arbeitet auf dem Niveau einer Schüler-Band und enttäuscht auf der ganzen Linie. Redding gibt den Grundton-Bassisten mit vielen Verspielern; Coghlan ist der Meinung, dass ein Drummer in der Hauptsache Metronom zu sein hat. Schrecklich. Technisch sind die Aufnahmen OK, musikalisch ist man nach einmaligem Durchhören bedient. Drei oder vier der fünf Titel habe ich zweimal angehört, gebraucht hätt's das aber nicht.

 

My Fair Lady (Schlossfestspiele Heidelberg)

(31.07.2015) Ich habe nicht viel von der Aufführung erwartet: Das Thema kam mir verstaubt vor, die Musik und Lieder - alles schien alt und verstaubt. Aber umso schöner die Überrschung, dass dieses Musiktheater DOCH Spaß machen kann. Lustige Einfälle, gut aufgelegte Schaupieler - und schon klappt es. Den Abend mit dem Theater und Orchester Heidelberg musste man also wirklich nicht bereuen. Was ich aber gar nicht verstehen konnte war, dass es zu einem Happy-End kommt. Die längste Zeit spielt Henry Higgins den eingefleischten Frauenhasser - und am Ende heiratet Eliza Doolittle den Typ doch. Das verstehe wer will, ich nicht.
(My Fair Lady: Musical von Frederick Loewe, Libretto von Alan J. Lerner nach dem Schauspiel Pygmalion von George Bernard Shaw und dem Film von Gabriel Pascal, Deutsch von Robert Gilbert)

 

Hans Wollschläger - Karl May. Grundriß eines gebrochenen Lebens

(26.07.2015) Meine Intention bei der Lektüre des Bandes bestand weniger darin, mein Wissen über Karl May zu erweitern als in der Absicht, nach bisher eher kurzen Texten von Hans Wollschläger nun einen seiner längeren Texte zu lesen. Wobei - lang ist er ja nicht, rund 200 Seiten, aber in einem sehr komprimierten, sehr ausgefeilten Stil, der einen teils zum besseren Verständnis, teils des Genusses wegen immer wieder nötigt, Absätze zwei- oder gar dreimal zu lesen. Sprachlich ist das Buch also ganz unbedingt ein Genuß.

Wollschläger übr Karl May
Hans Wollschläger - Karl May. Grundriß eines gebrochenen Lebens.
Rechts die Villa Shatterhand in Radebeul, Sommer 2008.

Ich habe zwar mit Karl May quasi lesen gelernt, aber biografisch hat er mich nie so recht interessiert: Schwere, armselige Jugend, ungerechte Behandlung schon früh in der Schule und bei den ersten Versuchen, beruflich Fuß zu fassen, jahrelange Gefängnisaufenthalte aufgrund Betrügereien - im Grundriß war mir das natürlich bekannt. Auch schaue ich immer mal wieder auf der Webseite der Karl-May-Gesellschaft vorbei und lese den einen oder anderen Aufsatz. 2008 habe ich in Radebeul die Villa Shatterhand besucht, und als Arno-Schmidt-Leser kennt man natürlich dessen Texte über Karl May.

Dennoch: Das Wesentliche war für mich, in die Sprache von Hans Wollschläger einzutauchen, seine kleinen aber boshaften Kritiken an der Juristerei zu genießen, seine Ausfälle gegen den Katholizismus zu goutieren, und en passent das Leben von Karl May kopfschüttelnd zur Kenntnis zu nehmen.

Die Lektüre hat definitiv Spaß gemacht. Es wird nicht das letzte Buch von Hans Wollschläger sein, was ich lese.

 

Bestie Mensch - Fuchsjagd in England

(21.07.2015) Am Himmel ist so einiges los: Die Raumsonde "Dawn" erforscht zur Zeit den Zwergplaneten Ceres, "New Horizons" ist erfolgreich am Pluto vorbeigeflogen und hat unglaublich fremdartige Landschaften abgebildet, und Rosetta und Philae untersuchen den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Dr. Brian May, ehemaliger Gitarrist der Gruppe "Queen" war letzte Woche auch bei einer der New-Horizons-Pressekonferenzen dabei, quasi als Zugpferd, hat dabei auf seiner Homepage sogar ein bis dato noch nicht zu sehendes detailreiches Pluto-Bild vorstellen können - ist aber auch Vegetarier und entschiedener Bekämpfer der Fuchsjagden in England und Schottland. Und es kam wie es kommen musste - eine Aufnahme war zu sehen, die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht, ein verstörendes Beispiel menschlicher Gefühllosigkeit, Grausamkeit und Barbarei. Nun weiß ich auch, was de-socking bedeutet. Wer es auch wissen will - und darüberhinaus wissen will, zu was Menschen fähig sind - besuche die Webseite von Brian May an genau dieser Stelle und scrolle eine Seite nach unten.

 

Tania Aebi - Die Welt im Sturm erobert

(19.07.2015) Tania Aebi gehört zu den Vorbildern von Laura Dekker, es lag also nahe und war schon fast eine Pflichtlektüre, das Buch zu lesen. Es hat Spaß gemacht, es war belehrend, es war anregend - aber Tania Aebi und Laura Dekker trennen Welten. Laura Dekker wollte um die Welt segeln und hat alles unternommen, das zu schaffen - es war ihr Ding. Tania Aebi war anders als ihre Geschwister ziellos und ohne Vorstellung, was sie machen sollte, so dass ihr Vater, dem das ein Dorn im Auge war, sie zu einer Weltumsegelung überredete. Er traf mit ihr die Abmachung, für die Kosten aufzukommen, aber nur leihweise(!), und Tania sollte um die Welt segeln und sich durch das Schreiben von Aufsätzen zum Teil finanzieren. Und für danach erhoffte sich ihr Vater, Ernst Aebi, eine gereifte Tochter.

Tania Aebi
Tania Aebi - "Die Welt im Sturm erobert"

Laura segelte mit gerade noch 14 Jahren los, ein Kind noch, wenn auch mit eisernem Willen und einem klaren Ziel vor Augen, seglerisch eine Könnerin mit vielen Preisen. Tania war 18 Jahre alt, als sie lossegelte, nicht ganz unbeleckt, aber seglerisch noch reichlich unerfahren. Ob es nun die Redakteurin Bernadette Brennan war, die laut Klappentext Tania dabei unterstützte, "eine oder die andere Empfindung auszudrücken", oder ob Tania ein Talent zum Beobachten hat - egal: Es gibt unzählige wunderbar beobachtete Details, die Tania entweder alleine oder mit Brennans Unterstützung erinnerte und interessant zu Papier brachte. Dieser Aspekt fehlt bei Laura Dekker vollkommen, deren Reisebeschreibung wenig mehr als ein Backfisch-Tagebuch ist. Die Welt war doch noch eine Nummer zu groß um sie zu beschreiben, sie zu umrunden scheint leichter gewesen zu sein.

Hinter Tania ist ständig und überlebensgroß die Figur des Vaters Ernst Aebi präsent, eines Abenteurers und Energiebündels ohne Beispiel. Mit wenigen Wochen Training bricht dieser Tausendsassa mit seinen Kindern auf einem Segelboot zu einer Atlantiküberquerung auf, nimmt während Tanias Reise an der Rally Paris - Dakar teil, erreicht bei anderen Reisen den Nordpol, ist in der Summe wohl einige Jahre in Afrika und Asien und so weiter. Und von Beruf her Kunstmaler und Grafiker... Seine Webseite ziert eines der schrecklichsten Porträts, die ich je gesehen habe (er hat sich gerade ein Auge mit einem Hammer ausgeschlagen (http://hittingtheheadwithahammer.blogspot.de/) und es ist am Austreten). Und laut seinem Wahlspruch "It is better to see a little of a lot than a lot of little" ist er mit seiner Zählung bei 144 besuchten Ländern. Ohne seine tatkräftige Unterstütung (die oft so aussah, dass er sich am nächsten Tag schon in ein Flugzeug setzte, sei es nach Tahiti, sei es nach Australien, sei es weißgottwohin) hätte es Tania nicht geschafft.

Zurück zu Tania. Zu den vielen Bekanntschaften, die sie unterwegs machte, gehört auch ihr späterer Mann Olivier, dem sie nach der Reise heiratete und mit dem sie zwei Söhne hat. Inzwischen ist das Paar geschieden, und Tania ist mit ihren Söhnen aus Erziehungsgründen in die Südsee gesegelt.

Ein tolles Buch, die ca 350 Seiten sind eine lohnende Lektüre! Die Übersetzung von Ingeborg Eggert ist von hoher Qualität und das Lektorat hat beste Arbeit geleistet - ich habe keinen Druckfehler bemerkt. Antiquarisch habe ich für das Hardcover nur 5 Euro gezahlt. Ein Schnäppchen!!

 

Ist es sinnvoll, einen Coach zu haben?

(07.06.2015) Atul Gawande hat einige Berühmtheit durch sein Buch über Checklisten ("Checklist Manifesto") erlangt. Nach seinen eigenen Erfahrungen mit Coachs für seinen Beruf als Chirurg und für sein Tennis-Hobby sowie nach seinen Recherchen bei und Interviews mit bekannten Sportlern, Musikern und so weiter kann man die Frage in der Überschrift nur mit JA beantworten. Der Aufsatz "Personal Best" von Atul Gawande ist also unbedingt lesenswert.

 

Frank Schulz - Das Ouzo-Orakel

(23.-29.5.15) Es hat über weite Strecken Spaß gemacht, das Buch zu lesen, es hat viele Kalauer, viel Sprachwitz, nette Einfälle, einige (wenige) nachdenkliche Passagen - aber im Vergleich zu den Vorgängerbänden der so genannten "Hagener Trilogie" ("Kolks blonde Bräute" und "Morbus fonticuli") fällt es deutlich ab. Trotz der nicht unerheblichen Länge des Romans (in meiner Ausgabe 576 Seiten) bleiben die Hauptfiguren erschreckend blaß: Sie sind zwar markig geschildert, aber das ist gleichzeitig auch die Schwäche der Charakterisierung, sie wirken schablonenhaft, holzschnittartig. Man erfährt wenig bis nichts über ihr normales Leben, was sie - ausserhalb ihres Ferienaufenthalts, der sich auf Fressen, Saufen, Schlafen, Quatschen und Sonnen beschränkt - so machen. Auch der Verweis auf die vorherigen Bände hilft da wenig, immerhin spielt sich das ganze vier oder fünf Jahre später ab. Die Hauptfigur hat zweifellos einige sympathische Züge, ist im Grunde aber doch ein labiler Looser, der es fertigbringt, eine nervige Arroganz an den Tag zu legen. Von einem "Einsiedler" zu sprechen ist reichlich übertrieben - ein typischer Einsiedler wird wohl nicht fast täglich in seiner Stamm-Taverne auftauchen. Die Griechen, also die Einheimischen, sind nett und fast durchweg positiv geschildert, aber letztlich doch eher auf die Wirkung des Buchs als auf eine realistische Charakterisierung hin beschrieben.

frank schulz, ouzo-orakl, cover

Ärgerlich fand ich das Ende, wenn der Alkohol wieder zum Thema wird, auf so eine mystifizierende und wichtigtuerische Art. Bodo Morten, die Hauptfigur, ist nun mal Alkoholiker gewesen, und wenn er rückfällig wird, dann erliegt er halt wieder seiner Sucht. Da braucht es keine schwurbelige Erhöhung und keine Metaphysik des "Doäß" (des Durstes).

Trotz aller Einwände: Bereut habe ich die Lektüre nicht, ich bin auch am Ball geblieben, denn eine gewisse Spannung ist dem Buch nicht abzusprechen. Und der Sprachwitz entschädigt für vieles.

 

"Fritz und Heidi" - fertig!

(19.05.2015) Nach einigen Monaten endlich fertig: "Fritz und Heidi".

Fritz und Heidi
"Fritz und Heidi", 2015, Öl auf Hartfaser, 60 cm x 80 cm

 

Otto von Kotzebue - "Zu Eisbergen und Palmenstränden

(14.05.2015) Ich habe das Buch gekauft, bevor Kotzebues vollständige Reisebeschreibung in das Projekt Gutenberg aufgenommen wurde. Dennoch habe ich die 10 Euro nicht bereut: Die Buchausgabe hat den Vorteil einer umfangreichen und exzellenten Einführung von Detlef Brennecke, in meinen Augen ist diese schon fast die Hälfte des Buchpreises wert..

Im Text finden sich immer mal wieder haarige Fehler, die man nicht direkt als Druckfehler interpretieren kann, sondern die wohl eher auf eine zu flüchtig korrekturgelesene OCR-Vorlage zurückgeführt werden müssen. Der Gutenberg-Text hat diese Fehler nicht, dafür andere.

Die Abbildungen sind von eher geringer Qualität. Aber was will man von einem Buch dieser Preisklasse verlangen.

Anlass für meine Lektüre war, dass ich vor fünf Jahren die Reisebeschreibung von Adalbert von Chamisso gelesen habe. Zu spüren war, dass es zwischen Chamisso und Kotzebue etwas kriselte, wobei offensichtlich war, dass die Unruhe von Chamisso ausging: Ihm fiel es schwer, sich als Ältester an Bord und als "Titulargelehrter" der Disziplin und Hierarchie an Bord zu unterwerfen, beispielsweise zu akzeptieren, dass man nicht einfach in die Kapitänskajüte geht. In maßloser Verkennung seiner Fähigkeiten wäre er wohl gerne selbst der Leiter der Expedition gewesen. Es lag also nahe, mit Kotzebues Reisebeschreibung auch die andere Seite kennenzulernen.
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Kotzebue, Umschlag

 

Therese Hörnigk - "Christa Wolf"

(10.05.2015) Die Lektüre ist mir schwer gefallen und sehr lange geworden - seit März habe ich mit langen Unterbrechungen mit diesem Buch gekämpft. Es ist selten, dass ich mich drei Monate rumplage und trotz aller Plackerei das Gefühl habe, das Buch lesen zu MÜSSEN. Der Text ist sehr dicht, er erlaubt kein Nachlassen der Konzentration. Das macht die Lektüre nach einem anstrengenden Arbeitsalltag schwer. Manchmal habe ich deswegen sehr unfreundlich, fast schon gereizt auf den Text reagiert.

Therese Hörnigk, Christa Wolf
Therese Hörnigk - "Christa Wolf"

Die Dichte des Textes verführt zu übermäßigen Anstreichungen - es gibt kein Geplapper, alles ist wichtig, alles ist mit Bedacht geschrieben, nichts überflüssig. Aber manchmal denkt man halt doch: "Hätte Therese Hörnigk das nicht klipp und klar ausdrücken können?" Muss man über den zunehmend nervigen Feminismus der Wolf und ihrer extrem polarisierenden Darstellung der Geschlechter so schreiben:

"Bei allem, was an dieser Realitätserfahrung für viele gültig ist, melden sich doch auch Zweifel gegenüber der Absolutheit derartig dualistisch behaupteter Zustände an."[S.230]

Man hätte auch von einer platten Schwarz-Weiß-Malerei bei der Wolf sprechen können. Immerhin rafft sich Hörnigk zu einer vorsichtigen Kritik an der Beschreibung der Höhlenwelt am Skamandros (in "Kassandra") auf [S.214/215] - der Projektion einer feministischen Utopie in die Vergangheit.

Nach einem langen Gespräch mit Christa Wolf geht Therese Hörnigk chronologisch die Werke von Christa Wolf durch, dabei Lebensgeschichte und Zeitgeschichte ausführlich behandelnd. Für "nicht-in-der-DDR-Sozialisierte" wäre die Auflösung mancher Abkürzungen im Text etwas bequemer gewesen, das geht aber noch. Nervig ist aber, wenn man sich über wichtige Leute (Professoren? Kulturpolitiker?) via Vornamen oder Abkürzungen unterhält. Wer soll zB "KuBa" sein? Obendrein ist das Buch ja 1989, noch zu Zeiten der DDR veröffentlicht worden, und das ist ja schon eine Zeit her, da kennt man nicht mehr alle Protagonisten.

Da letztlich die Werke von Christa Wolf im Zentrum stehen hat man fast ein schlechtes Gewissen, nur eines ("Kassandra") gelesen zu haben. Allerdings ist in mir nicht die Lust geweckt worden, weitere Texte zu lesen.

Die unverschämte Kritik der Wolf an Comics hat mich (als Comic-Leser) sauer gestimmt:
"Den rege entwickelten Austausch von billigen Groschenheften verglich sie mit "Rauschgifthandel", der mit allen Mitteln unterbunden werden müsse."[S.57]

Und natürlich kommt man auch noch in einem Buch von 1989 nicht um das Gewäsch von der "historischen Notwendigkeit" von irgendwelchen historischen Prozessen herum. Ein schönes Beispiel sind Sätze wie dieser:

"Ausgehend von der grundsätzlichen Übereinstimmung der Kunst mit den gesellschaftlichen Entwicklungsgesetzen und den objektiven Interessen der Menschen...(usw blablabla)"[S.98]

Auch die Klage über die böse kapitalistische "Arbeitsteilung" darf nicht fehlen [S.201ff]. Man frägt sich nur, wie eine Gesellschaft ohne Arbeitsteilung funktionieren soll - und wie dieses Prinzip im Sozialismus heißt (oder gibt es im richtigen Sozialismus KEINE Arbeitsteilung? Und wie schräg muss eine Weltsicht sein, die dem Kapitalismus unterstellt, dass in seinem Wertesystem "der Bürger den Künstler als Wahnsinnigen und der Künstler den Bürger als Philister ansieht" [S.201]?

Alles in allem ein Buch, das anregt und aufregt, und in dem man viel über die Wolf und ihre Werke (bis 1989) erfährt.

 

18Metzger "Totes Meer"

(01.05.2015) Unser Besuch des Wilhelm-Busch-Geburtshauses in Wiedensahl wurde bereichert durch die zu dieser Zeit stattfindende Ausstellung "Endlich Comic! Max-und-Moritz-Preisträger zu Gast bei Wilhelm Busch" (14.09.2014 - 31.05.2015). Viele sehen im Max-und-Moritz-Preis die wichtigste Auszeichnung für Comic-Kunst in Deutschland, und nicht überraschend war es daher, dass eigentlich alle Exponate der sechs vorgestellten Comic-Künstler von hoher Qualität waren. Gezeigt werden jeweils der Arbeitsplatz des Künstlers (was ich immer sehr spannend finde), Jurytexte, Originalseiten, stark vergrößerte Einzelbilder und so weiter.

18metzger, totes meer

Besonders gut gefallen hat mir der schräge Humor von "18 Metzger" im preisgekrönten Comic-Strip "Totes Meer", der seit 2003 regelmäßig in der "JungleWorld" erscheint. Daher habe ich mir auch den Bildband im Museumsshop gekauft. Die Abbildungen vermitteln eine erste Ahnung, dass die Originale in durchaus verschiedener Technik auf vollkommen unterschiedlichen Materialien erstellt werden, und dass wird von Darjush Davar, dem Kurator der Ausstellung in einem Gespräch mit Stefan Svik bestätigt: "....diese Originale muss man mal gesehen haben! Die sind teilweise auf Finnpappe, auf großen Sperrholzbrettchen, auf kleinen Pappen - also unterschiedlichste Formate. Das schwankt zwischen 30 Zentimetern und vier mal zwei Meter!"

Die kleinen Strips im immer-gleichen Strip-Format sind manchmal bissig und böse, manchmal traurig, manchmal wütend - und manchmal vollkommen unverständlich, obwohl es sich um die sogenannte "kommentierte Ausgabe" handelt. Das muss man eben auch mal schlucken, dass man nicht alles versteht: Die Strips haben schon eine jahrelange Geschichte, damit eine Zeitgebundenheit, und die hat man nicht immer präsent (und im Einzelfall nie präsent gehabt). Ich habe den Band immer mal wieder gerne in die Hand genommen und darin geschmökert.

 

Mondsichel (1 Tag alt) und Merkur

(19.04.2015) Für Heidelberger Verhältnisse war der Abendhimmel in Richtung Westen vergleichsweise klar, deswegen habe ich versucht, Merkur, dessen Abendsichtbarkeit am 20.04.15 beginnen soll, mit meinem 11x80-Feldstecher zu finden. Schon beim ersten Schwenk mit dem Feldstecher fiel mir aber die extrem schmale Mondsichel auf, auf die ich gar nicht gefasst war. Neumond lag erst 24 Stunden zurück, eine derart junge Mondsichel hatte ich noch nie gesehen. Die Sichel war nur auf etwa ein Drittel des Umfangs zu sehen und bot einen wunderschönen Anblick. Etwa ein Drittel vom unteren Sichelende Richtung Norden gab es eine deutlich dunklere Stelle: Es konnte nicht das Mare Crisium sein, und für einen Krater war der dunkler Fleck (oder die dunkle Unterbrechung) wiederum zu groß. Vielleicht war es das Mare Smythii.

Merkur war danach ein leichter Fund. Einige Grad weiter Richtung Norden ("rechts") war der Planet im 11x80 ein auffallendes Objekt.

Mit bloßem Auge war die Mondsichel zehn Minuten später zwar schwer aber dennoch deutlich zu sehen - für einige Minuten war der Kontrast der schmalen Sichel zum Abendhimmel offenbar optimal.

Merkur war ohne Feldstecher definitiv schwieriger und nur blickweise zu sehen. Wenn das Ästegewirr eines entfernten Baumes nicht ein idealer Hinweisgeber gewesen wäre, hätte ich überhaupt keine Chance gehabt.

Fotografisch waren beide Objekte schwierig: Mit einer Belichtungszeit von 0,1 sec bei Blende 5,6 und 55mm Brennweite gelang es zwar, aber das Ergebnis ist nur ein ganz schwacher Abglanz zum visuellen Eindruck.

Mondsichel
Mondsichel, genau 1 Tag alt. Merkur rechts oben.
Canon EOS450D, Objektiv 5,6/55, Belichtungszeit 0,1sec.
19.04.2015, 18h52 UT. Unten Ansicht in GUIDE 8.0.

 

"Fritz und Heidi" - aktueller Stand

(14.04.2015) Hier mal wieder ein Zwischenstand meines aktuellen Gemäldes. Es wird noch etwas dauern, bis ich fertig bin, aber inzwischen kann man das Bild endlich ansehen. Als Arbeitstitel habe ich nun "Fritz und Heidi" gewählt. Wer mit "Fritz" gemeint ist, das sollte zu ahnen sein.

Fritz und Heidi
"Fritz und Heidi", aktueller Arbeitsstand.

 

"Alfonz" - Heft 2/2015 (April-Juni 2015)

(13.04.2015) Ein dickes Heft (82 Seiten) und eine verdammt kleine Schrift, über die ich mich während der ganzen Lektüre ärgerte. Trotzdem war ich in einem Tag durch, obwohl ich das ganze Magazin von vorne bis hinten gelesen habe.

Nichts war richtig interessant, am ehesten noch


"Alfonz" - Heft 2/2015

 

Peter Wensierski - Die verbotene Reise

(12.04.2015) Eine "Spontan-Lektüre": In der Stadtbücherei gesehen, ausgeliehen, sofort gelesen.

Das Buch ist gleichzeitig eine Liebesgeschichte (ohne Happy-End), ein Reisebericht und ein Zeitbild des Prenzlauer Bergs zu DDR-Zeiten. Besonders dieser Teil des Buches reicht manchmal gefährlich nahe an eine Ostalgie heran.

Das Buch liest sich leicht, die Protagonisten Jens (ein Biologiestudent) und Marie (eine Kunststudentin) sind sympathisch geschildert, und das Leben in Berlin scheint (im Rückblick) auch im Ostteil nicht allzu schlimm gewesen zu sein.

Man weiß allerdings leider oft nicht, wo ein Geschehen rekonstruiert wird, und wo schlicht einer schönen Geschichte wegen eben auch nur eine Geschichte geschrieben wird.

Wensierski ist sehr frei mit dem zur Verfügung gestellten Material umgegangen. Immerhin standen etwa 3000 Fotos zur Verfügung, Tagebücher, Kalender, stundenlange Erzählungen. Das sollte ausreichen, um eine Reise zu rekonstruieren, auch wenn sie schon 28 Jahre her ist. Hier ist Wensierski nicht besonders lauter: Zum einen signalisiert er mit der Verwendung der wörtlichen Rede in vielen Passagen eine gewisse Authentizität, unterstreicht das auch noch mit dem Hinweis, dass er die Protokolle der Staatsicherheit eingesehen hat. Andererseits geht er aber sehr frei mit der Chronologie um.

Laut dem Nachwort wurden mehrere Reisen des Paares von 1985 bis 1987 zu einer einzigen Reise im Jahr 1987 zusammengefasst. Das bedeutet für das Reisen in der DDR an sich und für die Reisen des Paares im besonderes etwas grundsätzlich anderes. Dass das Paar offenbar mehrfach in der Mongolei war zeigt, dass es - eine gewisse Chuzpe vorausgesetzt - auch in der DDR möglich gewesen ist, lange Reisen in entfernte Länder zu unternehmen. In der Erzählung wird die Ausstellung der Reisepässe aber als ein besonderer Glücksfall dargestellt und als Grundlage für Jens, in den Westen zu gehen.

Auch die Trennung des Paares in Peking ist anders zu deuten, wenn dem viele gemeinsame Reisen vorangingen, als wenn es eine Reise ist, die die einmalige Chance zum Fliehen liefert, und die Trennung des Paares rechtfertigt. In der Realität muss man Jens Egoismus und Selbstbezogenheit unterstellen, er opfert seine Liebe zu Marie für ein Leben im Westen. Marie dagegen geht zurück in die DDR und denkt an ihre Familie und an die Studienchancen und Lebenschancen ihrer Schwester. Mit Jensens Übergang in den Westen war die Liebesbeziehung zu Ende.

Nicht nachvollziehbar ist auch die Klage von Jens über seine Exmatrikulation: Ein Student, der im Westen seine Pflichtveranstaltungen nicht absolviert und nur seinen eigenen Interessen nachgeht wird auch im Westen scheitern.

Wensierski ist deutlich mehr an Jens als an Marie interessiert - Jens wird als Tausendsassa geschildert, Marie letztlich als Begleiterin. So ganz mag man diese Charakterisierung aber nicht glauben, denn auch Marie hatte vor der Bekanntschaft mit Jens schon alle für DDR-Bürger erreichbaren Länder bereist, und zwar auf durchaus abenteuerliche Art.

Laut der Webseite http://www.dieverbotenereise.de/index.html ist ein Bildband geplant, was für den einen oder anderen interessant sein könnte. Der Protagonist Jens war mit einer 12 Kilo schweren Profi-Fotoausrüstung unterwegs (und mit hunderten von Filmen), die Fotos sehen deswegen richtig klasse aus. Der Bildband könnte mich auch reizen, wenn auch der geplante Preis von 50 Euro für 80 Seiten im eher kleinen Format 22 x 22 cm etwas happig ist.

Wensierski, Verbotene Reise
Peter Wensierski - Die verbotene Reise

 

Komet C/2014 Q2 (Lovejoy)

(14.01.2015) Vergleichsweise gute Bedingungen dafür, dass man mitten aus der Stadt heraus fotografiert. Immerhin war der Komet auch mit bloßem Auge sichtbar. Daher wieder eine Aufnahmeserie von Lovejoy gemacht. Leider etwas unscharf.

Komet Lovejoy am 14.01.2015
Komet Lovejoy, 14.01.2015, 19h37UT
Canon EOS450D, Objektiv 1,4/50, Addition von 10 Aufnahmen à 5 sec, binned(2).

 

Nietzsche und Heidi, Zwischenstand
Nietzsche (noch ohne Bart) und Heidi im Gebirge.
Zwischendurch mal wieder ein Zwischenstand des in Arbeit befindlichen Ölbilds...

 

Komet C/2014 Q2 (Lovejoy)

(05.01.2015) Noch hat das "richtige" Beobachtungsfenster für den Kometen noch nicht begonnen (erst am 7.1. geht's los), der Mond am 5.1.15 war nahezu voll und sehr nahe, der Himmel entsprechend aufgehellt - und doch...
Mit einem 11x80-Feldstecher war Komet Lovejoy leicht zu finden, also sollte er fotografisch erst recht leicht zu erfassen sein, und so war es auch.
Hier aus einer längeren Aufnahmeserie zwei Ergebnisse, ein 1:1-Ausschnitt und eine Animation. Der nur zu ahnende Schweif wird sicher in den nächsten Tagen leicht nachzuweisen sein, wenn erst einmal der Mond nicht mehr stört. Die Aufnahmen sind ohne Nachführung gemacht!

Komet Lovejoy am 05.01.2015
Komet Lovejoy, 05.01.2015, 23h06UT
Canon EOS450D, Objektiv 1,4/50, Addition von 10 Aufnahmen à 5 sec

Komet Lovejoy am 05.01.2015, Animation
Komet Lovejoy, Animation 05.01.2015, 18h27UT und 23h06UT
Canon EOS450D, Objektiv 1,4/50
Addition von 10 Aufnahmen à 3 sec (18h27UT) und 10 Aufnahmen à 5 sec (23h06UT)

 

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