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Journal 2017

Theater und Orchester Heidelberg "Der Freischütz"

(02.04.2017) Vollständiger Titel: "Der Freischütz". Romantische Oper in drei Aufzügen von Carl Maria von Weber. Libretto von Johann Friedrich Kind nach der Novelle "Der Freischütz. Eine Volkssage von Johann August Apel". Neuinszenierung von Sandra Leupold am Theater und Orchester Heidelberg.

Opern sind definitiv nicht meine Welt, so ließ mich "Der Freischütz" in der Vergangenheit kalt, so lässt er mich heute kalt. Sicherlich war die aktuelle Aufführung nicht schlecht, wenn einem Opern gefallen, aber eben nur dann.

Die Musik ist stellenweise ganz nett, aber unterm Strich bleibt wenig für meinen Geschmack übrig. Der Gesang allerdings widerstrebt mir ganz und gar.

Und was soll man zum Inhalt sagen: Max, der "zweite Jägerbursche", ein heillos unreifes Bürschlein, muss der Tradition entsprechend mit einem Schuss irgendein vom Fürsten vorgegebenes Tier erlegen, damit er Agathe, die Tochter seines Chefs (Kuno, gräflicher Erbförster), heiraten darf und damit auch die Erbförsterei gewinnt. Eigentlich müsste man zum besten der Kleinen hoffen, dass er daneben ballert - was will sie denn mit dem kindischen Hampelmann anfangen? Aber nein, Ziel der Oper ist ja, dass die beiden sich kriegen, nach einigen Verirrungen und Verwirrungen zwar, aber sie sollen sich kriegen.

Zu den Verirrungen gehört, dass Max, der Bräutigam in spe, zur Zeit nichts trifft, und aus Verzweiflung einen Pakt mit dem Teufel schliesst, um an magische Kugeln zu kommen, die immer treffen. Dass er natürlich in Kaspar (dem ersten Jägerburschen) einen Nebenbuhler hat, der seine eigene Agenda mit dem Teufel hat, sollte bei einer Oper nicht überraschen.

Dass die Bewohner des Dorfes anfangs den glücklosen Schützen schadenfroh verhöhnen und anspucken - OK, die Welt ist böse, dass wissen wir. Dass der Erbförster in der hierarchischen und ständischen Gesellschaft schon was besseres ist und sich komische Sagen um den Stammvater des Erbförstergeschlechts ranken - gegessen. Dass der geachtete Eremit (als Vertreter der Kirche) am Ende den Fürsten milde stimmt und ein Probejahr für Max aushandelt (statt der Verbannung), soll natürlich die Nähe von Obrigkeit und Kirche zeigen, die mit den kleinen Leuten tun und lassen, was sie wollen, aber: "dat wäit wi nu", das ist doch nichts neues.

In den Pressestimmen ist von "Abgründen der Seele" die Rede, von "wildester Dämonie", von einem "packenden Sozialdrama", von einer "Gesellschaft voller Zwänge, voller Neurosen" - "Oh Mann", möchte man aufstöhnen.

Ein paar nette Sprüche sind mir im Gedächnis geblieben. Max (ausgerechnet der!) sagt zum Beispiel einmal:

"Ich bin vertraut mit jenem Grausen,
Das Mitternacht im Walde webt,..."

Eine interessante Gestalt ist sicherlich Kaspar, der "erste Jägerbursche", Maxens Gegenspieler, der Mumm genug in den Knochen hat, sich noch am Ende (als ihn Samiel = der Teufel holt), gegen Gott und Teufel aufzulehnen:

Kaspar (Samiel hinter ihm).
"Du, Samiel, schon hier?
So hielt'st du dein Versprechen mir?
Nimm deinen Raub, ich trotze dem Verderben!
Dem Himmel Fluch! – Fluch dir!" (stirbt. Samiel verschwindet.)

Na ja, trotz allem bereue ich nicht, in der Vorstellung gewesen zu sein.

Neues Ölbild "Tänzer" begonnen

(28.03.2017) Weit bin ich bei der ersten Malsession natürlich nicht gekommen: Mein neues Bild soll zwei miteinander tanzende Männer zeigen, die von einem dritten Mann beobachtet werden - das ganze "Drama" in einem unfreundlichen, kahlen, grauen Raum. Und nach den letzten beiden kleinen Bildern (mit 30cm x 40cm) mache ich es jetzt wieder in meiner Lieblingsgröße, 80cm x 60cm.

Tänzer
"Tänzer" (Arbeitstitel), Öl auf Hartfaser, 80cm x 60cm

G. Rosinski, J. van Hamme - Thorgal: "Die Rache der Zauberin"

(26.03.2017) Als ich in den achtziger Jahren zum wiederholten Male die Comics für mich entdeckte, brauchte ich nur wenige Monate, um die "Könner" zu identifizieren: Robert Crumb, Milo Manara, Moebius, Régis Loisel, Hugo Pratt, François Bourgeon und einige andere. Die ersten Bände von "Thorgal" hatte ich zwar zum Prüfen mehrmals in den Händen, empfand den Zeichenstil aber als zu ungekonnt roh, zu flächig, zu fehlerhaft. Inzwischen ist "Thorgal" immer noch am Laufen, die Hauptserie ist mit der Zählung bei über dreissig Titeln, und mehrere Spin-Offs scheinen sich auch gut zu verkaufen.

Thorgal, Band 1

Unübersehbar ist aber, dass sich die Serie zum Besseren entwickelt hat - der Zeichenstil von Grzegorz Rosinski ist inzwischen richtig klasse, die Farbgebung hat sich um Welten gebessert - so dass ich mich entschlossen habe, die Serie näher kennenzulernen, denn leider muss man auf Neuigkeiten meiner Lieblingsserien ("Blacksad", "Corto Maltese" (neue Serie), "Suche nach dem Vogel der Zeit" usw) jeweils immer mehrere Jahre warten.

Wie es sich gehört habe ich mit Band 1 ("Die Rache der Zauberin") begonnen, und nicht überraschend fällt mein Urteil etwas gequält aus: Den Band hätte ich nicht gekauft, wenn es nur um ihn gegangen wäre. Er hat alles, was mich schon in den achtziger Jahren abhielt, in die Serie einzusteigen. Die Zeichnungen sind schwach, auf eine ungute Weise roh, die Geschichte wenig einleuchtend bis blöde mit einigen nicht nachvollziehbaren Szenen.

Beispielhaft für den schwachen Zeichenstil hier zwei zusammengehörende Zeichnungen der Zauberin Slive.

Thorgal, Beispielzeichnungen

Neben der titelgebenden Geschichte "Die Rache der Zauberin" (auf 30 Seitem) enthält der übergroße Hardcover-Band noch die inhaltlich und formal wesentlich bessere Geschichte "Fast das Paradies" (auf 16 Seiten) und einen Bonus-Anhang "Blick hinter die Kulissen" (auf 24 Seiten) über die Serie, die Zeit, die Wikinger, über Grzegorz Rosinski und einiges mehr. Insgesamt bekommt man schon einiges für sein Geld. Ich bin gespannt, wie mir die nächsten Bände gefallen.

Was mich zu "Thorgal" hingezogen hat ist übrigens zum einen, dass immer mal wieder Schiffe und Meereslandschaften dargestellt werden, zum anderen aber auch, dass beide: der Zeichner und der Autor der Serie, eine Faszination für Höhlen und unterirdische Welten haben. Da ein Drittel meiner Träume sich in Höhlen, Stollen, unterirdischen Landschaften, Kellern usw abspielt, konnte ich auf Dauer ja nicht widerstehen. Und was für ein Zufall: Die Geschichte "Fast das Paradies" spielt in einer nahezu tropischen unterirdischen Welt unter einem Gletscher, aus der Thorgal mit einer der Bewohnerinnen durch Höhlen und Labyrinthe flieht. Was will man (ich) mehr?

Neues Ölbild "Stelen" fertig

(14.03.2017) Mit so einem kleinen Bild ist man natürlich nach zwei Abenden fertig. Begonnen am 21.2., heute beim zweiten Maltermin schon fertig geworden.

Stelen, 14.03.2017
"Stelen", 2017, Öl auf Ölmalpapier, 40 cm x 30 cm

Venus als schmale Sichel

(11.03.2017) Viele Wochen lang war Venus ein heller und auffallender Abendstern, diese Zeit geht jetzt zu Ende: In genau zwei Wochen, am 25.März, wird Venus ihre Untere Konjuktion haben und vom Abend- zum Morgenhimmel wechseln. Da sie jetzt nur noch 22 Grad Winkelabstand zur Sonne hat, ist ihre Sichel zwar groß und auch schon im kleinsten Feldstecher leicht erkennbar, aber sehr schmal. Im Teleskop bietet sie einen sehr schönen Anblick. Leider war die Luft heute recht unruhig und das Venusbild zittere leicht - so wirkte die Sichel breiter, als sie ist.

Beobachtet habe ich mit meinem kleinsten Teleskop, einen über 35 Jahre alten Billig-Refraktor von Foto-Porst mit 50mm Öffnung und 300mm Brennweite. Diese Billigfernrohre haben riesige Qualitätsunterschiede, die Fertigungstoleranzen sind eben deutlich größer als bei einem Markenfernrohr. Ich habe beim Kauf damals das große Los gezogen, denn das winzige Telesköpchen hat eine ausgezechnete optische Qualität. Mit einem 5mm-Okular habe ich bei 60-facher Vergrößerung beobachtet, mehr hätte sich bei der Luftqualität nicht gelohnt. Aber auch so erschien die 54" große Sichel fast doppelt so groß wie die Mondsichel mit bloßem Auge. Deulich war zu sehen, dass die Sichel keine ganze Halbsichel war: Der beleuchtete Teil war ca 170 Grad lang. Die Zeichnung habe ich mit einer Bildbearbeitung unscharf gemacht, um die Venus so wiederzugeben, wie sie mir erschien. Dass der beleuchtete Teil fast genau unten war, sah etwas ungewohnt aus.

Venus, 11.03.2017
Venus, 11.03.2017, 18h05-18h15UT, Refraktor 50/300, V=60x
unscharf gerechnete Zeichnung

Neckarsteig, Etappe 1 (Heidelberg bis Neckargemünd)

(05.03.2017) Für 2017 habe ich mir vorgenommen, den Neckarsteig abzulaufen, von Heidelberg bis Bad Wimpfen sind das 126,4 km bei 3127 Höhenmetern. Er ist in handlichen Halbtagsetappen ablaufbar, wobei S-Bahn-Stationen es leicht machen, bei der nächsten Etappe da anzuknüpfen, wo man die vorige Etappe beendet hat.

Meine heutige Etappe ging von Heidelberg (Karlsplatz, 110 m) hinauf zum Schloss, kurz dahinter über die steile Himmelsleiter (mit der man bei 680 Metern Länge rund 270 Höhenmeter überwindet) zum Königstuhl (567 m) und dann langgezogen bis Neckargemünd (120 m). Mein Wanderführer (Rainer Türk, "Auf dem Neckarsteig") veranschlagte für die 12,6 km, bei der in der Summe 635 m bergauf gegangen wird, 4:15h, ich habe die Strecke recht zügig in 3:05h gelaufen.

Neckarsteig, Etappe 1
Die erste Etappe des Neckarsteigs

Neckarsteig, Himmelsleiter
Die Himmelsleiter - sie kostet sehr viel Schweiß...

Neckarsteig, Kirchheim
Vom Königstuhl aus sieht man in exakt 5 Kilometer Entfernung die Dachwohnung,
in der wir von 2005 bis 2015 wohnten, und das Haus, in dem wir seitdem wohnen.

Neckarsteig, Neckargemünd
Blick auf Neckargemünd und den Neckar, nur noch rund 35 Minuten zu laufen.

Auftritt mit den Lightnings in der "Goldenen Rose"

(27.02.2017) Drei Tage nach dem Auftritt in Oggersheim schon der nächste Auftritt, etwas anstrengend. Es war volles Haus, eine Bombenstimmung, ab dem ersten Lied war die Tanzfläche voll - super!

Lightnings, 27.02.2017
Lightnings, von links: Klaus Petrick, Claus Hochgeschwender, Béla Hassforther
Lightnings, 27.02.2017
Lightnings, von links: Klaus Petrick, Claus Hochgeschwender, Béla Hassforther, Waldemar Martin

Auftritt mit den Lightnings in Oggersheim

(24.02.2017) Unser zweiter Auftritt im "Schwarzwaldstübl" in Oggersheim. Nicht besonders viele Leute da (es gab konkurrierende Faschings-Veranstaltungen), aber die Stimmung wie schon beim ersten Auftritt super - und das ist das, was Spaß macht. Hat ein gutes Publikum, das Schwarzwaldstübl.

Lightnings, 24.02.2017
Die Lightnings in Oggersheim; von links:
Waldemar Martin, Klaus Petrick, Claus Hochgeschwnder, Béla Hassforther
Größere Version.

Takeshi Ohmi - "Kiss my Ass", Band 1

(11.02.2017) Dies ist der erste Manga, den ich gelesen habe (es wurde also Zeit) und ich muss sagen: Er hat mir gefallen. An die zunächst ungewohnte Leserichtung (von hinten nach vorne und von rechts nach links) gewöhnt man sich sehr schnell. Auch waren die Augen der Personen nicht so riesengroß wie in anderen Mangas, so dass die Hauptpersonen menschlich und sympathisch wirken.

Takeshi Ohmi - Kiss my Ass

Die Handlung ist originell: Der sechzehnjährige Schüler Mitsuki Yakushiji himmelt die Mitschülerin Sana Komatsu an. Diese ist als ziemlich normale Schülerin charakterisiert, hat diese blöden Riesenaugen, dafür schöne lange Haare, und sieht aus, als ob sie mit sechzehn schon Brustimplantate hat und Push-up-BHs trägt.

Die Mitschülerin Shiori Miura wird ganz anders eingeführt. Sie nähert sich Mitsuki recht ungewöhnlich an, bittet ihn um ein Treffen und kommt ohne Umschweife darauf zu sprechen, dass es klar ist, dass Mitsuki starke Hämorrhoiden hat. Sie bietet ihn an, ihn zu unterstützen, und als er bestreitet, Hämorrhoiden zu haben, triit sie ihn kurzerhand in den Hintern und alles ist klar.

Es entspannt sich eine sehr zarte Gemeinsamkeit bei den beiden, Shiori kann sogar regelmäßig die Hämorrhoiden von Mitsuki fotografieren, denn später will sie Proktologin werden. Natürlich ist inzwischen klar, dass auch sie unter Hämorrhoiden leidet, und am Ende des Comics zeigt sich, dass auch Komatsu zu den Leidgenossen gehört. Schön ist es, wie Shiori kleine Vorträge hält, ihren HFF (HämorrhoidenFreiFreund) bekocht, ihn streng vor den traditionellen japanischen Toiletten warnt und so weiter. Da der Mange ca 170 Seiten hat, sind schöne Episoden dabei. Als Lohn für ihre Mühe nimmt sie ihn übrigens das Versprechen ab, dass er ihr beim nächstenmal die Salbe auf den Hintern aufträgt - das wäre präziser, als wenn man es selbst macht. Süß.

Ich muss sagen, ich war sehr angetan. Eine originelle, gut erzählte Geschichte, sehr gute Zeichnungen aus originellen Winkeln, intelligente Dialoge - was will man mehr. Dazu kommen immer wieder allerliebste Zeichnungen von Shioris Hintern, meist im Minirock oder in enger Hose. Die Blickwinkel sind schon irre: Oft aus einer extremen Froschperspektive, oft auch durch die Beine der Mädchen hindurch (also hinter ihr stehend, knapp unter dem Hintern usw).

Den zweiten Band der Geschichte werde ich mir also auf jeden Fall auch kaufen.

Takeshi Ohmi - Kiss my Ass
Shioris hübscher Hintern...

akeshi Ohmi - Kiss my Ass
...und nochmal ihr hübscher Hintern

Neues Ölbild "Stelen" begonnen

(21.01.2017) Nach der Fertigstellung des "Torsos mit Schmerbauch" hatte ich noch etwas Zeit, deswegen habe ich gleich noch ein weiteres kleines Ölbild begonnen: "Stelen". Seit zehn Jahren skizziere ich immer mal wieder Stelen in kargen, mitunter topfebenen Landschaften, jetzt mache ich das halt mal in bunt.

Neues Ölbild "Torso mit Schmerbauch im Eis"

(21.01.2017) Die Kernidee des Bildes war, einen Torso mit Schmerbauch in irgendeiner Landschaft zu malen. Ursprünglich dachte ich sogar noch, ihn auf einem Sockel zu plazieren, so wäre der Kontrast zum klassischen Schönheitsideal sehr augenfällig geworden - aber halt auch etwas zu plakativ. So ist der arme Kerl (oder der Rest des armen Kerls) letztlich in einer Eislandschaft gelandet.

Lange habe ich an dem kleinen Bild nicht rumgemacht: Begonnen am 17.1.17, fortgesetzt am 24.1. und am 7.2.17, fertig gemacht am 21.2.17.

Torso im Eis
"Torso mit Schmerbauch im Eis", 2017, Öl auf Ölmalpapier, 30 cm x 40 cm

Andy Hunt - "Pragmatic Thinking & Learning"

(24.01.2017) Vollständiger Titel: Andy Hunt - "Pragmatic Thinking & Learning. Refactor your Wetware". An dem Buch habe ich ziemlich genau eine Woche gelesen. Mir hat die Lektüre Spaß gemacht und sie hat - denke ich - auch einiges gebracht. Leider habe ich das Buch nur als eBook gelesen, und das war suboptimal: Ich hätte gerne etwas angestrichen oder Stellenkommentare gemacht, das geht aber leider nicht. So bleibt mir nur übrig, einige Tage lang zu überlegen, ob ich das Buch jetzt noch in der Papierversion kaufe und es einfach noch einmal durcharbeite. Wenn ich eine Schulnote vergeben müsste: Eine glatte 1.

Andy Hunt - Pragmatic Thinking & Learning.

VV Cep - Lichtwechsel Mai 2008 bis Dezember 2016

(17.01.2017) Dieses Jahr, vermutlich ab August, beginnt das langerwartete Bedeckungsminimum dieses Riesensystems. Ich habe im Mai 2008 mit meinen Beobachtungen begonnen, bis 2015 mit einer kleinen Canon Ixus 70. Gemessen habe ich die Grünauszüge der JPG-Aufnahmen, da die IXUS 70 keine RAW-Aufnahmen abspeichert. Seit 2014 habe ich - nach einer gewissen Zeit mit Parallelbeobachtungen - umgestellt auf eine Canon EOS 450D, die Aufnahmen im RAW-Format liefert. Die damit gewonnenen Werte sind deutlich genauer. Insgesamt sind in dieses Diagramm über 550 Aufnahmen eingegangen. Und jede Aufnahme ist die Summe aus durchschnittlich 9 Einzelbelichtungen, die addiert wurden. Viel Arbeit also.

VV Cep
Ausgeglichener Lichtwechsel von VV Cep von 2008 bis 2016.
Alle 10 Tage wurde ein Wert von einer gezeichneten Lichtkurve abgelesen.

Der Lichtwechsel ist ziemlich komplex. Ins Auge fallend ist ein Lichtwechsel mit einer stark wechselnden Amplitude von 0,05 mag bis etwa 0,5 mag und typischerweise etwa 160 Tagen Periode. Weiterhin ist ein ganz langsamer Trend zu sehen, mit einem Maximum um JD 2455200 und einem Minimum bei JD 2457000. Dieser Lichtwechsel könnte mit der Bahnbewegung des verformten Roten Überriesen zusammenhängen, der uns eine unterschiedlich große und helle Oberfläche zuwendet. Sehr unsicher (noch) ist eine dritte Komponente mit einer typischen Periode von 700 bs 800 Tagen.

Das Bedeckungsminimum im Visuellen (also im grünen Licht) wird voraussichtlich nur 0,2 mag tief sein, wird sich also nicht leicht vom jetzt schon komplexen Lichtwechsel abheben und nur im blauen Licht deutlich sein.

Aber lassen wir uns einfach überraschen...

Lettre International 115 (Winter 2016)

(14.01.2017) Heute mit der Lektüre der Nummer 115 begonnen. Es ist immer eine Herausforderung, diese dichten, anspruchsvollen Hefte zu lesen, die umgerechnet einem 400 oder 500 seitigen Buch entsprechen.

Meine Higlights in dieser Nummer sind bisher die folgenden Beiträge:

Lettre International 115
Titelseite von Lettre International 115 mit einem Bild von Valérie Favre.

Ein besonderes Highlight dind die ganzseitigen Gemälde von Valérie Favre aus der Serie "GHOST nach GOYA". Die habe ich mir lange und intensiv angeschaut. Unverkennbar von Goya inspiriert ist das Malerische ganz große klasse. Die Serie umfasst noch weitere Bilder, wie man auf der Homepage der Künstlerin sieht, allerdings sieht man auch, dass die in Lettre vorgestellten Werke eine sehr gute Auswahl darstellen, und dass das Werk von Valérie Favre auch Serien beinhaltet, die sehr amateurhaft wirken.

Aus Timothy Snyders Liste von zwanzig Vorschlägen hier nur zwei, die mich ganz besonders beeindruckt haben:

9. Ermitteln Sie selbst. Versuchen Sie selbst auf etwas zu kommen. Gehen Sie den Dingen selbst auf den Grund. Verwenden Sie mehr Zeit auf lange Artikel. Unterstützen Sie den investigativen Journalismus, indem Sie Printmedien abonnieren. Seien Sie sich darüber im klaren, dass Ihnen so manches auf ihrem Bildschirm schaden soll. Setzen Sie ein Lesezeichen auf PropOrNot oder andere Websites, die ausländische Propagandaoffensiven zu erkennen versuchen.

10. Üben Sie sich in Körperpolitik. Macht möchte Ihren Körper in Ihrem Sessel weich werden und Ihre Emotionen wirkungslos auf dem Bildschirm verpuffen sehen. Gehen Sie aus dem Haus. Setzen Sie Ihren Körper unvertrauten Orten und unvertrauten Menschen aus. Legen Sie sich neue Freunde zu und marschieren Sie mit Ihnen.

Etwas irritierend finde ich den winzigen Hinweis am Ende des Beitrags, dass Snyder ihn zuerst auf Facebook (!) veröffentlicht hat. Das widerspricht ganz grundsätzlich dem Tenor der 20 Vorschläge.

Jedenfalls wieder eine tolle Nummer von Lettre International, an der ich wohl noch einige Wochen lesen werde.

Vortrag von Rüdiger Nehberg

(08.01.2017) Ich mag ihn einfach, den Rüdiger Nehberg. Wie kein anderer hat er das Thema "Survival" in Deutschland bekannt gemacht, immer mit Humor, und war immer den Mitbewerbern nicht einen Schritt, nicht meterweit - nein: meilenweit voraus. Im Tretboot über den Atlantik, im Einbaum über den Atlantik, die Reisen in den Urwald, in die Wüsten, der Umgang mit fremden Völkern, die unglaubliche Erweiterung der Speisekarte - irre, der Mann...

Sein Vortrag in der Reihe "Traumpfade" in der Maimarkthalle in Mannheim bestand aus zwei Teilen. In der ersten Stunde erzählte er seine Biografie, mit vielen launigen Anekdoten und schönen Fotos. Angesichts des Alters der Fotos wird klar, dass Nehberg von Beginn an mit hochwertigen Foto- und Film-Ausrüstungen gearbeitet hat, eine spätere Vermarktung also nicht an mangelnder Qualität auf Grund von Geiz scheitern sollte. Dass Nehberg seine Projekte und Unternehmungen hochprofessionell angeht ist immer zu spüren - bis hin zu einer Ausbildung bei den Kampfschwimmern zur Vorbereitung der Atlantiküberquerung (dass die ihn erstmal gefesselt ins Wasser schmissen und er wiederbelebt werden musste zeigt, was er in Kauf nahm). Auch der Marsch durch ganz Deutschland ohne Ausrüstung und ohne Nahrungsmittel zum Ausloten seiner Grenzen zeigt, wie schonungslos sich selbst gegenüber er sich vorbereitet.

Natürlich gab es im Vortrag Passagen, die etwas unappetittlich aussahen: Eine böse Wunde als hilfreiche Nahrungsquelle - indem man von Zeit zu Zeit die Fliegen, die sich drauf setzen, mit der Hand erschlägt, was laut Nehberg einen Esslöffel hochwertigen Proteins ergibt. Oder Fotos von ermordeten Goldgräbern aus dem Yanomami-Gebiet, die sich gegenseitig für ein T-Shirt, wegen eines Goldzahns, aus Wut umbrachten.

Der zweite Teil nach der Pause bestand aus der Schilderung seines Kampfes gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen. Dieses Thema verfolgt er immer noch mit aller Energie, hat auch beachtlichen Erfolg, wobei er sich dabei gleichermaßen in Wüsten wie auf höchstem diplomatischen Niveau bewegen muss. Faszinierend. Und schön, dass er nicht am verbreiteten Islam-Bashing teilnimmt, sondern die islamischen Geistlichen als Mitstreiter im Kampf gegen die Genitalverstümmelung gewinnt und selbst den höchsten islamischen Geistlichen in einer Privataudienz sein Material vorstellen kann. Nehberg ist ein Mann ohne Vorurteile!

Am schönsten fand ich allerdings, Nehberg zu beobachten: Wie er vor dem Vortrag am Büchertisch arbeitet, wie er in der Pause zwischen den Vorträgen sofort wieder zum Büchertisch eilt, am Ende natürlich auch, mit welcher Höflichkeit, Freundlichkeit und Geduld er die Käufer, Fragenden und Aufmerksamkeit-heischenden behandelt, die Empathie, die im Vortrag zum Ausdruck kommt, die Energie, die er in die Themen steckt, an die er glaubt. Es macht Mut zu sehen, dass das alles auch noch im Alter von 81 Jahren möglich ist, in einem Alter, in dem viele schon final zum Couch-Potatoe mutiert sind. Ein tief beeindruckender Mensch.

Rüdiger Nehberg

Rüdiger Nehberg
Rüdiger Nehberg am Büchertisch

Wolfgang Büscher - Hartland"

(04.01.2017) Im August 2014 habe ich "Berlin - Moskau" von Wolfgang Büscher gelesen. "Berlin - Moskau" verleitet dazu, mehr von Büscher zu lesen, "Hartland" liest man und findet es gut, aber danach würde man es mit Büscher gut sein lassen. Dass ich nach "Hartland" noch Lust habe, auch seine "Deutschlandreise" zu lesen, ist das Erbe meiner Begeisterung für sein bekanntestes Buch, für "Berlin - Moskau".

Büscher, Hartland

Büscher hat diese Reise nicht nur zu Fuß gemacht (wie der Untertitel suggeriert); längere Abschnitte legt er im Auto oder mit einem Bus zurück, teils auch deswegen, weil Unwetter in den USA schnell lebensgefährlich werden und eine Flucht das einzig vernünftige ist. Und im Süden kann wiederum die große Hitze in wüstenhaften Gegenden lebensgefährlich sein.

Büscher ist allein unterwegs. Dennoch scheint er nicht unbedingt die Gesellschaft anderer zu suchen (im Bus mit den Sträflingen bleibt er für sich; als er tagelang wegen Regen in einem Motel bleiben muss, macht er sich schon Sorgen, ob er ob seiner Schweigsamkeit nicht etwa unangenehm auffällt usw). Der Mangel an guten Gesprächen, an interessanten Gesprächspartnern macht das Buch etwas monoton: Mir kam Büscher etwas arg in seinen Kokon eingesponnen vor.

Auch wenn man nicht in Privatdingen wühlen will: Wieso macht Büscher diese zeitlich lange und über lange Strecken einsame Reise? Wieso trennt er sich ein Vierteljahr von seiner Frau, seinen Kindern? Kommt er so lange ohne Sex aus? Oder nutzt er auf der Strecke die einschlägigen Angebote für Truckerfahrer? Sehr wenig privates kommt zur Sprache. Ist hier ein Neutrum unterwegs? Oder war das Ziel weniger das Kennenlernen eines Landes (was ich als mißlungen bezeichnen würde) als das Abarbeiten einer Herausforderung? Oder eine Flucht aus dem Alltagstrott?

Das Buch ist vielleicht zu kurz: Ich habe den Eindruck, dass die Erzählung am Anfang noch umfangreicher ausfiel, Beschreibungen dichter waren, ab der Hälfte des Bucher dann aber flüchtiger wurden. In der Mitte des Buches hat Büscher erst ein Drittel der Strecke zurückgelegt. Vielleicht durfte er eine formale Grenze (300 Seiten) nicht reißen. Ist es so, dann ist es kein Wundenr, denn kann man eine dreimonatige Reise quer durch einen Kontinent tatsächlich auf 300 Seiten beschreiben?

Büscher sollte aufpassen, nicht ins Fahrwasser der altgewordenen Berufsjugendlichen zu geraten, die ihre Bubenträume von der Eroberung der großen weiten Welt im fortgeschrittenen Alter endlich realisieren wollen und sich peinlicherweise oft ein moralisches Feigenblatt anhängen, also statt "Nordpol zu Fuß" zum Beeindrucken der "Chicas" lieber ihre Egotrips damit begründen, auf die "Erwärmung der Erde" oder "das Elend der Eisbären" oder weiß Gott was hinweisen zu wollen.


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