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Journal 2018

Neues Ölbild fertig: "Lebbe nix Ponyhof"

(10.07.2018) So werde ich das neue Ölbild wohl lassen, werde allerdings nach zwei Wochen prüfen, ob noch etwas zu korrigieren ist.

Lebbe nix Ponyhof
"Lebbe nix Ponyhof", Öl auf Hartfaser, 60 cm x 80 cm

Seth Stephens-Davidowitz - Sozialpsychologie und Pornoforschung mit Big Data

(02.01.2018 und 29.06.2018) Was kann man mit der Auswertung von Google-Suchen über die Befindlichkeit eines Landes und seiner Menschen herausfinden? Seth Stephens-Davidowitz hat versucht, das in fünfjähriger Arbeit mit Google-Trends (ergänzt um Google Adwords und die anonymisierte Datenbasis von PornHub) herauszufinden. Google-Trends ist ein Tool, mit welchem die Anzahl von Suchanfragen zu einem Thema in einer gegebenen Region zu einer gegebenen Zeit abgefragt werden kann. Seine Ergebnisse hat er in seinem Buch "Everybody Lies" veröffentlicht. Ich habe mehrere Interviews und mehrere Buchbesprechungen gelesen und fand manche Erkenntnis nicht uninteressant. Etwas lästig ist der marktschreierische und in den Superlativ verliebte Stil - da muss man bei der Lektüre einfach durch. Ein Beispiel für diesen Stil: Seiner Meinung nach ist Google Trends "the most important data set ever collected on the human psyche." Das ist nicht gekleckert, das ist geklotzt.

Er begründet seine Wertschätzung des Google-Materials damit, dass "die Leute" Google Dinge sagen, die sie sonst niemanden sagen, und bei Google nach Antworten auf Fragen suchen, die sie niemanden sonst stellen. Allerdings: Wenn besorgte Eltern nach dem Thema "Kindesmisshandlung" recherchieren, machen sie das aus anderen Gründen als ein sadistischer Pädophiler. Man kann aus unterschiedlichsten Motiven etwas in Google recherchieren. Aber ich unterstelle mal, dass Stephens-Davidowitz solche Kritikmöglichkeiten in seinem Buch antizipiert und schon beantwortet hat, also etwas Methodendiskussion betrieben hat - wie man aus Andeutungen erkennt.

eros, sex
Béla Hassforther - Eros, Komposition (27.11.2016)

Was sind nun beispielhaft interessante Ergebnisse?

Ein großer Teil von Stephens-Davidowitzens Funden betrifft Pornographie, denn wer sich mit der menschlichen Natur beschäftigt, muss sich mit Sex beschäftigen. Und überhaupt: "Everybody is obsessed with sex. If they say they're not, they're lying." Wieder einige Funde:

Für Stephens-Davidowitz haben seine Erkenntnisse auch etwas beruhigendes: Man fühlt sich nicht mehr so allein mit seinen Süchten und Unsicherheiten und Ängsten, man sieht nämlich, dass viele andere die gleichen Interessen und Sorgen haben, dass es vielen anderen auch so geht. Gerade auch beim Thema Pornographie: "The data from porn tells us that everybody is weird. Thus, nobody is weird. And yet we all feel weird because we assume (wrongly) that no one else is as weird as we are."

Klingt schon interessant, das Buch, aber man kann nicht alles kaufen und lesen. Mir reichen diese Schnipsel.

Meine vier Hauptquellen: 1, 2, 3, 4

Theater und Orchester Heidelberg: "Shakespeare in Music"

(18.06.2018) Wenn man eine Vorstellung bei den Heidelberger Schlossfestspielen besucht, schaut man unwillkürlich immer zu den Wolken hoch, zum Himmel - denn regnen darf es nicht. Wir haben Glück gehabt und ideale Bedingungen gehabt: Schönes Wetter mit guter Fernsicht, nicht zu heiß.

Die angenehm kurze Vorstellung (ohne Pause) zum Thema Shakespeare und Musik war schön, der "szenisch-musikalische Sommernachtsabend", wie die Veranstaltung beworben wird, hat uns gefallen.

Günter Lehr (musikalische Leitung und Komposition) und Henning Bock (Regie und Bühne) haben einen interessanten Mix von Liedern, Sonetten und Szenen zusammengestellt, der musikalisch von Renaissance-Musik bis zu Heavy Metall reichte. Beeindruckend, wie toll die auf dem Keyboard gespielte Laute klang. Die drei Begleitmusiker Günther Lehr (Klavier und Keyboard), Nina Hacker (Kontrabass und E-Bass) und Günter Bozem (Schlagzeug und Percussion) haben mir überhaupt gut gefallen. Und natürlich der Countertenor Gert Hohmann, über dessen Mienenspiel ich öfters hätte laut lachen können.

Heinrich Thommen - "Im Schatten des Freundes"

(17.06.2018) Vollständiger Titel: Heinrich Thommen, "Im Schatten des Freundes. Arbeitsmaterialien von Franz Pforr im Nachlass Ludwig Vogels", Schwabe Verlag, Basel, 2010, 510 Seiten, 131 Abbildungen.

Das umfangreiche Buch hat mir in der Woche, die ich dafür gebraucht habe, einiges an Konzentration abgefordert, aber da ich Anfang der achtziger Jahre meine Magisterarbeit über Franz Pforr geschrieben habe, fühle ich mich zur Kenntnisnahme neuerer Literatur über Franz Pforr und den "Lukasbund" schon irgendwie verpflichtet. Gekauft habe ich den nicht ganz billigen Band (78 Euro) schon bald nach Erscheinen, also wohl 2011, aber erst jetzt mich zur Lektüre entschlossen, weil Thommen einen weiteren Band über Pforr herausgebracht hat, der aktuell (Mitte Juni 2018) noch nicht erschienen ist, den ich aber bereits bestellt habe.

Heinrich Thommen, Im Schatten des Freundes

Heinrich Thommen beschäftigt sich seit den siebziger Jahren mit dem Werk von Ludwig Vogel, einem Mit-Gründungsmitglied des Lukasbundes. Das Ergebnis dieser und der Studien aus den achtziger Jahren wurde veröffentlicht in Heinrich Thommen, "Ludwig Vogel im Kreise seiner Malerfreunde in Wien und Rom 1808–1813", Lizentiatsarbeit mit Werkkatalog, Basel, 1988.

Bei diesen und anschließenden Studien ist Thommen immer wieder auf Material gestoßen, welches er Franz Pforr zuschreiben konnte.

In der vorliegenden umfangreichen Veröffentlichung geht Thommen nun gezielt der Frage nach, was sich im umfangreichen Nachlaß Ludwig Vogels anderen Künstlern, insbesondere Franz Pforr, zuschreiben lässt, wie es dazu kam, dass Pforrs Material im Nachlaß von Ludwig Vogel aufging, und wieso in Vergessenheit geriet, dass sich umfangreiches Material Pforrs überhaupt im Nachlaß Vogels finden lässt.

Knapp zusammengefasst lief es so:

Als Pforr 1812 starb, hinterließ er ein Testament, hatte aber auch schon bei der Weihnachtsfeier 1811 im Wissen um seinen baldigen Tod manches aus seinem Besitz verteilt.

In seinem Testament bestimmte Pforr, welche seiner Werke (und des Erbes seines Vaters) nach Frankfurt zu seinen Wohltätern kommen sollten, welche für die Unterstützung seiner Malerfreunde versteigert, und welche an Overbeck oder andere gehen sollten.

Vogel bekam als Geschenk zu Weihnachten 1811 von Pforr die sogenannte "Costümsammlung", keine Sammlung von Kleidungsstücken, sondern Kopien nach alten Vorlagen, in der Mehrzahl von Pforr angefertigt, aber auch von verschiedenen anderen Kunstschülern aus Pforrs Bekanntenkreis, die Pforr sammelte. Diese Sammlung galt nicht als Sammlung von Kunstwerken, sondern als Arbeitsmaterial (weswegen Thommen im Untertitel des Buches auch nur von "Arbeitsmaterialien" spricht, nicht von "Werken").

Auch Vogel und andere "Lukasbrüder" kopierten während der Zeit auf der Wiener Akademie aus diesen Vorlagen, was die Zuschreibung an einzelne Kunstschüler nicht leichter macht.

Vogel klebte nach seiner Rückkehr in die Schweiz bei der Bearbeitung seines rasch anwachsenden Zeichnungsmaterials auch die besseren Exemplare aus dieser "Costümsammlung" auf blaue Bögen, damit also seine Zeichnungen mit denen anderer vermischend.

Wohl schon in Vorbereitung einer irgendwann anstehenden Nachlassteilung und von Verkäufen aus dem Nachlass ordnete Ludwig Vogels Sohn Arnold Vogel-Hotz nach 1861 die Mappen und die Ablage seines inzwischen über 70 jährigen Vaters. Auch er konnte erkennen, dass Zeichnungen in einem anderen Stil dabei waren, die er dann als "anonym" bezeichnete.

Nach Vogels Tod wurde sein Nachlaß auf seine drei Kinder verteilt, alles wurde korrekt als "Vogels Nachlaß" bezeichnet.

Die Erben ließen große Teile des Nachlasses dem Landesmuseum zukommen, wo die Teile bezeichnet wurden als "Aus dem Nachlass Ludwig Vogels". Auch die in den Handel gekommenen Zeichnungen führten als Provenienz die Bezeichnung "Aus dem Nachlass Ludwig Vogels".

Und so trat das Material Pforrs immer mehr in den Schatten von Vogels Werk.

Thommen hat in mühevoller Arbeit versucht, mit unterschiedlichen Methoden die verschiedenen Stile zu unterscheiden, immer beachtend, dass neue Funde auch das in Frage stellen, was man aus dem Bekannten als Stilkriterien ermittelt hat - die Maßstäbe ändern sich mit jedem neuen Fund. Anhand der Abbildungen, die zwar klein, aber in sehr guter Qualität vorliegen, kann man versuchen, die Schlüsse Thommens nachzuvollziehen, und ich muss sagen, dass sie mich überzeugt haben. Thommen ist es durch seine Beharrlichkeit gelungen, Pforrs bekanntes Oeuvre durch die Zuschreibung von rund 150 Funden glatt zu verdoppeln.

Es liest sich spannend und hat schon etwas von einer kriminalistischen Fährtensuche, wie Thommen seine Methoden, deren Stärken und Schwächen und ihre Anwendung beschreibt. Und besonders hier ist das Buch auch jenseits des eng gesteckten Untersuchungsthemas von allgemeineren Interesse.

Interessant und wohl auch ein Hinweis auf das bald erscheinende neue Buch Thommens sind manche Klärungen zur Biographie Pforrs, die geradezu verlangen, in einer eigenen Veröffentlichung zusammengestellt zu werden. Ich bin also auf das neue Buch gespannt.

Zwischenstand neues Ölbild: "Lebbe nix Ponyhof"

(12.06.2018) Nach einigen Monaten mal wieder ein Zwischenstand von meinem neuen Ölbild mit dem Arbeitstitel "Lebbe nix Ponyhof" (alternativ: "Lebe is nix Rosegadde"). Immer noch viel zu tun...

Lebbe nix Ponyhof
"Lebbe nix Ponyhof", Öl auf Hartfaser, 60 cm x 80 cm

Lupano / Cauuet: "Die alten Knacker", Bd.1 und Bd.2

(02.06.2018) Diese inzwischen vier Bände umfassende Serie hat so viele Preise gewonnen und so viel Lob erfahren, dass ich aus Neugier die ersten beiden Bände bestellt habe. Und ich muss zugeben: Wilfried Lupano (Autor) und Paul Cauuet (Zeichner) haben eine beeindruckende Comicserie geschaffen. Dreimal habe ich die beiden Bände bisher gelesen - und habe sie noch nicht satt.

Alte Knacker, Band 1, Band 2

Band 1 ("Die übrig bleiben") stellt die drei seit ihrer Kindheit befreundeten Ü70-Franzosen Pierrot, Mimile und Antoine vor. Alle haben sich eine obrigkeitsfeindliche Einstellung aus der Jugend bewahrt, von noch offensiv bis eher sediert. Als der 200%ige Gewerkschafter Antoine erfährt, dass seine verstorbene Frau ihn mit dem verhassten Boss seiner Firma betrogen hat, schnappt er sich sein Gewehr und macht sich auf in die Toskana, wo der ehemalige Firmenboss nun lebt. Seine beiden Freunde und seine Enkelin Sophie fahren hinterher, um ihn vom Mord abzuhalten. Der ehemalige Boss ist nun aber ein an Alzheimer erkrankter Tattergreis, weswegen ihm Antoine nichts anhaben kann. Der demente Alte verwechselt die Enkelin Sophie mit ihrer Oma (Sophie soll ihrer Oma total aus dem Gesicht geschnitten sein), und gibt der vermeintlichen Geliebten die Daten für ein geheimes Konto mit 97 Millionen Euro.

Band 2 ("Bonny und Pierrot")

Band 2 spielt knapp ein Jahr später, die schwangere Sophie ist inzwischen Mutter eines Babys. Um es Pierrot zu ermöglichen, seine subversiven Aktionen weiter durchzuziehen, schickt ihm Sophie einen Koffer mit Geld (vom geheimen Konto des ehemaligen Firmenchefs). Aus purem Zufall unterschreibt sie mit dem Namen einer ehemaligen algerischen Mitkämpferin und Geliebten von Pierrot, was diesem ganz verrückt macht, weil er unbedingt wissen will, was aus seiner Freundin geworden ist. Viele Rückblenden in die Vergangenheit gibt es, z.B. die Proteste gegen den Algerienkrieg. Pierrot gesteht, dass er - überredet von seiner algerischen Geliebten - mit ihr sogar einen Banküberfall durchgeführt hatte. Sophie macht eine eigene Aktion unter dem Namen dieser Geliebten, um Pierrot aus seiner Vergangenheitschose zu befreien (sprengt mit einer "Mehlbombe" eine Aktionärsveranstaltung). Letztlich stellt sich heraus, dass Pierrots ehemalige Geliebte die Frau eines biederen Bekannten von Pierrot geworden ist und ein biederes Leben in einem biederen Vorort von Paris fristete, und natürlich nun alt und klapprig und verwirrt geworden ist. Der Titel dieses zweiten Bandes ("Bonnie und Pierrot") ist eine Anspielung auf das Räuberduo "Bonnie und Clyde" und spielt auf den Banküberfall von Pierrot mit seiner damaligen Freundin an. Interessant aber nicht ungewöhnlich, mit über 70 wissen zu wollen, was aus einer Jugendliebe geworden ist.

In beiden Bänden werden die drei Alten trotz ihrer innerlichen und äußerlichen Macken meist(!) sympathisch charakterisiert, sie haben ihr Leben gehabt oder sind noch voll aktiv, und Spuren davon machen Sophie (als sie vom Vorleben von Mimile erfährt, Bd. 1) oder den coolen Hacker (als er von Pierrots Banküberfall erfährt, Bd. 2) meist sprachlos.

Es werden solche Details sein, die Lupano in einem Interview über die Ursachen ihres Erfolges anspricht: Die drei alten Männer geben den Lesern das Gefühl, "dass man keine Angst vor dem Älterwerden haben muss." Sie nehmen noch am Leben teil, sind keine Bürde für die Gesellschaft. Oder auch folgende Aussage von Lupano: In fiktionalen Stoffen sind Alte "...meist auf ihr Alter reduziert und die jungen Frauen oder Männer werden viel komplexer dargestellt - das ist verrückt, weil wenn du jung bist, weißt Du gar nichts über das Leben. Und genau das will ich in den 'alten Knackern' erzählen: Altern heißt nicht Reduktion, sondern die Verfeinerung der Persönlichkeit."

Im ersten Band wurde die Vergangenheit von Antoine durchleuchtet, im zweiten Band die von Pierre, im dritten Band wird es die von Mimile sein. Ohne es zu wissen würde ich vermuten, dass auch Sophie ein Band gewidmet sein wird, denn man weiß von der Enkelin von Antoine bisher nur, dass sie in Paris war und schwanger zurück aufs Land ging. Und Naomi Kleins kapitalismuskritische "Schock-Strategie" liest und in der Lage ist, eine Philippika gegen Rentner oder andere loszulassem.

Antoine, der in seinem Arbeitsleben ein kämpferischer Gewerkschafter war, der gegen Massenentlassungen und Lohndumping gekämpft hat, lebt im Alter in einem ansehnlichen großen Haus (fast einer Villa). Nach der Lektüre der ersten beiden Bände weiß ich noch nicht, ob das etwas zu bedeuten haben könnte... Pierre, der Anarchist in dem Kleeblatt, lebt dagegen in einer zugemüllten Dachgeschosswohnung. Wie man im 2. Band erfährt, ist er auch aktuell noch sehr aktiv politisch tätig. Hat also Antoine irgendwann seinen Frieden mit den Verhältnissen gemacht, um materiell so gut dazustehen? Die Vergangenheit von Mimile ist noch ganz dunkel, er ist auch der einzige, der schon in einem Altersheim lebt.

Der Zeichenstil von Cauuet ist weder verniedlichend noch glatt-realistisch, sondern karikierend und scharf. Man meint, dass das bei dem Thema und den Geschichten gar nicht anders sein könnte.

Die beiden Bände haben mir so gut gefallen, dass ich mir auch die nächsten zwei Bände bestellen werde.

Auftritt mit den Lightnings im Ascot (Wiesloch)

(26.05.2018) Das Ascot in Wiesloch hat den Besitzer gewechselt. Schön, dass auch unter den neuen Betreibern Auftritte möglich sind. Die Bühne ist an einer anderen Stelle im Raum, nicht so gut wie vorher - aber na ja. Vier Stunden haben wir gespielt, war wieder schön.

Spektrum Spezial: "1200 v.Chr. Das dramatische Ende der Bronzezeit"

(15.05.2018) Es ist immer wieder überraschend, wie einem frühe Lektüre für ein ganzes Leben prägen kann: Ende der sechziger Jahre (wohl 1968) habe ich mit Begeisterung das Buch "Das enträtselte Atlantis" von Jürgen Spanuth gelesen. Mit 14 oder 15 Jahren bei den damaligen Recherchemöglichkeiten war es zum einen fernliegend, zum anderen nahezu unmöglich, sich über den weltanschaulichen Hintergrund von Autoren zu informieren; sowieso trat man Büchern noch mit gläubigen Interesse gegenüber. Von daher war es für mich damals ausgemacht, dass Helgoland ein Rest des versunkenen Atlantis ist und die "Seevölker" durch die Naturkatastrophe vertriebene "Atlanter" sind. Und alles geschah um 1200 v.Chr. Klar sehe ich das heute anders, weil ich mich schon bald nach Beginn des Internetzeitalters und der ersten Suchmaschinen über Jürgen Spanuth und seine Anhänger kundig gemacht habe.

spektrum spezial 1200 v. Chr.

Aber wie ein dankbares Versuchstier für den Pawlow-Reflex läuteten bei mir sofort alle Glocken, als ich vor einigen Monaten in unserer Bahnhofsbuchhandlung das Spektrum-Sonderheft "1200 v. Chr." sah. Ich konnte einige Wochen widerstehen, bekam es aber aufgrund der frühen Prägung nicht aus dem Kopf und habe es schlußendlich gekauft und von vorne bis hinten gelesen.

Spanuth ist natürlich heute kein Thema mehr, eher hackt man an Eberhard Zangger und seinen Luwiern herum (was tatsächlich auch in einem eher schwachen weil übertrieben polemischen Beitrag geschieht). Und natürlich sind ganz andere Themen inzwischen wichtig bzw Gegenstand der Forschung (wobei sich "wichtig" und "Gegenstand der Forschung" nicht immer deckt).

Interessant fand ich folgende Beiträge:

Kulturkollaps. Ende mit Schrecken, S.6-13: Um 1200 v.Chr. wurden die mykenischen Paläste zerstört und das hethitische Großreich nebst diverser Kleinstaaten in Kleinasien zerbrach. Kriegerische Seevölker wurden dafür verantwortlich gemacht, konnten aber bisher nicht identifiziert werden. Weitere (oder andere) Ursachen des Kollapses könnten Erdbeben und eine Dürreperiode gewesen sein. Vermutlich gabe es wohl nicht nur eine Ursache.

Königtum. Wer sass einst auf Mykenes Thron? S.14-19: Die Regierungsform der frühgriechischen (mykenischen) Reiche (1450-1200 v. Chr.) ist immer noch unklar: Gab es einen Großkönig? Oder mehrere Könige? Ist mir eigentlich egal, war aber trotzdem einer der interessanteren Aufsätze des Heftes.

Troja. Die Erforschung eines Mythos, S.20-29: Troja darf in einer Aufsatzsammlung über diese Zeit nicht fehlen, ist immer interessant. In der Bronzezeit gab es hier ein bedeutendes politisches und wirtschaftliches Zentrum. Kandidaten für ein durch einen Krieg zerstörtes Troja sind Troja VI (um 1300 v. Chr.) und Troja VIIa (um 1200 v. Chr.). Trotz der Zerstörungen blieb der Ort aber weiterhin besiedelt, "Lebbe geht weider", wie es so schön heißt (Dragoslav Stepanovic). Der Aufsatz ist allerdings nur grenzwertig interessant.

Seevölker. Sturm im Wasserglas, S.44-47: Pharao Ramses III rühmte sich als Sieger über die Seevölker. Der Wahrheitsgehalt des Berichts wird aber inzwischen bezweifelt. Auch die im Bericht erwähnten Philister sind wohl eher friedlich eingewandert.

Ägypten. Über wen herrscht Pharao denn noch? S.64-69: Dieser Aufsatz liefert quasi die Antwort auf die Frage, warum Ramses III. offenbar bei den Berichten über kriegerische Aktionen massiv aufgeschnitten hat: Er rühmte sich zwar, ein erfolgreicher Feldherr zu sein, konnte aber den Verfall des Reiches nicht aufhalten und wurde letztlich bei einem Putsch ermordet. Auch seine Nachfolger waren reichlich erfolglose Politiker.

Griechenland. Die dunklen Jahrhunderte. S.70-75: Nach der Zerstörung der mykenischen Paläste und dem Ende des Herrschaftssystems reduzierte sich das Leben in Griechenland auf kleine Gemeinschaften. Aber immerhin: Eisen löste die Bronze ab, und an der kleinasiatischen Küste wurden erste Siedlungen gegründet. Im 8.Jh. v. Chr kam dann die Alphabetschrift auf, und der Bürgerstaat "Polis" wurde als Organisationsform populär. So dunkel waren diese Jahrhunderte also doch nicht (abgesehen davon, dass eine ausbeuterische und tyrannische Kultur typischerweise auffallendere architektonische Hinterlassenschaften hat als eine eher demokratische und friedliche Kultur, die kulturell deutlich höher stehen kann).

Régis Loisel: "Micky Maus - Café Zombo"

(05.05.2018) Mit 29 Euro für 76 Seiten scheint dieser Comic aus der Egmont Comic Collection auf den ersten Blick vielleicht etwas teuer, aber schon nach der ersten Lektüre (der bei mir in den nächsten Wochen schnell hintereinander weitere Lektüren folgten) weiß man, dass der Band jeden Cent wert ist. Gekauft habe ich ihn im Laden des Erika-Fuchs-Hauses in Schwarzenbach a.d. Saale, welches wir am 04.05.2018 besuchten.

Loisel, Cafe Zombo

Die Handlung spielt zur Zeit der großen Depression in Amerika, in einem ärmlichen, ländlichen Milieu. Die männliche Bevölkerung ist entwürdigt zu Tagelöhnern. In ihrer Körperhaltung, Körpersprache und Mimik beim Stehen in der Warteschlange wird der Grad der Entwürdigung deutlich.

Die wirtschafliche Depression führt auch zu persönlicher Depression und zu Nachlässigkeiten. Überall liegt Abfall herum, auf der Strasse, in den Gärten, in den Wohnungen. Leere Konservendosen und Sardinenbüchsen, alte Reifen, kaputte Fässer - Müll und Verfall allerorten. Die einfachen Holzhäuser sind oft nur notdürftig repariert, die Kleidung der Männer geflickt und schäbig. Alles wirkt etwas trostlos.

Loisel, Cafe Zombo
Goofy in seiner Küche: Geflickte Kleidung, Müll auf dem Boden, hängende Schranktür,
Eimer unter der tropfenden Spüle, Stapel von schmutzigem Geschirr im Ein-Personen-Haushalt.

Micky und Rudi werden bei der Arbeitssuche immer wieder abgewiesen, was in ihrem Fall - wie man später sehen wird - einem Kalkül entspricht: Micky ist als pfiffiger Kerl bekannt. Sie entschliessen sich, erstmal Urlaub mit ihren Frauen zu machen, und besuchen Donald, der an einem See lebt und ein Boot hat. Zu fünft geniessen sie einen Urlaub in ausgelassener Stimmung. Wieder zurückgekehrt finden sie ihr Viertel verändert wieder: Die Frauen und Kinder sind in ein Ferienlager gelockt, die Männer mit einem präparierten Kaffee zu zombieartigen Arbeitssklaven gemacht worden (daher Café Zombo). Der Banker Rock Fuller will sie überreden, als Vorarbeiter den Abbruch des Viertels zu betreuen, es soll ein Golfplatz für die Reichen angelegt werden. Da Micky und Rudi das ablehnen kommt es zum Kampf, der mit immer größerer Entschlossenheit und Bitterkeit und teils sehr brutal bis zum Sieg der Armen durchgefochten wird.

Micky ist anders charakterisiert als in den Micky-Maus-Heften, die ich in den sechziger Jahren gelesen habe, nicht so bieder und streberhaft, sondern lebendiger, kampflustig, auch brutal (sogar Goofy wird "sorgfältig bewusstlos geschlagen", wobei Mickys Baseballschläger zersplittert). Den Kampf mit Kater Karlo, der mit harten Bandagen geführt wird, scheint Micky zu genießen. Überhaupt Kater Karlo: Ein Bösewicht wie er im Buch steht. Ein herrlich gezeichnetes Riesenmaul mit gerade mal noch einer Handvoll von Zähnen.

Ein etwas schräges Licht fällt auf die Gattinen der beiden Helden, auf Minnie und Klarabella: Hemmungslos nutzen sie die Gutmütigkeit Goofys aus und behandeln ihn wie einen Sklaven, Dankbarkeit ist ihnen fremd. Auch sonst sind sie durchaus anspruchsvoll und gewohnt, ihren Willen zu bekommen. Ihre Männer sehen sie ungern untätig, denn "ein untätiger Mann ist ein verlorener Mann".

Rock Fuller bringt nur Gefühle gegenüber seinem Auto auf (als es demoliert wird); über die verarmten Bewohner des Viertels sagt er nur: "Nur weil sie arm sind, müssen wir doch kein Mitleid haben, nicht wahr? Haha!" Mit zwei Chemikern (also Wissenschaftlern) hat er willfährige Organe zur Durchsetzung seiner Interessen. Auch diesen beiden geht jede Empathie ab.

Was soll man zu den Bildern sagen... Meisterhaft. Spitze. Zum Heulen schön. Unbedingt anschauen!

Loisel löste bei mir - gemeinsam mit der Giuseppe-Bergmann-Serie von Milo Manara - einen richtigen Comic-Lese-Boom aus: Auf jeden Band der Serie "Die Suche nach dem Vogel der Zeit" habe ich Ende der achtziger Jahre sehnsüchtig gewartet. Auch "Peter Pan" ist ein Meisterwerk von Loisel. Leider hat sich Loisel in den letzten zehn Jahren eher als Szenarist verstanden und andere zeichnen lassen. Dass er es noch kann und wie: Das hat er in "Café Zombo" eindrucksvoll demonstriert. Die Branche weiß nun wieder, wo der Hammer hängt.

Erika-Fuchs-Haus, Schwarzenbach a. d. Saale

(04.05.2018) Seitdem ich in der Comic-Zeitschrift Alphonz 4/2014 von der bevorstehenden Eröffnung des Erika-Fuchs-Hauses in Schwarzenbach a.d. Saale gelesen habe, wollte ich es besuchen. Nun hat es geklappt.

Erika-Fuchs-Haus
Erika-Fuchs-Haus, Bahnhofstraße 12, 95126 Schwarzenbach a.d. Saale

Durch den Anspruch, ein "Museum für Comic und Sprachkunst" zu sein, darf natürlich nicht nur Erika Fuchs vorgestellt werden, der Anspruch reicht weiter. Deswegen beginnt der Rundgang auch mit einem etwa 10-minütigen Kurzfilm zur Comicgeschichte, der recht geschickt die Entwicklung der Comics und wichtige Werke vorstellt, und das alles in einer Kürze, die auch jugendliche Besucher nicht überfordert.

Nach dem Film kommt man in das "begehbare Entenhausen", wo Einblicke in die Behausungen von z.B. Donald oder Daniel Düsentrieb gegeben werden, aber auch die Hafenanlagen von Entenhausen vorgestellt werden - und man wundert sich, so gar nicht mitbekommen zu haben, dass Entenhausen geradezu eine Metropole mit Gefängnis, Münster, Theater, Hafen usw ist, kein verschlafenes Kleinstädtchen.

Erika-Fuchs-Haus
Ein kleiner Teil des begehbaren Entenhausens.

Es folgt ein Raum, der in wandgroßen biographischen Comics des Zeichners Simon Schwartz das Leben von Erika Fuchs darstellt. Es ist lobenswert, dass auch so dunkle Kapitel wie die Rolle ihres Mannes im Dritten Reich thematisiert werden, der Leiter eines Rüstungswerks neben dem Konzentrationslager Laura war, wo 2500 Zwangsarbeiter in einem unterirdischen Flüssigsauerstoffwerk eingesetzt waren. Die 1906 in Rostock geborene promovierte Kunsthistorikerin Erika Fuchs war ab 1951 drei Jahrzehnte lang für die Übersetzung der Donald-Duck-Geschichten verantwortlich.

Erika-Fuchs-Haus
Der Raum mit der Comicbiographie von Erika Fuchs (Zeichner: Simon Schwartz).

Der nächste und größte Raum mit interaktiven Stationen ist der Sprachkunst von Erika Fuchs gewidmet. Es gibt originale Objekte von ihr zu sehen sowie auf einer Reihe von Monitoren Interviewausschnitte. Mit einer Art "Glücksrad" konnte man nach dem Zufallsprinzip Substantive zusammensetzen, und wir bekamen das wirklich schöne Wort "Bürzelschmuck" vorgeschlagen.

Erika-Fuchs-Haus
Zwei der Hilfsmittel von Erika Fuchs:
Die sogenannte "Morenhovener Lupe", die sie 1994 als Kleinkunstpreis bekam.
Und "Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen" von Franz Dornseiff.

Erika Fuchs blieb nicht lange unbekannt, und dank ihrer tollen Übersetzungen war sie schnell populär und beliebt - kein Wunder, dass es jede Menge Hommagen an sie gibt (von Ulli Lust, Ralf König, Flix, Reinhard Kleist usw), die in einem eigenen Raum vorgestellt werden.

Für die anschließende Bibliothek müsste man etwas mehr Zeit mitbringen, andererseits waren wir am Museum interessiert, nicht an Büchern.

Zu guter letzt: Sowohl kurz vor Betreten des Filmvorführraumes als auch aus der Bibliothek heraus kann man die Sammlung Severin sehen: Diese Sammlung aus Donald-Duck-Figuren, Comics, sowie Severins Forschungsarbeiten zu Entenhausen sind der Grundstock des Museums.

Fazit: Ein sehenswertes kleines Museum.

Corto Maltese - Äquatoria

(26.03.2018) Den neuen Corto-Maltese-Band des spanischen Duos Juan Díaz Canales (Szenario) und Rubén Pellejero (Zeichnungen) habe ich seit Januar mehrmals gelesen. Er ist gut, aber nicht sehr gut, aber immerhin besser als der Vorgängerband - dem ersten Corto-Band dieses Autorenteams -, denn da waren sie wohl noch etwas verkrampft.

Corto Maltese, Äquatoria

Dieser zweite Band enthält schöne Bildfolgen, nette Dialoge, er spannt einen weiten Bogen - aber wirkt wie ein "Corto Maltese" aus dem Baukasten: Man nehme einen mythischen Schatz, mindestens eine schöne Frau, Kampfszenen, einen Corto auf Seiten der Guten, der aber gerne damit kokettiert, auf keiner Seite zu stehen und so weiter. Natürlich enthält ein richtiger Corto Maltese noch mehr Bausteine, aber "you got it".

Der neue Band beginnt in Venedig, wo Corto seiner steif und formell wirkenden Begleitung Aida den Grund seines Aufenthalts in Venedig erläutert: Er will den Magischen Spiegel des Johannes suchen. Aus keinem Anlaß als ihr die Geschichte zu erzählen fährt er mit ihr auf die Insel San Lazzaro degli Armeni, bewegt sich sicher wie ein Mitbewohner im Kloster und zieht in der Bibliothek eine alte Handschrift heraus, anhand derer er Aida Details der Geschichte erklären kann. Vielleicht war das 1911 - dem Jahr, in dem die Geschichte spielt - tatsächlich so einfach und selbstverständlich; als ich 1978 im Rahmen eines Seminars diese Bibliothek besuchte, war man natürlich unter ständiger Aufsicht und durfte die alten Handschriften nicht ohne Handschuhe berühren.

Corto weiß aber schon, dass die Spur weiter führt nach Malta, und so finden wir ihn zusammen mit Aida, die auf eine gute Story für den National Geographic hofft, auf einem großen Dampfschiff auf dem Weg nach Malta. Da auf Malta gerade die Cholera ausgebrochen ist, fährt das Schiff weiter nach Alexandria, was aber Corto und Aida nichts ausmacht.

Auf dem Schiff lernt Corto die Mischlingsfrau Ferida Schnitzer kennen - sehr zum Leidwesen von Aida. Die kleinen Eifersuchtsszenen sind mit rein bildnerischen Mitteln erzählt und doch ganz klar: Kein Text ist dafür nötig. Beim Auftauchen von Ferida hat Corto nur noch Augen für diese, das merkt natürlich Aida und rauscht von dannen. Das "Interesse" Aidas an Corto wird nie explizit angesprochen, es lebt von kleinen visuellen Anspielungen.

Sowohl Aida wie nun auch Ferida sind trotz der heißen Gegenden in wahre Ungetüme von Kleidung gewandet, Sonnenschirme inclusive, dazu tragen sie Wahnsinnsteile von Hüten.

In Alexandria besucht Corto einen Bekannten, den griechischen Dichter Konstantinos Kavafis - Corto ist also nicht das erste Mal hier und hat ein Faible für Gedichte - so einfach gestaltet man eine neue Facette an Corto.

Corto bei Manolis
Eine beeindruckende Komposition: Corto besucht den Sarghändler Manolis.
Das Empfangskomitee...

Kavafis verweist wegen Informationen zum Magischen Spiegel an einen griechischen Bekannten, der aber Corto abblitzen lässt, weil ein Nicht-Grieche nicht vertrauenswürdig sein kann. Kaum ist Corto auf dem Rückweg kommt er gerade recht, um Kavafis vor Attentätern zu retten. In deren Taschen findet er den Hinweis auf ein geplantes Attentat auf Winston Churchill, eilt zum geplanten Tatort und rettet Churchill im letzten Moment das Leben. Das ist in der Summe etwas viel Zufall und Heldentum auf einmal, aber OK.

Da Corto mit seinen Heldentaten die Nationalpartei gegen sich aufgebracht hat, muss er - zusammen mit Aida - Alexandria heimlich verlassen. Dabei hilft Manolis, der griechische Bekannte von Kavafis, denn nun ist Corto für ihn auf der richtigen Seite. Sie werden an Bord eines Schiffes gelotst, welches sie unter dem Kapitän Henry de Monfreid nach Sansibar bringen soll, wo Corto weitere Unterstützung für seine Suche nach dem Magischen Spiegel versprochen wird.

Corto und Aida gehen ohne Gepäck auf das kleine Schiff, Aida immer noch in wallenden Gewändern und mit Sonnenschirm (wo macht sie auf so einem reinen Männerkahn ihre großen und kleinen Geschäfte, frägt man sich unwillkürlich), Corto ohne Zigarettenvorräte (wo und wie frischt er seine Vorräte auf, um weiterhin Kette rauchen zu können, sorgt man sich unwillkürlich). Die Reise in dem kleinen Boot dürfte mehrere Wochen gedauert haben - nicht schlecht in den immer gleichen Klamotten.

Henry de Monfreid bekommt an einer Übergabeboje statt Geld eine schwarze Sklavin, fast nackt, der Corto - ganz Gentleman - seine Jacke zum Bedecken der Brüste gibt.

Da die abergläubische Besatzung die Anwesenheit von zwei Frauen als unheilbringend betrachtet, schlägt Corto vor, mit den beiden Frauen per Beiboot in das nicht mehr allzu ferne Sansibar zu rudern. Aida lehnt ab, da sie spürt, dass Corto eine gewisse Neigung zu Afra empfindet - und hat Tränen in den Augen. Sie bleibt zurück, um einen Artikel über Henry de Monfreid für den National Geographic zu schreiben. Die reale Aida hat das auch getan, allerdings 20 Jahre später: Im Comic wäre sie erst 22 Jahre alt und ist da natürlich noch keine Autorin vom National Geographic. Eine seltsame Figur: Steif, hochmütiger Blick, strenges Kostüm, immer in braun gekleidet - man kann sich nicht vorstellen, dass das eine weltbereisende Frau zu Anfang des 20. Jahrhunderts ist.

Corto geht mit Afra in Sansibar herum, unterwegs erinnert sie sich an ein Sklavenlager und besucht es, Corto schweigsam hinterher. Dabei gibt es einige eindrucksvolle zeichnerische Passagen.

Corto und die Sklavin Afra
Eine Nachtszene: Der stocksteife Corto und die verzweifelte Sklavin Afra

Danach besucht Corto alleine den ehemaligen Sklavenhändler Tippu Tip, weil der ihm bei der Suche nach dem Magischen Spiegel helfen könnte - und so ist es auch. Bei Tippu Tip, der zur Handlungszeit des Comics schon sechs Jahre tot ist, trifft Corto beim Abendessen Ferida Schnitzer wieder und es wird bestimmt, dass er sie auf der Suche nach ihrem Vater begleitet.

Und so geht es weiter. Man muss nicht alles nacherzählen. Aber es fällt auf: Der Anlass der Reise / des Abenteueres ist reichlich bemüht - aber da der Spruch "der Weg ist das Ziel" nicht immer gilt, braucht es halt etwas, um die Handlung in Gang zu bringen, denn "ohne Ziel kein Weg".

Das Personal des Comics hat keinen richtigen Sinn, das ganze wirkt oft wie ein bemühtes name-dropping, und Corto wird damit zu einem everybodys darling, der alles und jeden kennt (und en passent einem der wichtigsten Politiker des 20. Jahrhunderts das Leben rettet). Aber was hilft es der Handlung, dass die geschichtliche Gestalt Henry de Monfreid Kapitän des Schiffes ist, welches Corto nach Sansibar bringt? Ein x-beliebiger Seebär hätte es auch getan. Und wie kann der 24 jährige Schulabbrecher Corto Maltese gleichzeitig intimer Kenner apokrypher Legenden sein, gleichzeitig sich in Klosterbibliotheken auskennen, gleichzeitig Freund eines griechischen Dichters in Alexandria sein, gleichzeitig mitten in Afrika den dicken Wälzer "The Golden Bough" von J.G. Frazer lesen (und das Kunststück fertigbringen, ohne Gepäck in Sansibar anzukommen und irgendwie das Buch aufzutreiben...) und so weiter.

Es wäre nicht nötig gewesen, ein Figurenarsenal heran zu zerren, welches zeitlich nicht zusammenpasst, also entweder schon tot ist (Tippu Tip) oder seine beste Zeit erst 20 Jahre später hat (Aida). Mir wäre es lieber gewesen, das alter ego von Corto Maltese, sein "Freund" Rasputin, würde mitmischen...

Trotz aller Einwände wirkt das Buch aber doch! Man merkt halt, dass zwei Ausnahmekünstler am Werk waren.

Zwischenstand neues Ölbild: "Lebbe nix Ponyhof"

(06.03.2018) Ein erster Zwischenstand von meinem neuen Ölbild mit dem Arbeitstitel "Lebbe nix Ponyhof" (alternativ: "Lebe is nix Rosegadde"). Sehr viel ist noch zu tun...

Lebbe nix Ponyhof
"Lebbe nix Ponyhof", Öl auf Hartfaser, 60 cm x 80 cm

Auftritt mit den "Lightnings"

(12.02.2018) Toller Auftritt mit den Lightnings im harry's in Walldorf. Es war Rosenmontag, volles Haus, ein tolles Publikum in Tanzlaune - was will man mehr.

Lightnings im harrys 20180212
Von links: Klaus Petrick (dr, voc), Claus Hochgeschwender (g, voc), Waldemar Martin (kb), Béla Hassforther (b)

Tim Ferriss - "Der 4-Stunden Körper"

(11.02.2018) Tim Ferriss ist ein seltsamer Vogel. Er möchte gerne den Eindruck vermitteln, umtriebig zu sein, mir kommt er aber eher getrieben vor. Bei allen Optimierungen an Arbeitsabläufen, am eigenen Körper, an Arbeits- und Kreativtechniken, die er seit Jahren vorschlägt und temporär selber lebt, frägt man sich, für was er das alles macht. Der gute Mann ist inzwischen 40 (Jahrgang 1977), ist ein begnadeter Selbstvermarkter, kommt einem aber immer noch wie ein großer Bub vor, der leider allmählich in die Jahre kommt. Die große Aufgabe, das große Ziel im Leben, für das die ganzen Optimierungen wohl den Weg ebnen sollen, scheint ihm selber zu fehlen. Er scheint das auch selber zu merken, denn auch er ist nicht frei von Depressionen und Suizid-Gedanken. Vielleicht sollte er sich mal vier Stunden in der Woche um ein Lebensziel kümmern. Vielleicht muss man sich dann auch einmal zu etwas "committen", sich auf etwas länger einlassen, Verantwortung übernehmen...

Nun gut.

Tim Ferriss, 4-Stunden-Körper

Ich kenne seinen ersten Bestseller, die "4-Stunden Woche", in die ich immer mal wieder reinlese, aber nie ausgelesen habe. Es klingt vieles interessant, aber die Übertragbarkeit auf das eigene Leben - da gibt es Probleme. Man ist kein "digitaler Nomade"; man ist verheiratet, hat einen Beruf, hat (Selbst-)Verpflichtungen, Freundschaften, spielt in einer Band, hat Haustiere usw. Man kann nicht plötzlich zu einen thailändischen Strand aufbrechen, weil es sich dort so schön und billig lebt, denn man würde diesem thailändischen Strand so vieles zum Opfer bringen, was man hier hat und schätzt, was man stützt und von dem man gestützt wird, was man liebt und von wem man geliebt wird.

Den "4-Stunden-Körper" habe ich nur als eBook gekauft, recht günstig sogar, und war froh drum. Es handelt sich um ein seltsam zusammengestoppeltes Werk, von einem Amateur mit wissenschaftlichen Anspruch, was oft eine schräge Lektüre ist. Ferriss mag gut sein als sein eigenes Versuchskaninchen, aber sein analytischer Anspruch ist immer im Kampf mit seiner Ungeduld und seinem multitasking / multiexperimenting. Er macht Experimente mit seinem Körper und notiert alles, und in späteren Kapiteln stellt man fest, dass er zur gleichen Zeit noch andere Experimente macht und auch hier Parameter ständig ändert. Reproduzierbar und auf andere übertragbar ist das ja dann nur wenig - ganz abgesehen davon, dass er fast immer auch das einzige Versuchskaninchen ist, eine Verallgemeinerung der Ergebnisse sich also verbietet.

Dennoch: Ich bin bei der Lektüre geblieben, habe zwar einiges im Turbo-Modus gelesen (seltsame Übungsbeschreibungen, komische Rezepte, schnurrige Erlebnisse), kann aber seine Mahnung nachvollziehen, dass das kein Buch zum linearen Lesen ist, sondern zum Rauspicken und zum Nachmachen. Irgendwas werde ich mir wohl auch raussuchen und schauen, was ich für Erfahrungen mache.

Um das geht es im Buch:

Aber auch um so eminent wichtige Skills wie

Ein Gesamturteil fällt mir schwer. Seine Webseite schaue ich mir einigermaßen regelmäßig an, der Mann bringt immer mal wieder interessante Themen auf und hat dank seiner Bekanntheit keine Probleme, an interessante Gesprächspartner zu kommen. Die Lektüre lohnt sich also schon immer mal wieder - auch die vom "4-Stunden Körper".

Yuval Noah Harari - "Eine kurze Geschichte der Menschheit"

(10.02.2018) Es war in den letzten Jahren nahezu unmöglich, NICHT von diesem Buch zu erfahren, KEINE begeisterten Besprechungen zu lesen. Die wenigen kritischen Stimmen waren leicht als neidische Kollegen oder als die üblichen Korinthenkacker zu identifizieren.

Harari, Sapiens, Geschichte der Menschheit

Klar kann man immer sagen, dass auf 500 Seiten eine Geschichte der Menschheit nicht zu leisten ist. Wer das sagt, behauptet aber letztlich, dass es nicht möglich ist, einen Überblick über die Geschichte der Menschheit für ein größeres Publikum zu schreiben, und das kann ja wohl nicht wahr sein. Denn wer hätte denn Zeit und Lust, eine viertausendseitige Geschichte der Menschheit zu lesen?

Ich würde sogar behaupten, dass es auch möglich sein müsste, mit 100 Seiten auszukommen. Das ist eben wie bei japanischen Kunstwerken, bei denen ein Meister mit einem Strich mehr und besseres leistet als ein Anfänger mit hunderten von Strichen.

Ich habe das Buch in den letzten zwei Wochen mit Genuss und Gewinn gelesen und muss sagen: Die Lobeshymnen sind berechtigt! Die Themenvielfalt ist riesig, aber nie hat man das Gefühl, erschlagen zu werden. Und der über fast alles gegossene feine Humor von Harari macht das Lesevergnügen komplett. Bis hin zu so Themen wie die Bedeutung von Banken und die Notwendigkeit des Vertrauens für die Herausbildung der modernen Staaten und des Kapitalismus.

Harari räumt mit vielen Vor- oder Falschurteilen auf: Zum Beispiel führte die landwirtschaftliche Revolution zwar dazu, dass die Menschheit sesshaft wurde, aber der einzelne Mensch hatte fast nur Nachteile dadurch (tägliche harte Arbeit, viel weniger Flexibilität, einseitigere und ungesündere Kost usw).

Phantastisch die Erklärungen, wie einige hundert stinkende und abgerissene spanische Halunken die mittel- und südamerikanischen Staaten vernichten konnten. Oder wie die kleine Niederlande das reiche und mächtige Spanien besiegen und zur Weltmacht werden konnte.

Erfrischend auch die neuen Fragestellungen: Sind die Menschen durch die ganzen Entwicklungen denn auch glücklicher geworden? Wie kann man Glück überhaupt messen? Wieso sind wir immer noch so unzufrieden?

An mehreren Stellen und in einigen Abbildungen wird deutlich, dass das Herz des Veganers Harari für Tiere schlägt. Die Wikipedia erwähnt dazu ein 2015 erschienenes Guardian-Interview mit Harari, in dem er "die industrialisierte Massentierhaltung eines der schwersten Verbrechen der Menschheitsgeschichte und das Schicksal industriell aufgezogener Tiere eine der dringendsten ethischen Fragen unserer Zeit" nannte.

Harari betrachtet die besonders wichtigen Revolutionen bzw. Entwicklungssprünge in der Menschheitsgeschichte, das wären

  1. die kognitive Revolution vor ca 70000 Jahren
  2. die landwirtschaftliche Revolution vor ca 12000 Jahren, und
  3. die wissenschaftliche Revolution (ab dem 15. Jahrhundert)

Allerdings ist dieser Prozess für ihn keine wie auch immer gesteuerte geradlinige Entwicklung, sondern eine Aneinanderreihung von Zufällen. Es entstehen immer größere Einheiten, und heute ist nahezu eine globale Vereinheitlichung erreicht. Bindemittel dafür sind die Sprache und durch die Sprache erst möglich gewordenen Mythen (incl. der Religion) und gemeinsamen Vorstellungen. Dabei fasst Harari den Begriff "Mythen" sehr weit - auch "Geld" passt da rein.

In diesem Zusammenhang kann es manche Leser befremden, dass Harari keinen Unterschied zwischen Religion und Ideologie macht und beispielsweise den Nationalsozialismus als "humanistische Ideologie" bezeichnet. Selbstverständlich muss man diese Terminologie im Gesamtzusammenhang lesen, wo sie Sinn macht, und nicht gleich verbal losdonnern, wenn man vom Buch nur aus dem Zusammenhang gerissene Zitate kennt und sofort das Wörtchen "anti" bei "humanistischer Ideologie" sehen möchte.

Einige Leser dürften Probleme damit haben, dass Harari das 20. Jahrhundert als besonders ruhigen und friedlichen Zeitraum bezeichnet - trotz aller Kriege und Völkermorde. Aber ich konnte ihm dabei sofort zustimmen.

Am Ende erliegt Harari der Versuchung, die Geschichte fortzudenken und mögliche zukünftige Entwicklungen zu beschreiben. Das ist nett zu lesen, aber vielleicht nicht unbedingt in DIESEM Buch angebracht. Glücklicherweise (muss man sagen) läßt Harari es bei einigen Ansätzen bewenden und verfolgt das Thema erst in einem Folgebuch ("Homo deus") intensiver.

Fazit: Ein unbedingt lesenswertes Buch, welches nicht kürzer sein sollte, aber glücklicherweise auch nicht umfangreicher ist. Ich kann mir vorstellen, es noch einmal zu lesen.

Es handelt sich um ein Taschenbuch, allerdings ist es ausgesprochen bequem zu lesen: Es liegt trotz der Dicke gut und fast flach auf dem Schreibtisch, die Schrift hat die richtige Größe und der Zeilenabstand ist lesefreundlich.

Reinhard Kleist - "Nick Cave. Mercy on me"

(04.02.2018) Kann man dieses 320 Seiten lange, 20 cm auf 26 cm große und 1300 Gramm schwere Buch mit sehr festem Einband (hardcover at its best) überhaupt noch „Comic“ nennen? Als "graphic novel" wird es vom Verlag beworben, allerdings hat diese Bezeichnung zuletzt etwas an Glanz verloren, da sich dieser Marketing-Begriff nicht wie erwartet in Verkaufszahlen niedergeschlagen hat.

Reinhard Kleist, Nick Cave

Mit seinen "graphic novels" vergleichsweise erfolgreich ist Reinhard Kleist. Johnny Cash, Fidel Castro, ein Boxer, eine Olympia-Teilnehmerin sind so seine Themen, alles nicht uninteressant, aber in der Themenwahl vielleicht doch etwas brav. Warum sollte man 20 bis 25 Euro in die gezeichnete Geschichte von jemanden investieren, der einem nicht sonderlich interessiert? Das geht nur, wenn die graphische Umsetzung von Reiz ist.

Seit Weihnachten habe ich zweimal Kleists neuestes Werk "Nick Cave" gelesen und immer mal wieder darin geblättert. Hat es mir gefallen?

Zunächst zum Inhalt: Das äußerlich sehr wertig daherkommende Buch illustriert Episoden aus der Biographie von Nick Cave, setzt Liedtexte in Bildererzählungen um, und natürlich gibt es auch frei erfundene Szenen. Gegliedert ist es in fünf unterschiedlich lange Kapitel.

  1. The Hammer Song
  2. Where the wild Roses grow
  3. And the Ass saw the Angel
  4. The Mercy Seat
  5. Higgs Boson Blues

Die ersten vier Kapitel beginnen und enden mit der Illustration eines Liedtextes, und jedes Mal bringt Cave darin jemanden um. Im letzten Kapitel treten die vier Opfer wieder auf und machen Vorwürfe. Ansonsten hangeln sich die Kapitel etwas an der Biographie entlang, allerdings mit einigen Rückblenden und Pespektivwechseln. Zum Beispiel wird zweimal beschrieben, wie Nick seine langjährige Freundin Anita Lane kennenlernt (S.26-35 und S.92-98), zweimal wird das Telefonat gezeichnet, in dem Cave über die Zeit in Berlin klagt (S.116-117 und S.173-174), zweimal holt ihn Anita von seiner Drogen-Entziehungskur ab (S.130-133 und S.236-237) und so weiter. Im letzten Kapitel, nachdem Cave von seinen vier Opfern geflüchtet ist, trifft er Robert Johnson an einer Strassenkreuzung und es kommt zu einem - nun ja - "philosophischen" Dialog. Der lohnt aber nicht das Abtippen.

Für einen Cave-Fan, der über dessen Biographie, sein musikalisches und sonstiges Werk gut informiert ist, passt die Umsetzung: Die biographischen Szenen und die Illustration der Liedtexte geben genug Anhaltspunkte, um sich zurechtzufinden – bei den wenigen Lebensabschnitten, für die ich etwas über Caves Leben weiß, verstehe ich das Gezeichnete. Ob das Buch auch für Nicht-Cave-Fans ein großer Gewinn ist, würde ich bezweifeln. Ich kenne vielleicht zwei Dutzend Musiktitel von Nick Cave, die Hälfte davon würde ich als sehr schön bezeichnen; seine Biografie und seine literarischen Versuche haben mich dagegen nie interessiert. Bei diesen Voraussetzungen stößt der „Nährwert“ des Buches deutlich an seine Grenzen. Ohne biografische Kenntnisse, die man sich anderswo besorgen muss, erschließen sich die herausgepickten Episoden nicht zur Gänze. Und für die vielen erwähnten Songs (nicht nur die von Nick Cave) tut man gut daran, sie sich zum Beispiel auf YouTube anzuhören – und auch auf die Texte zu achten. Man bekommt mit dem Band also weder eine stand-alone-Biografie noch eine Interpretation der Lyrik. Über die Musik, die Cave als sein Ideal vorschwebt, gibt es in einigen Zeichnungen einige wenige Sätze, die man getrost als Plattitüden bezeichnen kann.

Die wenigen zitierten Passagen aus Caves literarischer Produktion ("Und die Eselin sah den Engel") wirken in ihrer Adverb- und Adjektivlastigkeit und ihren sonstigen formalen Mängeln - und auch inhaltlich - eher wie pubertäre Schreibversuche. Hier hat sich jemand seinen jugendlichen Schwulst in das Erwachsenenleben gerettet. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Caves Bildwelt zu einem ansehnlichen Teil aus biblischen Motiven und seiner etwas verquasten Religiosität speist – auch der Untertitel des Bandes "Mercy on me" ("Sei mir gnädig") stellt ja schon eine religiöse Konnotation her. Nicht jeder aber kann oder will mit diesem Zeug noch viel anfangen.

Rein vom Inhaltlichen her gesehen könnte man es also als gewagt betrachten, über Nick Cave zwei Bücher (die "graphic novel" und ein "art book") zu veröffentlichen, denn letzten Endes muss man schon fragen: Wie bekannt ist denn Nick Cave überhaupt? Wer will über ihn so viel lesen?

Zum Formalen: Bei über 320 Seiten Umfang und gefühlt 1100 einzelnen Zeichnungen kann man keine 1100 Kunstwerke erwarten. Kleist ist sicherlich ein überdurchschnittlich guter Zeichner, ich würde auch die Anlage der Zeichnungen (Wahl der Perspektive, Dynamik, gewählter Ausschnitt) meist als gelungen bezeichnen. Hapern tut es in meinen Augen manchmal mit der Ausführung. Sicher, es ist ein großer Unterschied, ob man 320 Seiten zu zeichnen hat oder 60 Seiten. Aber gar zu flüchtig (euphemistisch könnte man es expressiv nennen) muss das Ergebnis auch nicht gerade ausfallen. Die Figurencharakterisierung ist grenzwertig. Klar erkennt man Nick Cave auf den ersten Blick, bei DIESEM Gesicht sollte das auch kein Problem sein. Aber Anita Lane beispielsweise kommt rüber wie eine harmlose Schülerin, nachlässig und unattraktiv gezeichnet – das wird ihr nicht gerecht. Der "Bad Seets"-Gitarrist Blixa Bargeld scheint nur einen einzigen Gesichtsausdruck zu haben. Oder Straßenszenen wie auf den Seiten 232 bis 234: Die Ausführung wirkt schlicht ungekonnt, ist aber vielleicht eher der Zeitnot geschuldet. Aber Fakt ist: Man würde dem Buch einige inhaltliche Mängel eher verzeihen, wenn die Zeichnungen besser wären.

Reinhard Kleist, Nick Cave, Galionsfigur
Eines meiner Lieblingsbilder aus dem Comic, allerdings ohne Cave...

Es wundert nicht, dass sich laut Verlagsinformationen der kleine Boom der „Graphic Novels“ inzwischen weitgehend gelegt hat – Literatur auf hunderten von meist reichlich durchschnittlich gezeichneten Seiten – wer braucht das? Wenn sogar Robert Crumb nach jahrelanger Arbeit an seiner „Genesis“-Umsetzung in einem Interview mit Ted Widmer zugibt, dass er nicht ganz zufrieden ist und wieder „back to drawing pornography“ geht – dann muss sich Reinhard Kleist keine allzu großen Vorwürfe machen. Vielleicht hätte er das ganze komprimieren müssen – das Format der „Illustrierten Klassiker“ wäre wohl etwas besser gewesen.

Nick Cave ist begabt darin, sich zu inszenieren. Sicherlich hat er nicht nur einen eigenen Archivar für seine Produktionen (ausser als Musiker versucht er sich auch immer mal wieder als Schriftsteller und Dichter, auch Bilder macht er), sondern auch ein eigenes Marketing-Team. Kein Wunder, dass ihm viele auf den Leim gehen und von Nick Cave als einem "lebenden Mythos" schreiben.

Zum Schluß einige nette Zitate:

"Alt werden? Wird mir nicht passieren!" [S.97]
"Ich scheiss auf die Zukunft!" [S.97]

Das sind so die Art Aussprüche, für die man sich später schämt.

Ein Dauerthema ist der Wunsch, anders zu sein wie die andern, auch als Rockstar:

"Darum geht's doch: Anders zu sein! Schocken!!! Bis zur letzten Konsequenz." [S.46]

Klingt reichlich pubertär, und genau das wirft ihm seine Freundin Anita Lane auch vor:

"Ich finde das pubertär, nur zu provozieren.[S.101]

Zum Glück übernimmt er nicht ganz die Schock-Phantasien von Lydia Lunch, die er in London kennenlernt. Hier einige ihrer Sprüche:

"Hier traut sich niemand was Krasses! Ich schon."
"Es soll extrem sein! Ich bin extrem!"
"Ich hasse Kommerz! Die ganze Szene ist viel zu kommerziell, zu brav."
"Lasst uns zusammen kompromissloses Theater machen, mit Blut, Sex und Gewalt."[alles S.63]

Zu was die ganze Schockerei gut sein soll - keine Aussage darüber. Dass man Kommerz auch mit Kompromisslosigkeit machen kann - kein Gedanke dazu. Etwas von diesen Sprüchen bleibt leider doch hängen, wenn man die Urteile von Cave und seiner Band über die Szene in London liest:

"Das gab's alles schon mal, nur besser."
"Null Risiko, das ist völlig vorhersagbar!"
"Zu kommerziell!"
"Zu brav!"[alles S. 66]

Richtig Eindruck macht auf ihn während des Berlin-Aufenthalts die Band "Einstürzende Neubauten", deren Gitarrist und Sänger Blixa Bargeld Gründungsmitglied von Caves "Bad Seeds" wird. Zu den "Neubauten" findet Cave ausnahmsweise lobende Worte:

"Wenn die die Bühne verlassen, hat sich was verändert, bei mir, beim Publikum, in der Welt. Die haben jemand anders [sic] aus mir gemacht."[S.165]
Das ist radikal! Monumental! Das ist die Musik, die ich suche!"[S.165]
"Unter der Oberfläche ist viel mehr! Da lauern Monster! Mit der Musik können wir sie hervorlocken![S.166]

Folglich macht er Schluß mit der alten Band "Birthday Party":

"Ich muss etwas verändern. Birthday Party muss sterben!"[S.173]

Ob der jetzt sechzigjährige Cave, kommerziell erfolgreich, in einer Villa in Brighton and Hove lebend, seine alten Texte und Aussprüche wohl noch goutieren könnte?

Fazit: Der Comic von Reinhard Kleist ist die Lektüre wert. Wer an expressiven Schwarz-Weiss-Zeichnungen Gefallen findet und sich gerne an salopp formulierten Kunstprogrammen reibt, der kann sich lange mit dem Band beschäftigen.

Dagmar ist tot

(14.01.2018) Von Zeit zu Zeit google ich nach alten Lieben. Heute habe ich dabei erfahren, dass Dagmar, eine meiner ganz großen Lieben (von Ende der siebziger Jahre) schon 2016 gestorben ist, mit gerade einmal 60 Jahren. Hat mich erschüttert.

Dagmar
Dagmar, 1978

Kennengelernt habe ich sie in einem Philosophie-Seminar, und ihr verdanke ich meine Begeisterung für Griechenland im Allgemeinen und für griechische Musik im Besonderen, denn sie war 1976 einige Wochen vor mir in Griechenland, brachte LPs mit und Erzählungen von zum Beispiel Matala an der Südküste von Kreta.

Von Ende August bis Mitte Oktober 1976 war ich mit meiner Freundin dann auch in Griechenland, u.a. eine Woche in Matala, damals noch ein Überwinterungsort für Hippies.

Als meine Art der Trauerarbeit habe ich im Lauf des Januar und Februar nahezu alles von Theodorakis angehört, was ich habe, zwei LPs und 8 CDs.

Alexandra Doerrier - "Die Lukasbrüder. Die Nazarener und die Kunst ihrer Freundschaft"

(08.01.2018) Die erste Überraschung für mich war, dass es dieses Buch überhaupt gibt. Selbst die beiden bekanntesten Lukasbrüder - Friedrich Overbeck und Franz Pforr - sind nicht so bekannt, dass man sich vorstellen könnte, ein Künstlerroman um diese Gruppe hätte auch nur eine kleine Chance am Markt.

Doerrier, Lukasbrüder

Die zweite Überraschung für mich war: Das Buch liest sich gut und ist spannend. Erwartet habe ich ehrlich gesagt nicht viel: Ich habe es nur gekauft - obendrein auch nur in der e-Book-Version -, weil mich die Nazarener und besonders deren frühe Phase, also der Lukasbund, immer noch interessiert und ich einigermaßen regelmäßig nach neuer Literatur schaue. Dass mich das Buch tatsächlich anspricht hätte ich nicht erwartet.

Der Lukasbund war eine Vereinigung junger Akademieschüler in Wien, die sich gegen die Herrschaft der Kunstakademie und gegen den Kanon der akademischen Künste auflehnte. Um die beiden Protagonisten Overbeck und Pforr scharten sich ab 1806 mehrere andere Schüler. Vier der Lukasbrüder (Overbeck, Pforr, Vogel und Hottinger) reisten 1810 nach Rom und kamen dort schließlich für einige Zeit im aufgelassenen Kloster San Isidoro unter.

Der Roman geht mit den Ereignissen etwas frei um: Overbeck war kein strenger Führer, Pforr galt als "Meister" und auf einer Stufe stehend mit Overbeck, die Entstehungsgeschichte der Bilder "Italia und Germania" von Overbeck und "Sulamith und Maria" von Pforr ist komplexer, als hier geschildert. Pforr ist nicht im Kloster San Isidoro gestorben, gepflegt von Hottinger, sondern in Albano, aufopferungsvoll gepflegt vom nachgekommenen Lukasbruder Josef Wintergerst, und so weiter und so fort.

Das alles tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch, es handelt sich um einen Roman, nicht um eine kunstgeschichtliche Untersuchung. Eine Konzentration der Handlung auf vier Personen ist dann schon OK.

Scribble zum neuen Bild "Lebbe nix Rosegadde"

(07.01.2018) Ob mein neues Bild tatsächlich so heißen wird, das weiß ich jetzt natürlich noch nicht. Jedenfalls habe ich mal einige Scribbles gemacht, wie ich mir das Bild gegenwärtig vorstelle. Einige Gefesselte, mit Tüchern über Kof und Oberkörper, sonst nackt. Die Landschaft wenig einladend, feucht, mit einigen dammartigen Wegen, und labyrinthisch, weil's so schöner ist.

Lebbe nix Rosegadde

Auf hochdeutsch würde es übrigens heißen: "Das Leben ist kein Rosengarten", aber das klingt nicht so schön...
Das Format wird 60 cm x 80 cm sein, wie üblich Öl auf Hartfaser.

Jürgen Schwandt / Stefan Kruecken - "Sturmwarnung"

(02.01.2018) Eine begeisterte Buchbesprechung in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 12.06.2016 hievte dieses Buch in meine Lektüre-Wunschliste - die abgedruckten Zitate aus dem Buch waren einfach allerliebst. Weihnachten 2017 machte es möglich: Ich habe das Buch geschenkt bekommen, noch im Dezember ein erstes Mal gelesen und nun auch die zweite Lektüre beendet.

Jürgen Schwandt, Sturmwarnung

Zunächst: Es ist rein äußerlich ein schönes Buch! Schöner Einband, gutes Papier, eine sehr schöne und gut lesbare Schrift, gut gewählte Abbildungen in guter Druckqualität, Lesebändchen - alles, was dazugehört. Es ist mit 29,90 Euro für 192 Seiten natürlich auch nicht ganz billig.

Auch der Inhalt ist ansprechend: Stefan Kruecken, der Verleger und Ghostwriter von Jürgen Schwandt, hat einen guten Job gemacht und es vermieden, eine vierhundertseitige Chronik von Schwandts Leben zu präsentieren - wen hätte das denn interessiert. Statt dessen gibt es auf den 192 Seiten, von denen ca 150 Seiten Text sind, einen gut zu lesenden und interessanten Mix aus einigen wichtigen Stationen aus dem Leben Schwandts, und - das eigentlich interessante - allgemeine Schilderungen aus der Welt der Seefahrt und immer wieder Reflexionen zum Zeitgeschehen.

Schwandt hat sein Leben in einem Milieu zugebracht, in dem ein eher rauher Ton herrscht und klare Ansagen gemacht werden. Das Leben der Mannschaft kann durchaus von klaren und deutlichen Worten abhängen: "Man bekommt ein Schiff nicht diskutierend durch einen Sturm". Diese Klartext-Sprache scheint heute bei vielen Lesern gut anzukommen: Die Welt ist so komplex geworden, bei jeder Entscheidung müssen unendlich viele Abhängigkeiten bedacht werden - da ist es schön, wenn mal jemand mit klarer Sprache kommt und sagt, wie es ist und wie es gemacht wird. Ein "Basta"-Politiker hätte heute wohl auch wieder gute Chancen. Als ehemaliger Kapitän und ehemaliger Leiter der Zollbehörde hat Schwandt kein Problem, klar seine Meinung zu sagen, und das macht er, egal ob es sich um politische Aussagen handelt oder um eher etwas blödes Zeug. Gut ist es, wenn er klare Kante zeigt gegen rechtes Gedankengut, etwas peinlich ist es, wenn Sprüche kommen wie "Ein Seemann muss nicht stark sein, er muss nur stark tätowiert sein", oder "Das Leben ist zu kurz, um das Rauchen aufzugeben."

In begeisterten Kommentaren zum Buch liest man immer wieder, dass das ein Mann ist, der "alles" erlebt hat - wahrscheinlich glaubt Schwandt es schon selbst. Mit solchen Aussagen wäre ich denn doch etwas vorsichtiger. Soweit erkennbar hat er nie Kinder gehabt, und somit fehlt schon ein großer Lebens- und Erfahrungsbereich. Und da er früh zur See fuhr kam er auch nicht in Verlegenheit, mit hinfälligen und pflegebedürftigen Eltern konfrontiert zu sein. Um eine aktive Teilnahme am Krieg (oder Widerstand) kam er ja durch die Gnade der späten Geburt auch herum.

Mein Vater (Jahrgang 1919) ist auch zur See gefahren. Aber er musste zur Marine, wurde dreimal versenkt, war nach dem Krieg, als Deutschland keine Schiffe haben durfte, fünf Jahre in der Fremdenlegion (und hat da wohl auch einiges erlebt...), war dreimal verheiratet und hat fünf Kinder großgezogen und und und. Allerdings hat er kein Buch geschrieben. "Alles erlebt" übersetzen wir also lieber mal mit "vieles erlebt".

Wie jeder ältere Mensch hat Schwandt so seine Probleme mit der heutigen Jugend und ihrem Verhalten: Früher war natürlich alles besser, früher war man anständiger. Aber stimmt das? Die Besäufnisse, die Schwandt schildert, die üblen Schlägereien, der stolz geschilderte Alkoholschmuggel, das übermässige Rauchen (obwohl man gleichzeitig über Hunger klagt) - so richtig vorbildlich für die heutige Jugend will mir das nicht erscheinen.

Die "Sturmwarnung" hat es 2016 bis auf Platz 6 der Spiegel-Bestsellerliste (Hardcover Sachbuch) gebracht, auf Facebook ist Schwandt inzwischen bei einer sechsstelligen Anzahl von "Freunden". Trotz einiger Vorbehalte würde ich sagen, dass er sich diese Resonanz verdient hat, das Buch hat mir auch bei der zweiten Lektüre viel gegeben.

Einige Stellenkommentare:

Ich habe gelernt, weltoffen und tolerant zu sein.[S.10]

Nun, wenn man seine Auslassungen zur "Generation Wischfinger"[S.98/99] und anderes liest, dann gibt es bei der Weltoffenheit und Toleranz schon noch etwas Luft nach oben.

Das Bild des Landwirts, der seine Scholle niemals verlässt, sich aber eine Meinung über die Welt gebildet hat, voller Vorurteile und Klischees, ist mir ein Graus.[S.10]

Auch das zeugt von wenig Einfühlungsvermögen. Landwirte sind auch den Unbilden der Natur ausgesetzt, und um sich ausgewogene Meinungen zu bilden, muss man heutzutage nicht in einer Stadt wohnen (oder zu See fahren...).

Ein Seemann hilft Menschen in Not.[S.12]

Das ist so pauschal und so falsch wie der Satz "Ein Metzger hilft Menschen in Not."

Sämtliche Schiffe, die noch brauchbar waren, waren nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationszahlungen beschlagnahmt worden.

Aus diesem Grund ging mein Vater, Jahrgang 1919, Schiffsingenieur, nach dem Krieg zur Fremdenlegion. Wo hätte er arbeiten sollen?

Doch Befehle werden auf einem Schiff nicht hinterfragt, sie werden ausgeführt. Ein Schiff palavert man nicht an die Pier. In unserer heutigen Gesellschaft, in der jeder Trottel sein solides Zweifünftelwissen als eigene Meinung beisteuern darf, beinahe unvorstellbar. Doch auf See ist allein der Versuch, igendetwas mitbestimmen zu wollen, gleichbedeutend mit einer Meuterei und strafbar.[S.38]

Klare Worte...

Den Hass, den man heute als Raucher teilweise ertragen muss, den verstehe ich überhaupt nicht. [...] Oft sind es ehemalige Raucher, die am lautesten nach Verboten schreien. Die sind teilweise richtig militant.[S.45]

Da hat er recht - ist auch mein Empfinden. Ich bin schon immer Nichtraucher, Zigarettenrauch ist mir unangenehm, aber die Aggression, die ehemalige Raucher aufbringen, ist mir fremd.

Eine interessante Abschweifung zum Thema Hierarchie auf dem Schiff, hier ein Auszug:

Eine Gruppe Männer auf einem Schiff weit draußen ist so etwas wie ein schwimmender Pavian-Felsen: eine archaische, strikt hierarchische Gesellschaft, in der eine klare Schlagordnung gilt.Wer nicht parierte, wurde schnell, hart und schmerzhaft gemaßregelt.[S.48]

Interessant, aus rein wissenschaftlicher Neugier natürlich, die Schilderungen von Bordellen und dem Leben darin. Bordelle sind wichtig, sonst hätte Schwandt Probleme bei der Weisheitssuche gehabt:

Vom brasilianischen Schriftsteller Jorge Amado stammt die Weisheit: "Es ist unmöglich, mit allen Frauen der Welt zu schlafen, aber man muss es wenigstens versuchen." Während meiner Zeit auf See versuchte ich, diesen Rat zu beherzigen.[S.57]

In den meisten Häfen war ich praktisch mit einem Mädchen "verheiratet": mit Dolores, Carmen oder Derrescita. Jeder Versuch, sich beim nächsten Besuch zwecks sexueller Fortbildung mit einer anderen Liebesdame zu vergnügen, führte zu Empörung im Puff.

Über den Betten hing ein Kruzifix, und morgens um sechs verschwanden die meisten Frauen zur Frühmesse. Wie es gläubige Katholikinnen eben tun. Meine Gefährtin der Nacht weckte mich, ganz sittsam und in schwarz gekleidet, und zeigte mir mit dem Finger auf der Uhr, wann sie zurück war. Kaum war sie zurück, machten wir uns ans Werk, das Sündenkonto für die kommende Woche wieder aufzufüllen.[S.58]

Nach einem tagelangen Sturm, während dem die Mannschaft schon mit dem Leben abgeschlossen hatte, ging im rettenden Hafen der Punk ab:

"Es ist Zeit, unsere Wiedergeburt zu feiern. Was in jenen Nächten im Dezember 1955 in Lissabon geschieht, ist die härteste, chaotischste, orgiastischste Party, die mir bekannt ist. Die Mannschaft der Franziska Sartori besetzt ein ganzes Bordell, die Texas Bar, ein komplettes Freudengaus mit etwa einem Dutzend Mädchen. Der Alkohol fließt wie niemals zuvor. Es ist keine Feier im eigentlichen Sinne, es ist eher eine Explosion, ein Schrei nach Leben, der drei Tage dauern soll."[S.86]

Ein schönes und lesenswertes Buch also.


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