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Journal 2002 (chronologisch)

Kafka-Tagebücher (III) 1914-1923

(01.01.2002) Den dritten Band der Kafka-Tagebücher (als Fischer Taschenbuch) nun auch ausgelesen. Für den ersten Band habe ich zwar ncoh eine Zitat-Zusammenstellung gemacht, werde das aber für die Folgebände nicht mehr tun - es gäbe einfach zu viel zum zitieren. Die online-Fassungen der Tagebücher findet man beispielsweise im "Kafka Project".

Franz Kafka "Drei Briefe an Milena Jesenská"

(02.01.2002) Es handelt sich um die Faksimile-Edition hrsg. von KD Wolff und Peter Staengle unter Mitarbeit von Roland Reuß. Der schlanke Band enthält den ungemein eindrucksvollen Brief auf S.24ff mit der Schilderung seiner "ersten Nacht" mit einem Ladenmädchen, die Erwähnung der "winzigen Abscheulichkeit", die sie gemacht hat, der "kleinen Schmutzigkeit", die sie gesagt hat, beides "nicht der Rede wert". Und dass diese "Sehnsucht nach einer kleinen, nach einer ganz bestimten Abscheulichkeit, nach etwas leicht Widerlichem, Peinlichen, Schmutzigen", "etwas Schwefel, etwas Hölle" blieb. Die Franz-Kafka-Webseite von Werner Haas hat diesen eindrucksvollen Brief selbstverständlich.

Franz Kafka "Historisch-Kritische Ausgabe sämtlicher Handschriften, Drucke und Typoskripte herausgegeben von Roland Reuß und Peter Staengle. Einleitung"

(02.01.2002) Diese Einleitung dient als Appetitmacher für die Faksimile-Edition, und kann wirklich Lust darauf machen. Darin findet man:

Dieses Reinschnuppern in die HKA macht richtig Laune, sich die Ausgabe sukzessive anzuschaffen, trotz der hohen (sicherlich berechtigten) Preise. Zur Auseinandersetzung zwischen den beiden grundlegend verschiedenen Kafka-Ausgaben (der "Kritischen Ausgabe" hrsg. von Hans-Gerd Koch und der FKA vergleiche auch die vielen Artikel und Aufsätze auf der Webseite des Kafka-Projekts.

Stefan George "Werke. Ausgabe in vier Bänden"

(05.01.2002) In meinem Lieblingsantiquariat (Hatry in Heidelberg) nach sicherlich 15-jähriger Suche endlich Stefan George "Werke. Ausgabe in vier Bänden" gefunden - und sogar preiswert.

George-Ausgabe in vier Bänden

Keine Sache, die man sich ständig reinziehen will, und außer den Standard-Gedichten, die man aus jeder Lyrik-Anthologie kennt, auch eher etwas "fremd" geworden, aber seitdem ich 1970(?) in einem Schul-Lesebuch über das Gedicht "Die Spange" stolperte bin ich halt George-Fan. In der Typographie einer schönen George-Ausgabe sieht das Gedicht so aus:

George, Die SPange

In die vier Bände wird einfach in den nächsten Monaten immer mal wieder etwas reingelesen. Am Stück liest man keinen Gedichtband. Und: George bietet auch einen interessanten Kontrast zu Kafka.

Fritz Lehr - "Franz Pforr. Der Meister des Lukasbundes" (1924)

(08.01.2002) Für die Kleinigkeit von 140 DM (70 Euro) antiquarisch erworben. Immer noch grundlegende Monografie über Franz Pforr, über den ich meine Magisterarbeit gemacht habe. Da ich mein Material zu Pforr gegenwärtig ins Web stelle, ist es ein Erfordernis, diese Monografie bei Bedarf griffbereit zu haben. Und irgendwo hat man auch das Gefühl, ein Buch, mit dem man lange und intensiv zu tun gehabt hat, auch in der eigenen Bibliothek stehen zu haben. Ein Buch nicht zum Durchlesen (Gott bewahre!), sondern zum Reinlesen und Nachschlagen.

Franz Kafka. Dargestellt von Klaus Wagenbach

(12.01.2002) Der Verlockung nicht widerstehen können und mit vier neuen Büchern nach Hause gekommen. Gleich am selben Tag zu lesen angefangen:

"Franz Kafka. Dargestellt von Klaus Wagenbach" - das ist die überarbeitete Fassung (Januar 2002, also brandneu) der 1964 erstmals erschienenen rororo-Monografie. Wagenbach ist einer der besten Kenner von Kafka und schreibt in einem souveränen Stil, der gleichermaßen dicht wie schön zu lesen ist.

Es gibt wunderbare Zitate von Kafka, auf die ich bei der Zugfahrt, bei der ich den Band zu lesen angefangen habe, immer wieder zurückblätterte. Unglaublich, dass ein knapp Zwanzigjähriger so etwas schreibt, so etwas schreiben kann:

"Ich glaube, man sollte überhaupt nur Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns." (aus einem Brief an Oskar Pollak von 1904)

Die einzige Kritik, die ich an der Monografie hätte, ist die vergleichsweise knappe Behandlung der letzten Lebensjahre von Kafka.

Franz Kafka - "Das Schloß"

(14.01.2002) Franz Kafka "Das Schloß" angefangen zu lesen - die Lektüre wird eine Zeitlang dauern. Zunächst als Schmökern gedacht, um einen Überblick über das Buch zu erhalten. Eine zweite intensive Lektüre ist absehbar. Dies ist das zweite Buch meiner vier Neuerwerbungen vom 12.01.2002, die anderen beiden sind aber nicht von Kafka...

Los geht's mit dem "Schloß":

Es war spät abend als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schloßberg war nichts zu sehn, Nebel und Finsternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloß an. Lange stand K. auf der Holzbrücke die von der Landstraße zum Dorf führt und blickte in die scheinbare Leere empor.

Kann man da widerstehen, weiterzulesen?

Sterne und Weltraum 2/2002

(17.01.2002) Das neue "Sterne und Weltraum" (abonnierte Zeitschrift) gekommen; reingelesen.

Libuse Moníková - "Die Fassade"

(30.01.2002) Obwohl ich mit Kafkas "Schloß" noch nicht durch bin, konnte ich mich nicht zurückhalten, wieder in "Die Fassade" von Libuse Moníková reinzulesen: vor etwa acht Jahren habe ich diesen Roman zweimal gelesen - da hatte ich Moníková gerade entdeckt, war restlos begeistert und habe ein Buch nach dem anderen von ihr gelesen. Ein Satz aus der Fassade hat mich auch zu einem Ölbild angeregt ("Demiurg"), und zwar Ortens anerkennende Anmerkung über Michelangelo:

"Manchmal sehe ich ihn im Traum im Orion am Pferdekopfnebel hämmern". (S.112)

Demiurg
Béla Hassforther "Demiurg", 1994, Öl auf Hartfaser, 70 cm x 100 cm

Bei der zweiten Lektüre habe ich kurze Inhaltsangaben der einzelnen Kapitel gemacht und eine Liste der (Haupt-)Personen erstellt. Diesen Text habe ich allerdings damals noch nicht abgeschlossen - am Dateiformat (immerhin acht Jahre her) merkt man, wieviel Zeit inzwischen verflossen ist. Keine Ahnung, wann ich es zum letzten Mal als nötig empfand, Importfilter für Word5 zu installieren...

Vier Künstler mit unterschiedlichen Charakteren restaurieren die Fassade des böhmischen Schlosses Friedland (Litomysl), ihre Diskussionen bieten Gelegenheit, unterschiedliche Kunstanschauungen gegenüberzustellen. Der künstlerisch potenteste (aber nicht der interessanteste) unter ihnen entdeckt dabei Kafkas "Process" als Inspirationsquelle. Eine Einladung nach Japan läßt sie zu einer langen Reise aufbrechen, bei der sie aber über Sibirien nicht hinauskommen. Die Schilderung ihrer Erlebnisse, vor allem die genaue Schilderung der dortigen Verhältnisse, lassen vermuten, dass Libuse Moníková selbst mal dort war. Die schönste Passage im Roman ist für mich Schilderung der Zeit, die Orten (der "interessanteste" Künstler) allein in einer sibirischen Siedlung durchlebt, die noch von Schamanismus und Matriarchat geprägt ist (S.374-382). Auch die Erotik kommt - hier wie im ganzen Roman - nicht zu kurz.

Vor und nach "Die Fassade" hat Libuse Moníková eher schmale Bände geschrieben. Man hat auch etwas den Eindruck, als ob möglichst viel in den Roman rein sollte. Dennoch wirkt der Roman weder gekünstelt konstruiert noch lang. Er ist zugleich lehrreich, interessant, spannend und lustig, die ganzen heterogenen Elemente und Handlungsstränge sind geschickt miteinander vernüpft (und sei es durch ein Theaterspiel, welches die vier Hauptpersonen aufführen).

Für Leser von Arno Schmidt finden sich jede Menge mehr oder wenige versteckte Anspielungen auf "typische" Zitate, Beispiel: "Wer nicht liest, kennt die Welt nicht".(S.230)

Auch in kleinen Details finde ich Moníková super; mit lockeren Halbsätzen charakterisiert sie beispielsweise hier die vier Maler und beschreibt gleichzeitig deren Bedeutung in der internen Hackordnung:

"Maltzahn holt aus, erzählt von seinen Mühen, erklärt seine Tricks mehrfach, läßt sich für seine Raffinesse von Patera bewundern, von Podol beklopfen, von Orten dulden, ..."(S.27)

Rowohlt Literaturmagazin 44. Prag - Berlin: Libuse Moníková

(02.02.2002) Eines von zwei neu gekauften Büchern: "Rowohlt Literaturmagazin 44. Prag - Berlin: Libuse Moníková" (als Ergänzung für meine wiederbegonnene Moníková-Lektüre). Bisher nur diagonal einige Sachen überflogen und die Bilder angeschaut: unter anderem Libuse Moníková in Bargfeld ("Arno-Schmidt-Town").

Monikova

Franz Kafka - "Briefe 1900 - 1912"

(02.02.2002) Das zweite neu gekaufte Buch: Franz Kafka Briefe 1900 - 1912 (Bd. 1 der kommentierten fünfbändigen Ausgabe von Hans-Gerd Koch, S.Fischer Verlag). Man kann kaum aufhören zu lesen, sogar der junge Kafka (der Student) hat schon einen ganz individuellen Stil, eine originelle Art und Weise, Leute anzusprechen. Inhaltlich und sprachlich also ein Genuß. Und ein schönes Buch auf gutem Papier - ist ja auch nicht selbstverständlich.

Auffallend ist, bei wie vielen älteren Briefen oder Karten im Kommentar "Verbleib unbekannt" angemerkt ist. Es war wohl höchste Zeit, mal wieder eine Bestandssicherung zu machen und Material aus verstreuten Publikationen zusammenzutragen.

Schöne Stellen und Passagen gibt es jede Menge: Zum Schmunzeln z.B. eine Karte, deren ganzer Text lautet:

"Lieber Hugo, es ist mir, als müßte ich Dich grüßen." (Nr. 5, S.12, an Hugo Bergmann Ende 1901 oder Anfang 1902)

Eine knallharte Kritik über ein Machwerk eines Mit-Studenten, darin die nette Anmerkung:

"Jung sein heißt nicht haushalten und jung sein heißt nicht die Grammatik in Ehren halten. Die Geschichte aber ist sparsam und der Sprache dankst Du weniger als Du glaubst." (Nr. 16, S.20, an Paul Kisch).

Einer der packenden Briefe an Oskar Pollak befaßt sich mit den "frühen Werken" Kafkas und ist sehr selbstkritisch:

"... Du mußt aber daran denken, daß ich in einer Zeit anfing, in der man "Werke schuf", wenn man Schwulst schrieb; es gibt keine schlimmere Zeit zum Anfang." ... "Eines aber fehlt in den Heften ganz, das ist Fleiß, Ausdauer und wie alle diese fremden Dinge heißen." Und dann noch: "Vor allem weiß ich heute eines: Die Kunst hat das Handwerk nötiger als das Handwerk die Kunst. Natürlich glaube ich nicht, daß man sich zum Gebären zwingen kann, wohl aber zum Erziehen der Kinder." (Nr. 23, S27, Brief an Oskar Pollak, vermutlich vom 6.9.1903).

Hier wird ein "Schloß" erwähnt:

"Manches Buch wirkt wie ein Schlüssel zu fremden Sälen des eigenen Schlosses." (Nr.24, S.29, an Oskar Pollak, 8.11.1903).

Die früher schon erwähnte Stelle vom Buch als Axt für das gefrorene Meer in uns findet sich als Brief Nr. 31 auf Seite 36.

Harry Mulisch "Die Entdeckung des Himmels"

(03.02.2002) Für eine kurze Korrespondenz mit einem Schüler nochmal einige Passagen von Mulischs "Die Entdeckung des Himmels" gelesen.

Frage: ist der Diskos von Phaistos von irgendeiner Bedeutung?

Ich meine nicht. Damit wird Onno charakterisiert als jemand, der ein ziemlich abseitiges Gebiet recht verbissen und intensiv beackern kann (es hätten auch "Ameisen" oder "Veränderliche Sterne" sein können) - der aber diese Energie auch ganz plötzlich für ein anderes Gebiet mobilisieren kann (die Politik; oder später die Unterstützung von Quinten, als dieser in Rom sich in den Kopf setzt, in die Kapelle Sancta Sanctorum zu kommen). In Rom selbst war es allerdings vorteilhaft, sich mit Kunstgeschichte, Archäologie und geisteswissenschaftlicher Quellensuche auszukennen. Da hätte ein Ameisenforscher mehr Probleme gehabt.

Behauptung: "Es geht um zwei mögliche Wege für die Entdeckung des Himmels."

Das glaube ich nicht. Onno hat dieses Ziel nicht, er hat überhaupt wenig Ziele: zunächst ist er verbissen dabei, den Diskos zu entziffern, dann geht er eifrig in die Politik, dann hängt er jahrelang rum und verkommt nahezu, dann wird er von Quinten eingespannt, ihn bei SEINEM Ziel (den Diebstahl der Tafeln) zu unterstützen... Nein, Onno hat nicht das Ziel, den Himmel zu entdecken.

Max wiederum ist viel zu stark damit beschäftigt, sein schwieriges familiäres Erbe aufzuarbeiten. Sein Hang, ständig mit anderen Frauen zu schlafen, wird ja als Folge dieser schwierigen Herkunft erklärt. Er hat irgendwann nur noch die Ziele 1.Beruf (möglichst seiner Forschung leben) und 2.Quintens Erziehung. Dafür nimmt er das Leben in der Provinz auf sich und das Zusammenleben mit Adas Mutter.

Und ZUFÄLLIG kommt er dem Himmel auf die Spur (also nicht dem Himmel der Astronomen, sondern einem anderen "Himmel") - um im nächsten Moment eliminiert zu werden. Aber da ist seine Aufgabe, die er aus Sicht des "Himmels" erfüllen sollte (die Erziehung von Quinten), nahezu abgeschlossen - der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.

Ich halte die Kernaussage, die ich in meiner kurzen Mulisch-Besprechung getroffen habe, immer noch für ganz treffend: der Himmel kündigt den "Bund" mit den Menschen, den er via Moses irgendwann mal gemacht hat, will das aber heimlich tun und "nur" die Tafeln des Bundes zurückholen. Mit den Menschen will der Himmel nichts mehr zu tun haben. Alle Personen im Roman sind Werkzeug dafür. Letztlich ist von langer Hand "vom Himmel" alles so arrangiert, dass Quinten nicht umhin kann, irgendwann in Rom anzukommen und dort mit Unterstützung von Onno (der dafür ja auch Qualitäten mitbringt) auf die Idee zu kommen, die Tafeln zu holen und nach Jerusalem zurückzubringen.

Franz Kafka - "Briefe 1900 - 1912"

(15.02.2002) Den Band "Franz Kafka - Briefe 1900 - 1912" fertiggelesen. Am Schluß allerdings fast schon etwas gelangweilt wegen der ein bis zwei täglichen Briefe an Felice - zuviel Monokultur. Trotzdem: auch hier tolle Highlights dabei.

Rolf Recknagel "B.Traven. Beiträge zur Biografie"

(02.03.2002) Eines von vier in letzter Zeit neu gekauften Büchern. Die Verlagsangabe "Reclam Leipzig 1966" sagt dem Kenner genug über das Aussehen und den Erhaltungszustand des Bandes. Nicht, dass ich das Buch jetzt unbedingt lesen muß... Aber: Anfang der Siebziger Jahre, noch in der Schule, kam ich erstmals mit Max Stirner und seinem Hauptwerk "Der Einzige und sein Eigentum" in Berührung. Bei meiner Magisterprüfung in Philosophie (Anfang der achtziger Jahre) "durfte" ich Max Stirner als eines der Themen wählen (an einer Uni, an der man nur von Kant, Hegel und Platon hörte, wirklich ein Zugeständnis). Von Max Stirner kommt man irgendwann zu Ret Marut, und schon ist man bei B.Traven. Beim Studieren des Stirner-Umfeldes, der vielfältigen Einflüsse auch auf die Literatur habe ich Anfang der achtiger Jahre für meine Prüfung natürlich auch Unmengen von und über Traven und den "Ziegelbrenner" Ret Marut gelesen. Ein Teil dieses Komplexes ist in der Recknagel-Biografie beschrieben, und das möchte ich mir demnächst mal wieder zu Gemüte führen. Beim Durchblättern wurden jedenfalls viele gute "alte" Erinnerungen wach und der Wunsch, sich mal wieder in diese Welt zu versenken.

Nebenbei: So super ich Mulischs "Entdeckung des Himmels" fand: dass darin Stirner als Lieblingslektüre des Nazi-Vaters auftaucht - das hat mir gar nicht gefallen!

Jules Verne - "Die Schule der Robinsons"

(02.03.2002) Das zweite neu gekaufte Buch: Aus der Reihe "Haidnische Alterthümer" in einem Band: Jules Verne "Die Schule der Robinsons" und Paul Vérne "Von Rotterdam nach Kopenhagen". Zweitausendeins, Frankfurt 1984. Wichtig für Arno Schmidt "Die Schule der Atheisten". Schon beim Anblättern fühlt man sich wie bei einem Familienausflug - die bekannten Namen aus der SdA... Zum Lesen werde ich allerdings so schnell nicht kommen.

Max Brod "Franz Kafka. Eine Biographie"

(02.03.2002) Das dritte neu gekaufte Buch, auch dies ein typischer Antiquariatskauf: Das Äußere spielt keine Rolle, der Inhalt zählt (zum Äußeren: "Fischer TB, Frankfurt 1963" - diese Angabe genügt). Das Buch nehme ich seit dem Kauf fast jeden Tag zur Hand. Bei aller Kritik an Brod, die heutzutage political correct ist: er kannte Kafka am besten, er hat ihn bewundert und früh als überlegen anerkannt. Und vor allem: er kennt Anekdoten, da flattern einem die Ohren. Dass Kafka ein großer Schwerzbold vor dem Herrn war, das habe ich schon lange gespürt, dass der Schlußsatz des "Urteils" nicht ganz astrein ist, konnte mann spüren - aber das, was Brod da überliefert, ist einfach köstlich, Kafka frägt ihn einmal unvermittelt:

"Weißt Du, was der Schlußsatz bedeutet? - Ich habe dabei an eine starke Ejakulation gedacht." (S. 134)

Um diesen "harmlosen" Satz geht es:

"In diesem Augenblick ging über die Brücke ein geradezu unendlicher Verkehr."

Sándor Márai "Bekenntnisse eines Bürgers. Erinnerungen"

(02.03.2002) Das vierte neu gekaufte Buch ist zur Abwechslung tatsächlich ein Neukauf - keine Antiquariatsbeute. Darin gelesen Ende Februar bis Anfang März 2002, seitdem liegt das Buch rum. Wenn man vorher viel Kafka gelesen hat ist es eine Zumutung (vor allem, wenn der Autor sich selber als Kafka-Fan bezeichnet). Der erste Teil mit der Schilderung der Dienstmädchen- und Köchinnenschicksale noch sehr packend (soweit habe ich in der Buchhandlung gelesen), wenn auch ein Verdacht bleibt, dass beim Autoren wenig Mitgefühl dabei ist. Die Schilderung der "Unijahre" fand ich aber empörend. Für ein derartig unreifes Verhalten (demonstratives Anderssein-Wollen, Geld-verprassen, das der Vater verdient hat, ein enormer Frauenverschleiß mit Kokettieren, sich nicht mehr an Namen und Gesichter erinnern zu können, usw) muß man sich schämen. Meine Lektüre stockt zur Zeit auf Seite 300, weil ich mich die letzten 250 Seiten über meist über den Protagonisten geärgert habe.

"Als Kafka mir entgegenkam. Erinnerungen an Franz Kafka"

(23.03.2002) Dieses von Hans-Gerd Koch herausgegebene Taschenbuch habe ich noch am Kauftag diagonal durchgelesen, seitdem immer mal wieder einzelne Beiträge intensiver. Spannend! Zum einen die Erinnerungen der Leute selber: eine gemischte Palette aus zart, wichtigtuerisch, bescheiden, widersprüchlich - ganz verschieden. Als Grundton bleibt haften, dass Kafka von früher Jugend an ein sehr beliebter und geachteter Mitschüler, Freund und Kollege war, der offensichtlich keine Feinde hatte. Und dass das Bild des weltfremden, ernsten, "kranken" Kafka über weite Strecken eine Fiktion ist. Kafka galt allseits als interessiert, lustig, als mutig, sportlich usw. Genau der Eindruck, den auch die Tagebücher und Briefe hinterlassen.

Alena Wagnerová - "Die Familie Kafka aus Prag"

(23.03.2002) Nicht so interessant, auch etwas teuer (ist schließlich nur ein dünnes Taschenbuch!) - mußte aber gekauft werden, weil interessante Details aus der Familiengeschichte und dem weiteren Schicksal der Verwandten enthalten sind. Sieht man vom bedrückenden Kapitel mit dem Schicksal und der Ermordung der Verwandten in den Vierziger Jahren ab müßte man die familiäre Herkunft als "nothing special" bezeichnen. Woher da ein (nein: der) Kafka kommt? Die Herkunft erklärt's jedenfalls nicht.

Jack London - "Martin Eden"

(23.03.2002) Jack London habe ich Ende der achtziger Jahre / Anfang der neunziger Jahre sehr viel gelesen - klar: Eskapismus / midlife-crisis der Enddreißiger / crazy fourties im Anmarsch. Aber immerhin eine deftige Alternative zu den Grünen. Geblieben ist das Interesse an einem Menschen, der sich aus ärmlichsten Verhältnissen mit eiserner Energie zu einem weltbekannten Schriftsteller emporgearbeitet hat. Welche Umstände wecken diese Ziele in einem? Woher kommt die Energie? Welche Zufälle bestimmen unser Leben? Und weitere dieser Fragen. Warum soll man das nicht anhand des autobiographischen Romans von Jack London nochmal durchdenken und nacherleben?

[Hier müsste ich noch einige Sachen nachtragen, die ich von März bis Juni gelesen habe - die bekomme ich aber nicht mehr zusammen.]

Hartmut Binder - Kafka Kommentare

(01.06.2002) Endlich die beiden Bände "Kafka Kommentar zu den Romanen, Rezensionen, Aphorismen und zum Brief an den Vater" und "Kafka Kommentar zu sämtlichen Erzählungen" von Hartmut Binder bekommen. Danach habe ich lange antiquarisch gesucht, die Bände findet man selten! Hartmut Binder veröffentlicht seit Jahrzehnten fundierte Aufsätze und Bücher über Kafka, und immer mal wieder findet man einen neuen Beitrag für eine Zeitung, zuletzt Anfang Juli in der Neuen Züricher Zeitung (Dank an Christian Köllerer für den Tipp; seine häufig aktualisierte Homepage suche ich fast täglich auf). Die beiden Kafka-Kommentar-Bände haben mich tagelang gefesselt, natürlich zunächst hauptsächlich zu den Kafka-Texten, die ich in letzter Zeit selber (wieder-)gelesen habe.

Hans-F. Tölke - Online-Texte über Arno Schmidts "Die Schule der Atheisten"

(15.06.2002) Mein armer Tintenstrahldrucker wußte nicht so recht was ihm geschah, als er Mitte Juni über 60 Seiten nahezu am Stück ausdrucken mußte: Die Seite von Hans-F. Tölke ist so phantastisch gut, dass ich sie nicht am Bildschirm lesen wollte. Die "Seite" besteht aus einem langen Text (mit einigen Bildern), der seit Mitte Juni noch erweitert worden ist, und in der Art eines Arno-Schmidt-Typoskripts (außer der Mehrspaltigkeit) in Courierschrift über Themen von Arno Schmidt handelt. Fast ist man versucht, "kongenial" zu sagen. Mir ist es beim Lesen oft passiert, dass ich mehrfach ansetzen mußte, weil ich mehr auf das "wie" als auf das "was" der Texte geachtet habe. Ein Genuß, allen Arno-Schmidt-Freunden wärmstens zu empfehlen. Tölke sagt's ja selber: "tolle, lege!"

Franz Kafka - Briefe an Milena

(30.06.2002) Nach dem Band "Briefe 1913-1914" ist wohl eine lange Wartezeit bis zum Erscheinen des dritten Briefbandes zu erwarten - zu lange. Deswegen mußte ich sofort mit den "Briefen an Milena" weitermachen. Ich fand sie interessanter als die Briefe an Felice, aber von der Stimmung her resignierter: Kafka ist deutlich kränker zur Zeit dieser Korrespondenz. Dieser Band ist ein Muss für Kafka-Freunde.

Karl August Böttiger - "Literarische Zustände und Zeitgenossen"

(06.07.2002) Untertitel: "Begegnungen und Gespräche im klassischen Weimar." Berlin 1998. Der Band war schon lange auf meiner Wunschliste, endlich rangegangen. So muß ein Buch gemacht sein: schön gedruckt, schön gebunden, gutes Vorwort, ausführliche Anmerkungen, sehr ausführliches Personen- und Werkregister. Und ein stellenweiser packender Inhalt: Keine Hagiographie unserer Klassiker, sondern ein Achthaben auf Gespräche UND auf die sprechende Person - allerdings auch auf die Aspekte der Person, die geeignet sind, einige "Musensöhne" ordentlich auf die Erde zurückzuholen. Böttiger nimmt sprachlich in seinen Anmerkungen kein Blatt vor den Mund, wenn es ums Charakterisieren von Personen geht, und so lesen sich viele Passagen, deren Themen an sich recht uninteressant sind, doch sehr kurzweilig. Über ein Drittel des Textteils handelt von Wieland, offenbar hatte Böttiger eine eigenständige Arbeit über Wieland vor und sammelte Material. Mit Genugtuung habe ich seine Auslassungen über die Eitelkeit und den Neid von Herder gelesen, Eigenschaften, die dessen "Italienische Reise" und Reisebriefe durchdringen und mir vor einigen Jahren bei der Lektüre sehr unangenehm aufgestoßen sind (trotzdem ist Herder natürlich unbedingt lesenswert - auch heute noch).

Johann Friedrich August Tischbein, Porträt von Karl August Böttiger
Johann Friedrich August Tischbein:
Porträt von Karl August Böttiger (1795)

Hier habe ich einige Zitate und Bilder zusammengestellt.

Gustav Janouch - "Gespräche mit Kafka"

(14.07.2002) In einem Heidelberger Antiquariat einen unverhofften Fund getan: Gustav Janouch "Gespräche mit Kafka". Fischer TB, 1961. Unter dem 23.03.02 habe ich den Band "Als Kafka mir entgegenkam. Erinnerungen an Franz Kafka". Hrsg. von Hans-Gerd Koch erwähnt [hier einen Link zum ANker machen]. Janouch gehört zu den Beiträgern des Bandes. Was Hans-Gerd Koch dort in einer Fußnote anmerkt, drückt auch mein Gefühl beim Lesen von Janouchs "Gesprächen" aus: "hinsichtlich ihrer Authentizität umstritten". Sicher: es gibt viele Passagen, da könnte man sich an das Bild von Kafka, das man sich beim Lesen originaler Kafka-Texte und seiner Briefe so macht, erinnert fühlen. Man findet auch Stellen, die man sich gerne abtippt und öfters wieder vornimmt. Aber ein Unbehagen bleibt. Das ganze Setting - wie Janousch Kafka kennenlernte, diese vielen gemeinsamen Spaziergänge, diese vielen Gespräche über diese Unmengen von Büchern - alles irgendwie unwahr. Kann ein 17- oder 18-jähriger diese vielen Bücher, die er immer anschleppt, gelesen UND verdaut haben? Und mit Kafka dann zum Beispiel über Dostojewski reden? Oder kann man sich etwa vorstellen, dass Kafka die Gedichte eines 17-jährigen ernsthaft liest? Sicher: Janouch wird laut den "Gesprächen" von Kafka häufig als Kind tituliert, aber die Gründe, weswegen Janouch das bringt, können durchaus unsauber sein. Beim zweiten Lesen habe ich jedenfalls vor, auch diese "Authentizitäts-Frage" im Hinterkopf zu halten.

Als ich das Bändchen kaufte, war gerade ein zweiter Kunde im Antiquariat, der gezielt nach Kafka-Sekundärliteratur schaute. Ich fragte halb mitleidig, ob ich ihm den Band nun weggeschnappt hätte, aber er hatte ihn schon ("das Buch hätte ich nicht übersehen"), und empfahl das Buch nachdrücklich. Deswegen bekommt der Janouch nun einen zweiten Versuch.

Gustav Janouch ist mir wiederbegegnet in Adolf Opel "Wo mir das Lachen zurückgekommen ist... Auf Reisen mit Ingeborg Bachmann." Adolf Opel trifft sich am 3.3.1964 in Prag mit Gustav Janouch, um dessen neues Buchmanuskript nach West-Deutschland zu bringen. Ingeborg Bachmann ist von Janouchs bombastischer Geheimnistuerei zunächst irritiert, lässt sich dann aber doch von Adolf Opel zu einer kurzen gemeinsamen Stadtführung mit Janouch auf den Spuren Kafkas überreden (Opel, S.64).

Thema "Literaturkanon"

(16.07.2002) Es gibt dieses Jahr eine seltsame Häufung von Diskussionen zum Thema "Literaturkanon". Eine ganze Reihe dieser Zusammenstellungen habe ich mir angeschaut, z.B. diese hier (http://www.profil.at/literaturkanon/pub_index.shtml), wobei allerdings der Link längst ins Nirwana führt... Interessant waren die Kommentare von Besuchern dieser Weseite zum Sinn und Unsinn von Literatur-Kanons. Mit etwas Recherche findet man auch heute noch die Liste der 50 Bücher, die man laut PROFIL gelesen haben sollte. Sicherlich habe ich ein Dutzend dieser Listen in der letzten Zeit gesehen. Nicht mein Ding.

Finkenbach-Festival im Odenwald

(26.07.2002) Mit Bodo einen kurzen (ca drei oder vier Stunden) Besuch beim Finkenbach-Festival gemacht. Bodo wollte hauptsächlich fotografieren und hatte seine neue 4000-DM-teure Digital-Olympus umhängen, ich wollte die gute alte Hippie-Luft schnuppern. Wir kamen vor Beginn, also vor der ersten Band an, zogen etwas herum, und bald ging es auch schon los mit der japanischen Psychedelic-Gruppe "Marple Sheep". Schon als zweite Gruppe kam dann schon einer der Haupt-Acts, "Guru Guru" mit Mani Neumeier. Fetzige Musik, ging ganz schön ab.

Das Schöne an Finkenbach ist ja insbesondere die Stimmung, das Zelten, die Lagerfeuer, die süßen jungen Mädchen in ihren Hippie-Kleidchen, die reifen alten Mädchen in ihren Latzhosen, und so manch alter grauhaariger Zausel, der sein Rezept für kräftigen Haarwuchs auch im hohen Alter noch für sich behalen will. Es hat was rührendes, alte Hippies mit langen, langen Haaren zu sehen, die einen Rollator vor sich herschieben.

Wir sind gleich nach dem Guru-Guru-Konzert nach Hause gefahren, weil wir ja nicht übernachten wollten. Der Besuch hat sich voll gelohnt.

Finkenbach 2002, Guru Guru
Guru Guru, Finkenbach 2002, am Abend des 26.07.2002

Karl May - "Durch die Wüste"

(13.08.2002) Im Hatry antiquarisch gekauft. Mit Karl Mays "Durch die Wüste" habe ich lesen gelernt, vor der Schule, also etwa 1960. Einige Episoden habe ich immer noch im Kopf. Nun möchte ich etwas Nabelschau machen, dabei gleichzeitig schmökern und analytisch lesen - in übrigens der gleichen Ausgabe wie damals, also der (berühmten oder berüchtigten - wie auch immer) grünen Ausgabe des Karl-May-Verlags Bamberg. MIT den kleinen Kartenskizzen, mit denen ich mir damals zukünftige wilde Reisen zusammenphantasierte.

Karl May, Durch die Wüste
Titel von Karl May "Durch die Wüste"

Rolf Dieter Brinkmann - Briefe an Hartmut (Rowohlt 1999)

(13.08.2002) Gleichzeitig mit dem Karl May im Antiquariat Hatry gekauft - ein harter Kontrast. Symphatisch ist mir Brinkmann nicht immer. "Rom. Blicke" habe ich von ihm, und mein Urteil darüber ist sehr gespalten. Wie in "Rom. Blicke" ist Brinkmann auch in diesen Briefen in der Hauptsache am Schimpfen - über alles und jeden. Um das zu ertragen, muß man immer Lesepausen einlegen (auch bei "Rom. Blicke" war ich nicht in der Lage - oder bereit -, alles am Stück durchzulesen). Ich stelle mir vor, wie Brinkmann rauchend, mit Bier-Fahne, mit stinkigen Klamotten und verkniffenem böse-beleidigten Gesicht durch die Strassen geht und allen Leuten in die Fresse hauen möchte. Und frage mich, ob er sich sonderlich positiv von den anderen Passanten abhebt, die er so niedermacht und so hasst. Doch wohl eher nicht. Trotz dieser unangenehmen persönlichen Züge: Brinkmann ist einer der wichtigeren deutschen Autoren.

Franz Kafka "Reisetagebücher"

(23.08.2002) Im Lauf der letzten Augustwoche die Reisetagebücher von Kafka und Max Brod zum erstenmal gelesen. Das Tagebuch Brods fand ich fast genauso interessant wie das von Kafka: immerhin wird oft von Kafka geredet. Die unglaubliche Selbstverständlichkeit, mit der Bordelle aufgesucht werden (manchmal das erste, was in einer Stadt gemacht wird), verblüfft immer wieder.

Rolf Dieter Brinkmann - Radiosendung vom 5.5.1995

(01.09.2002) Nochmal zu Brinkmann (vgl. 13.08.2002). Ich habe eine Sendung über R.D.Brinkmann auf Kassette (vom 5.5.1995, Südfunk 2 Kultur) mit vielen O-Ton-Passagen, zum Beispiel eine Art Lebenslauf, von Brinkmann selber hervorgestoßen ("erzählt" würde zu niedlich klingen). Nach dem zweimaligem Anhören war ich wieder gepackt und habe Brinkmann viele der Schimpfereien veziehen - er hat ja meist soo recht.

Franz Kafka, Tagebücher 1914-1923

(Anfang September) Zum zweitenmal gelesen.

Jakob Burkhardt "Weltgeschichtliche Betrachtungen"

(Mitte September) Am 31.08.2002 für sage und schreibe 50 Cent erworben. Mit Überraschung zur Kenntnis genommen, dass ich anscheinend gerne Burckhardt lese, seine "Kultur der Renaissance in Italien" zum Beispiel immer mal wieder in die Hand nehme. Auf Burckhardt stößt man als ehemaliger Nietzsche-Fan ja automatisch irgendwann. Und irgendwo (fällt mir jetzt bloß nicht ein, wo) hat Arno Schmidt die berüchtigten Wahnsinnsbriefe Nietzsches aus Turin an Buckhardt als Anregung zu einem ähnlichen Brief benutzt. Burckhardt also - immer noch mit viel Gewinn zu lesen.

Franz Kafka "Der Verschollene (Amerika)"

(20.09.2002) Zwar schon am 23.08.2002 gekauft, aber erst jetzt mit der Lektüre begonnen.

Reiner Stach - "Kafka. Die Jahre der Entscheidungen"

(26.09.2002) Die neue Biografie ist heute angekommen und selbstverständlich habe ich SOFORT mit der Lektüre begonnen. Der Band ist ein MUSS, obwohl mich die Vorschußlorbeeren und die Verlagswerbung etwas abgetörnt haben. Mir ist nicht so klar geworden, was eine "große" Biographie denn ausmacht, die angeblich über Kafka noch nicht existiert. Soll sie dick sein? Nun, da kann das neue Werk durchaus Eindruck machen. Andererseits: Die Biographie von Ernst Pawel wird gar nicht erwähnt: ist sie mit ihren 500 Seiten zu klein? Stört es, dass sie aus dem Amerikanischen übersetzt ist (wenngleich sehr gut)? Nach den ersten 130 Seiten der neuen Biographie habe ich den Eindruck, dass manches etwas inhaltsreicher auf knapperen Raum unterzubringen gewesen wäre: Pawel zum Beispiel führt umfanreiches Material auf, bietet es aber konzentrierter dar. Die Reise von Brod und Kafka nach Weimar zum Beispiel und dieses komische kleine Verliebtsein in die sechzehnjährige Margarethe Kirchner: das sind blasse Ausführungen, und gleichzeitig fehlt der Nachweis der Quellen, um bei Bedarf (nicht das ich den hätte) dem Fall selber nachzugehen: Wie ist Stach an die Fotografie des Mädchens gekommen? Woher weiß er, wann sie von diesem Ball am letzten Tag des Weimar-Aufenthalts der beiden Freunde zurückgekommen ist? Woher kennt er die wenigen angeführten Lebensdaten? Weiter: hat er nach Briefen recherchiert? Wenn ja: warum wird kein Ergebnis der Suche genannt?

Andererseits finde ich die Einführung von Felice Bauer und die Beschreibung von Kafkas Gefühlsleben zum Zeitpunkt ihres Kennenlernens sehr einfühlsam und gelungen. Endlich einmal jemand, der diese Frau nicht runterputzt und nicht so strohdumm vor den Geheimnissen der Partnerwahl steht...

Was bisher (es kann ja noch anders werden...) fehlt, sind Werkdeutungen wie zum Beispiel in der wirklich "Großen" Goethe-Biographie von Nicholas Boyle: Zusammenfassungen der Deutungen und der Deutungsgeschichte auf sehr hohem Niveau, durchaus mit eigener Sicht, und dennoch je nach Text auf nur einigen Seiten Umfang bis zu einigen Dutzend Seiten. Damit verglichen sind die Ausführungen Stachs zum "Urteil" eher flach.

Immer mal wieder fällt mir auf, was für ein Verlust es für das Verständnis Kafkas und seiner Werke bedeutet, dass der Nachlaß von Max Brod immer noch nicht freigegeben ist (auch Stach muß ja deswegen den Band 2 vorziehen, um später den Nachlaß Brods in den laut Planung in vier Jahren erscheinenden ersten Band einfliessen lassen zu können). Es bleibt ein ungutes Gefühl, wenn man sich vorstellt, was alles diesem Nachlaß in den nächsten Jahren noch passieren könnte! Ganz anders, wenn er schon gesichtet und das wichtige gedruckt wäre.

(16.10.2002) Fertig mit der Kafka-Biographie von Reiner Stach. Mein genereller Eindruck ist geblieben: die Biographie ist zwar lesenswert, der entscheidende Kick fehlt aber. Inhaltlich mag alles moderner, besser recherchiert, vernünftiger als zum Beispiel die Biographie von Brod sein, aber man spürt, dass der Autor innerlich sehr weit vom Objekt seiner Recherche entfernt ist. Alles sehr sachlich, alles sehr vernünftig. Brod dagegen schreibt mit Herzblut, Pawel mit Biss.

Stachs Werk hat mich immer wieder an die wohl auch "große" Nietzsche-Biographie von Janz erinnert, der in drei Bänden eine enorme Fülle an Stoff aufbot, bei der ich aber auch beim Lesen häufig dachte: "Hm, das ist nicht MEIN Nietzsche".

Und bei Stach dachte ich auch oft: "Nee, das ist nicht MEIN Kafka".

Anmerkung am 20.10.2016: Inzwischen denke ich anders über die Biographie: Sie ist "groß", sie ist super!

Ernst Pawel "Das Leben Franz Kafkas"

(08.11.2002) Da ich die Kafka-Biographie von Ernst Pawel nach dem Kauf viel zu hastig verschlungen habe, habe ich sie in den letzten Wochen nochmal einmal gründlich gelesen. Ein Buch ohne Inhaltsverzeichnis, aber mit Register - das hat schon was Originelles. Von der Fülle des Stoffs ausreichend, aber ohne Fußnoten, etwas sprunghaft in der Chronologie, etwas zu verliebt in den Reiz von knackigen Formulierungen oder von Scherzen, keine Werkdeutungen - überhaupt nur wenig über das Werk selber. Offenbar kam Pawel gegen Ende seiner Arbeit entweder in Terminnot oder hatte das Thema satt: die letzten Jahre Kafkas werden im ziemlichen Eiltempo abgehandelt. Schade. Ein etwas zwiespältiger Eindruck bleibt leider zurück, auch wenn sich das Buch streckenweise amüsant liest.

Einen Verriß von Pawels Biographie kann man vom Kafka-Kenner Ronald Haymann lesen.

Regine Sylvester - Zeitungsbeiträge

(08.11.2002) Nach der "Wende" gab es einige Jahre lang (bis Ende 1996) die "Wochenpost" bundesweit. Ich habe diese Zeitung damals regelmäßig gelesen und denke etwas wehmütig an sie zurück. Einige der Redakteure und Redakteurinnen (Jutta Voigt, Regine Sylvester, Elisabeth von Thadden, Mathias Greffrath u.a.) sind noch aktiv, und manchmal recherchiere ich, was sie so veröffentlichen.

Eine meiner "Lieben" war (oder ist) Regine Sylvester, seit 1996 Leitende Redakteurin der "Berliner Zeitung". Die "Berliner Zeitung" hat (21.10.2016: hatte) ein vorbildliches online-Archiv, und wenn man dort in der Suchhilfe "sylvester" eingibt, sollte man sich Zeit nehmen, die vielen Texte von ihr genüßlich durchzugehen. (21.10.2016: Heute hat man immerhin die Möglichkeit, die eigene Webseite von Regine Sylvester zu lesen - und die lohnt sich! Zum Beispiel das hier)

Besonders lesenswert ist ihr Beitrag "Die indiskrete Gesellschaft", erschienen in der "Berliner Zeitung" am 7./8. April 2001, für den sie den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen, den "Theodor-Wolff-Preis" 2002 in der Kategorie "Leitartikel/Kommentar/Essay" bekam.

In der "Ost-West-Wochenzeitung" Freitag, der man eine gewisse Verwandschaft zur Wochenpost unterstellen kann, ist just heute am 08.11.2002 eine Buchbesprechung von Renate Rammelt über Regine Sylvesters Romandebüt "Vorgeschriebene Fallhöhe" erschienen, und das just heute, als ich über die Sendung "Wer wird Millionär" recherchierte (ich habe keinen Fernseher und kenne daher keine Serien), die mir wegen der Frage, was "Bedeckungsveränderliche" sind, am 1.11.2002 über 2700 Zugriffe auf meine harmlose Seite zum Bedeckungsveränderlichen V643 Ori verschaffte (wobei ich zuerst an einen Server-Fehler dachte, bis ich die log-files auswertete und dann mit dem Hinweis einer Kollegin auf die Frage in der Sendung kombinierte). Tja, und beim Recherchieren über die Sendung fand ich einen Beitrag darüber von Regine Sylvester, und dann die Besprechung des neuen Buches von Sylvester und so weiter - wie der Zufall halt so spielt.

W.A.Mozart - "Die Bäsle-Briefe"

(10.11.2002) W.A.Mozart "Die Bäsle-Briefe" (in der von Juliane Vogel herausgegebenen Reclam-Ausgabe): Wenig beeindruckend. Früher wohl aufregend, als man in jedem Klassiker auch einen halben Heiligen sehen wollte, und das Schwelgen Mozarts im Anal-Bereich nicht dazu passen wollte. Neun Briefe sind erhalten, die auch mit Anmerkungen und Kommentar nicht interessanter werden. Eine schöne online-Version der Briefe ist vorhanden, bei der auch Mozarts Bäsle-Zeichnung erklärt ist (die Brust des Bäsles ist von Mozart recht liebevoll gezeichnet worden).

Dann doch lieber Goethe "Hanswursts Hochzeit" lesen.

Franz Kafka - "Der Proceß"

(22.11.2002) Heute den "Proceß" ausgelesen (begonnen am 11.11.2002). Sekundärliteratur ist in Unmassen vorhanden, man verliert fast die Lust, selber etwas über den Text zu formulieren. Nach der Lektüre kann man jedenfalls nachvollziehen, dass Kafka beim Vorlesen im Freundeskreis Tränen gelacht hat. Trotzdem es ja nicht gerade ein Happy End gibt, und der arme Held "wie ein Hund" stirbt ("Aber an K.'s Gurgel legten sich die Hände des einen Herrn, während der andere das Messer ihm ins Herz stieß und zweimal dort drehte.") - viele Passagen haben einen derartigen Komödiencharakter bis hin zu irren Slapstick-Szenen, dass man aus dem Schmunzeln oder Lachen nur schwer rauskommt. Man braucht nur auf die ständigen Erwähnungen der alten Frau zu achten, die die Vorgänge bei der sogenannten "Verhaftung" K.'s (bei der er gar nicht verhaftet wird) so unglaublich neugierig beobachtet (zuerst allein, später in Gesellschaft).

Und dann diese schrägen Frauengeschichten von K.! Sogar so kleine Nebenhandlungen wie die mit den Mädchen, denen K. bei seinem ersten Besuch beim Maler Titorelli begegnet - immer ein Schuss verworfene Erotik dabei.

Gerade als K. ein wenig stehen blieb, liefen paar kleine Mädchen aus einer Wohnung heraus und eilten lachend die Treppe weiter hinauf. K. folgte ihnen langsam, holte eines der Mädchen ein, das gestolpert und hinter den andern zurückgeblieben war, und fragte es, während sie nebeneinander weiterstiegen: "Wohnt hier ein Maler Titorelli?" Das Mädchen, ein kaum dreizehnjähriges etwas buckliges Mädchen, stieß ihn darauf mit dem Elbogen an und sah von der Seite zu ihm auf. Weder ihre Jugend noch ihr Körperfehler hatte verhindern können, daß sie schon ganz verdorben war. Sie lächelte nicht einmal sondern sah K. ernst mit scharfem aufforderndem Blicke an. K. tat als hätte er ihr Benehmen nicht bemerkt und fragte: "Kennst Du den Maler Titorelli?" Sie nickte und fragte ihrerseits: "Was wollen Sie von ihm?" K. schien es vorteilhaft sich noch schnell ein wenig über Titorelli zu unterrichten: "Ich will mich von ihm malen lassen", sagte er. "Malen lassen?" fragte sie, öffnete übermäßig den Mund, schlug leicht mit der Hand gegen K., als hätte er etwas außerordentlich überraschendes oder ungeschicktes gesagt, hob mit beiden Händen ihr ohnedies sehr kurzes Röckchen und lief so schnell sie konnte hinter den andern Mädchen, deren Geschrei schon undeutlich in der Höhe sich verlor. Bei der nächsten Wendung der Treppe aber traf K. schon wieder alle Mädchen. Sie waren offenbar von der Buckligen von K.'s Absicht verständigt worden und erwarteten ihn. Sie standen zu beiden Seiten der Treppe, drückten sich an die Mauer, damit K. bequem zwischen ihnen durchkomme und glätteten mit der Hand ihre Schürzen. Alle Gesichter wie auch diese Spalierbildung stellten eine Mischung von Kindlichkeit und Verworfenheit dar. Oben an der Spitze der Mädchen, die sich jetzt hinter K. lachend zusammenschlossen, war die Bucklige, welche die Führung übernahm.

Hartmut Binder - Kommentare zu Kafka

(27.11.2002) Hartmut Binders Einführung zum Process und seine Stellenkommentare im schon früher erwähnten "Kafka Kommentar zu den Romanen, Rezensionen, Aphorismen und zum Brief an den Vater" gelesen. Weniger ergiebig als erhofft: Texte von Kafka leben vom eigenen Lesen, von der vermittelten Stimmung, vom Sprachstil - nicht von irgendwelchen (Stellen-)Kommentaren - das wurde wieder ganz deutlich.

Libuše Moníková - "Prager Fenster"

(04.12.2002) Zur Zeit lese ich den Essayband "Prager Fenster" von Libuše Moníková (Edition Akzente, Hanser Verlag). Obwohl ich ein großer Verehrer ihrer Romane bin: die bisher gelesenen Essays haben mich etwas kalt gelassen, weil sie etwas zu nationalistisch daherkommen. Moníková läßt nichts auf Böhmen kommen, obwohl sie die gesellschaftliche Stellung der Frau dort als katastrophal bezeichnet und dies als Grund für ihr Weggehen angibt. Es ist eine seltsame Sache mit dem Nationalismus, aber man muß ihn ja nicht verstehen. Am schönsten war bisher ein Fremdzitat (ohne Quellenangabe, aber das braucht es auch nicht):

Nur wenig frommts - daß ich, ein müß'ger Fürst,
am stillen Heerd hier, an dem kargen Strand,
bejahrtem Weib gesellt -
dem rohen Pack ein viel zu gutes Recht mit Würde sprech.
Das scharrt & schläft & frißt -
und kennt mich nicht!

Den Schlußsatz habe ich beim Fahrradfahren häufig mit Schmierenkomödiantenton vor mich hingesagt - das kommt wirklich gut.

Arno Schmidt - "Brüssel. Die Feuerstellung"

(11.12.2002) Lange lange überlegt, dann doch für 50 Euro bestellt: Arno Schmidt "Brüssel. Die Feuerstellung". Zwei Fragmente, Faksimile der Handschriften mit Transkription (Suhrkamp Verlag). Ein Liebhaberpreis, sicher, dennoch ist der Preis für das Gebotene absolut angemessen: es ist schlicht ein wunderschönes Buch. Alles stimmt zusammen: Texte, Papier, Typographie, Einband, die Faksimiles.

Zumindest in der Transkription ist der erste Text ("Brüssel") schnell gelesen und zeigt den "echten Schmidt": hochmütig, besserwisserisch, einer, der alles weiß und unter den Mitgefangenen im britischen Lager deutlich herausragt.

In der zweiten Erzählung ("Feuerstellung") begibt sich Schmidt aber mit seiner geliebten Superman-Pose auf glattes Eis. Die Geschichte spielt nicht nach dem Krieg, wo sich Täter und Nichttäter plötzlich alle in der selben Lage wiederfinden und unter den Haftbedingungen ächzen - also fast zum Bemitleiden sind: Nein, die zweite Geschichte spielt im Krieg (im dritten Weltkrieg, aber das ist unwesentlich). Und nun ist der Tausendsassa eindeutig ein Soldat, der dank seiner Fähigkeiten einen guten Job als Soldat macht, mit Befehlsgewalt. Kein widerwilliger Mitläufer oder bummelstreikender Einfachstsoldat! Schmidt versteht "Wissen" jeglicher Art durchaus als Machtmittel: sogar mit Numismatik kann man Wirtschaftsbosse in die Knie zwingen, wie im "Steinernen Herzen" nachzulesen ist. Verständlich, dass er bei diesem Text die Notbremse zog: Mit dem Anspruch, seiner Umwelt geistig haushoch überlegen zu sein, hätte er sich bei der Anlage der Geschichte in einen Super-Krieger verwandeln müssen.

Rührend diese winzige Bleistiftschrift auf Billigstpapier. Wie kostbar sind Papier und ein Bleistiftstummel einmal gewesen! Und Schmidt schreibt sogar nach dem Zweiten Weltkrieg noch die Deutsche Kurrentschrift, die Kafka in seinen Manuskripten schon vor dem Ersten Weltkrieg nicht mehr verwendete.

Libuše Moníková - "Prager Fenster"

(12.12.2002) Den Essayband "Prager Fenster" von Libuše Moníková fertiggelesen. Nun, eigentlich war ja klar, dass bei einem Titel wie "Prager Fenster" sich bei Libuše Moníková alles um Prag, Böhmen, die Tschechen und die Deutschen drehen würde. Den Tschechen wurde im zwanzigsten Jahrhundert übel mitgespielt (von den Deutschen, von den Russen, usw), kein Wunder, dass sich alles etwas traurig liest. Lange zum Nachdenken gebracht hat mich der Satz:

Der Sekt, der Champagner, mit dem wir anstoßen, wird immer erlesener, die Gläser immer kostbarer, und die Jahre immer trostloser, auf die wir trinken (aus: "Kabbala der Welt. Blick in das Jahr 1991", S.97).

Man sollte versuchen, den Satz aus verschiedenen Richtungen zu deuten und durchaus auch gegen den Strich zu bürsten.

Zu Moníkovás großen Vorbildern gehört Franz Kafka, und so ist es nur folgerichtig, dass sich ein Essay (bestehend aus zwei zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Beiträgen) mit Milena Jesenská befaßt ("Zu Milena Jesenská", S. 45-55). Im ersten stellt sie die Reportagen von Jesenská vor, von denen schon Kafka nicht genug lesen konnte, im zweiten Beitrag schildert sie die leidensvolle Biographie von Milena Jesenská und ihr Ende im Konzentrationslager Ravensbrück.

Bedrückend der Aufsatz über "Die lebenden Fackeln" vom Januar 1994, 25 Jahre nach Jan Pallachs Selbstverbrennung. Das Thema durchzieht Moníkovás gesamtes Werk, hier im Aufsatz sagt sie explizit, wie tief sie diese Ereignisse erschüttert und für das Leben geprägt haben:

"Fünfundzwanzig Jahre. Ich habe ihm mein erstes Buch gewidmet, namentlich; mein zweites, mein drittes... Ein Vierteljahrhundert. Ich sehe alles vor mir: den nassen Schnee an dem Tag, die Uhr, die dem Angestellten der Verkehrsbetriebe verliehen wurde, der über ihn den Mantel warf, mit dem eingravierten Datum 16.1.1969." (S.113)

Eine mir unvorstellbare Tat, sich für sein Land selber zu verbrennen.

Franz Kafka - "Reisetagebücher"

(24.12.2002) Kafkas und Brods "Reisetagebücher" (vgl. 23.08.2002) zum zweiten mal fertiggelesen. Max Brod ist mir immer interessanter geworden, deswegen über die ZVAB seine Autobiographie "Streitbares Leben" bestellt. Eine Internet-Recherche, ob sein Nachlaß herausgegeben wird oder nicht, brachte keinen Erfolg - seltsam. Seine Tagebücher wären sicherlich sehr interessant.

Marbach - Ausstellung "Kafkas Fabriken"

(28.12.2002) Nach Marbach in die Ausstellung "Kafkas Fabriken". Die zwei Stunden, die ich als Besuchszeit plante, waren zu kurz bemessen, und ich mußte mich regelrecht losreißen, um meinen Zug zur Rückfahrt zu bekommen. Die Ausstellung ist unbedingt einen Besuch wert. Leider etwas dunkel alles, so war es nur schwer möglich, Fotos zu machen (Fotografieren ist an sich nicht gestattet, aber bei solchen Gelegenheiten mache ich meist doch Aufnahmen mit meiner kleinen Minox und hochempfindlichem Film). Die Wahl am Bücherstand fiel schwer, und ich beschied mich mit einem Exemplar des Marbacher Magazins 100/2002 zur Ausstellung und einem Exemplar 52/1990 zu Franz Kafkas "Prozeß". Beides schöne gut gestaltete Bücher. So eine Ausstellung kann schon Zeit kosten: zwei Stunden hin, zwanzig Minuten im Regen durch den Ort zum Schiller-Nationalmuseum hinauf, etwas über zwei Stunden Ausstellung, wieder zum Bahnhof und nochmal zwei Stunden Rückfahrt - fast ein ganzer Tag also... Hier einige Fotos der Ausstellung.

Marbach, Ausstellung, Kafka, Fabriken
Kafkas "Fabriken", Blick in die Ausstellung.

Kafka-Tagebücher (III) 1914-1923

(31.12.2002) Bis Ende des Jahres an der dritten Lektüre von Kafkas Tagebüchern "1914-1923".


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