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Otto von Kotzebue - Zu Eisbergen und Palmenstränden

Ich habe das Buch gekauft, bevor die vollständige Reisebeschreibung in das Projekt Gutenberg aufgenommen wurde. Dennoch habe ich die 10 Euro nicht bereut: Die Buchausgabe hat den Vorteil einer umfangreichen und exzellenten Einführung von Detlef Brennecke, in meinen Augen ist diese schon fast die Hälfte des Buchpreises wert.

Im Text finden sich immer mal wieder haarige Fehler, die man nicht direkt als Druckfehler interpretieren kann, sondern die wohl eher auf eine zu flüchtig korrekturgelesene OCR-Vorlage zurückgeführt werden müssen. Der Gutenberg-Text hat diese Fehler nicht, dafür andere.

Die Abbildungen sind von eher geringer Qualität. Aber was will man von einem Buch dieser Preisklasse verlangen.

Anlass für meine Lektüre war, dass ich vor fünf Jahren die Reisebeschreibung von Adalbert von Chamisso gelesen habe. Zu spüren war, dass es zwischen Chamisso und Kotzebue etwas kriselte, wobei offensichtlich war, dass die Unruhe von Chamisso ausging: Ihm fiel es schwer, sich als Ältester an Bord und als "Titulargelehrter" der Disziplin und Hierarchie an Bord zu unterwerfen, beispielsweise zu akzeptieren, dass man nicht einfach in die Kapitänskajüte geht. In maßloser Verkennung seiner Fähigkeiten wäre er wohl gerne selbst der Leiter der Expedition gewesen. Es lag also nahe, anhand Kotzebues Reisebeschreibung auch die andere Seite kennenzulernen.

Kotzebue, Umschlag

Durch die Einführung von Detlef Brennecke kommt man dem Menschen Kotzebue schon sehr nahe und entwickelt Sympathien, und die Lektüre seiner Reisebeschreibung festigt den Eindruck eines sympathischen Menschen und verantwortungsbewussten Vorgesetzten. Kotzebues Stil ist natürlich erheblich nüchterner als der von Chamisso: Er schreibt einen Bericht, während Chamisso Literatur produziert.

Offizielle Besuche bei Gesandten, Botschaftern, Gouverneuren, Würdenträgern aller Art in fremden Häfen und bei Begegnungen auf hoher See sind selbstverständliche Aufgaben von Kotzebue, er ist quasi als Diplomat unterwegs. Immerhin fährt sein Schiff unter der russischen Kriegsflagge, und er hat Instruktionen aus höchsten Kreisen mitgenommen, was wo und wie zu tun ist.

Kotzebues Sorge um die Chronometer

Mit zu den wichtigsten Aufgaben von Schiffsoffizieren gerade auch bei einer Forschungsreise ist es, die Position des Schiffes exakt bestimmen zu können. Die Kenntnis der Position ist natürlich auch eine Grundlage für die Sicherheit des Schiffes. Dafür unerlässlich waren damals Chronometer, von denen Kotzebue zwei sündhaft teure an Bord hatte. Die Eichung und Bestimmung der Abweichung der beiden namentlich genannten Chronometer nimmt immer wieder einen breiten Raum in Kotzebues Bericht ein. Für den ignoranten Chamisso sind diese Basisthemen natürlich kein Thema. Kotzebue baut bei längeren Aufenthalten astronomische Beobachtungsstationen auf, und jede Begegnung auf hoher See wird genutzt, die Position und die Chronometer zu vergleichen.

Kotzebues Sorge um die Mannschaft

Kotzebue macht sich ständig Gedanken um die körperliche und seelische Gesundheit seiner Mannschaft. Aktivitäten der Mannschaft wie die Aufführung von Theaterstücken werden immer unterstützt, gute Leistungen belohnt. Sein Credo lautet: "der glücklichere Mensch ist in der Regel der gesündere."[S.62; S.104]

Nicht ohne Grund ist Kotzebue stolz darauf, dass in den drei Jahren der Reise kein Mitglied der Mannschaft starb (ein Seemann starb aufgrund einer Krankheit, die er bei der Musterung verschwieg).

Kanonenschüsse, Salut

Interessehalber habe ich mir eine Liste gemacht, wie viele Kanonenschüsse zu Ehren welcher Persönlichkeit oder welchen Anlasses abgefeuert werden. Mit der Minimalanzahl von fünf Schüssen wird eine Festung in San Francisco begrüßt, andere Festungen mit 7 Schüssen, die meisten Würdenträger bekommen acht Schüsse, die wichtigsten Personen allerdings (Graf Rumanzoff in Kronstadt, der "Urheber der ganzen Unternehmung", und Graf Dohna nebst anderen Gesandten in Kopenhagen) bekommen 13 Schüsse.

Kotzebues Abscheu vor der Sklaverei

Beim Aufenthalt in Brasilien empfindet Kotzebue Abscheu vor der unmenschlichen Behandlung der Sklaven. Auch Chamisso hat sich vergleichbar geäußert.

Konfrontation mit fremden Kulturen

Auch wenn es nach Kotzebues Credo bei der Entdeckung einer Insel oder der Erforschung eines Landes dazugehört, Bewohner, Sitten und Gebräuche zu studieren [S.208], muss einem nicht alles gefallen.

Bei den Völkern in der Beringstraße sieht man häufig zwei mit Walrossknochen "gezierte" Löcher unter der Unterlippe. Nachzuvollziehen ist die folgende Einschätzung schon irgendwie:

"diese gewähren besonders einen widerwärtigen Anblick, wenn die Knochen herausgenommen werden, weil dann der Speichel immerfort über das Kinn herabfließt."[S.122]

Ein Seehundessen der Einheimischen war auch nicht angenehmer zu beobachten:

"Jetzt war ihr Mittag herangekommen; sie legten einen eben erlegten Seehund in ihre Mitte, schnitten ihm den Bauch auf, und einer nach dem andern steckte den Kopf hinein, um das Blut herauszusaugen. Nachdem sie auf diese Weise hinlänglich getrunken, schnitt sich jeder ein Stück Fleisch heraus, das er mit dem größten Wohlbehagen verzehrte, und man kann sich denken, wie ihre ohnehin schrecklichen Gesichter bei dieser Mahlzeit aussahen."[S.127]

In San Francisco wird das Missionarswesen heftig kritisisert:

Die Sucht, wilde Völker zu bekehren, verbreitet sich jetzt in der ganzen Südsee, und stiftet viel Unheil, da die Missionairs nie darauf bedacht sind, sie zu Menschen zu bilden, ehe sie Christen aus ihnen machen, und so wird das, was ihnen Glück und Ruhe bringen sollte, der Grund zu blutigen Kriegen; indem auf den Freundschaftsinseln z. B. Christen und Heiden einander unaufhörlich auszurotten suchen.[S.147ff] ... Nach dem Essen zeigte man uns die Wohnungen der Wilden {innerhalb der Mission], welche aus langen und niedrigen, aus Lehmstein gebauten Häusern bestehen, und mehrere Straßen bilden. Die Unreinlichkeit in diesen Kasernen war unbeschreiblich, und diese mag der Grund der großen Sterblichkeit sein; denn von 1000 Indianern, welche sich in St. Francisco befinden, sterben jährlich 300.[S.148]

So "glücklich" sind die Indianer nach der Missionierung:

Die Missionairs versicherten, sie [die Indianer] seyen wegen ihrer Dummheit schwer zu unterrichten; ich glaube aber, daß die Herren sich nicht besonders darin bemühen; ferner erzählten sie uns, daß die Indianer tief aus dem Lande kämen, und sich ihnen freiwillig unterwürfen; (was wir ebenfalls bezweifelten) der Unterricht in der Religion ginge dann gleich an, und sie würden nach ihren Fähigkeiten früher oder später getauft. Kalifornien kostet der spanischen Regierung sehr viel, und sie hat keinen andern Vortheil davon, als daß jährlich ein Paar hundert Heiden zu Christen gemacht werden, die aber bald in ihrem neuen Glauben sterben, weil sie sich an die veränderte Lebensart nicht gewöhnen können. Zwei Mal im Jahr erhalten sie die Erlaubnis, in ihre Heimat zu gehen; diese kurze Zeit ist ihre glücklichste, und ich selbst habe sie scharenweise unter lautem Jubel nach Hause ziehen sehen. Die Kranken, welche die Reise nicht mitmachen können, begleiten wenigstens ihre glücklichen Landsleute bis ans Ufer, wo sich diese einschiffen, und sitzen dann tagelang an demselben, um die entfernten Gipfel der Berge mit Wehmuth anzustarren, welche ihre Wohnungen umgeben; mehrere Tage verharren sie oft ohne Nahrung auf diesem Platz, so sehr fesselt der Anblick ihrer verlorenen Heimat diese neuen Christen. Jedes Mal entfliehen einige von den Beurlaubten, und sie täten es wahrscheinlich alle, wenn die Furcht vor den Soldaten, die sie greifen und als Missetäter in die Mission zurückführen, sie nicht abhielte; diese Furcht aber ist so groß, daß 7-8 Dragoner hinreichen, um mehrere hundert Indianer zu überwältigen.[S.150]

Mitleid mit Menschen (Sklaven, missionierten Eingeborenen) wird zwar aufgebracht. Mitleid mit Tieren aber (noch) nicht. Ein häßlicher Tierkampf gilt als interessantes Schauspiel:

Der Gouverneur hat uns heute ein interessantes Schauspiel bereitet, durch das Gefecht eines Stiers mit einem Bären; ...

Der Kampf dieser beiden Thiere war merkwürdig, und obgleich der Stier, seinen wüthenden Gegner oft mit den Hörnern in die Luft warf, so mußte er doch am Ende unterliegen.[S.153]

Lange blieb Kotzebue mit der Rurik auf O Waihi [Hawaii] am Hof des Königs Tammeameas. Seine Beschreibung der drei Königinnen zeugt von feinem Humor, hier nur kurze Auszüge:

Die Hauptbeschäftigung der königlichen Frauen besteht im Tabakrauchen, sich das Haar auskämmen, mit einem Fächer die Fliegen vertreiben, und im Essen. Nur Tammeamea raucht nicht, sonst aber hat dieser Gebrauch auf den Sandwich-Inseln seit einigen Jahren so überhand genommen, daß kleine Kinder früher rauchen als gehen, und die Erwachsenen das Rauchen so übertreiben, daß sie davon sinnlos niederfallen, und oft daran sterben.[S.166]

Alle drei Königinnen waren sehr große dicke Weiber, die ein halbes Jahrhundert überlebt hatten, und wohl nie hübsch gewesen seyn mochten.[S.167]

Der Sohn des Königs Tammeamea, Lio-Lio (d.h. Hund aller Hunde), kommt auch nicht gut weg:

Der Prinz erhält, wenn er in die Rechte des Vaters getreten, den Namen: Lio-Lio, d. h. Hund aller Hunde, und als einen solchen fanden wir ihn wirklich. Wir traten in ein reinliches Häuschen, in welchem Lio-Lio, eine lange, dicke, nackte Figur, ausgestreckt auf dem Bauche lag, und nur träge den Kopf erhob, um seine Gäste anzuschauen; neben ihm saßen einige nackte Soldaten mit Gewehren, welche das Ungeheuer bewachten; ein junger hübscher Sandwichaner verscheuchte ihm mit einem roten Federbusch die Fliegen, und ich hätte lieber diesen, seiner interessanten Physiognomie und seines anständigen Betragens wegen, für des Königs Sohn gehalten. ... Mit vieler Trägheit richtete sich endlich der Hund aller Hunde auf, und ein dummes, nichts sagendes Gesicht gaffte uns gähnend an.[S.168]

Was ein richtiger Südseekönig ist, hat auch einen Spuckdosenträger, die Beschreibung zeugt wieder von Kotzebues feinem Humor:

Sein Spuckdosen-Träger verläßt ihn keinen Augenblick, indem er die Dose, welche aus Holz in Form einer Schnupftabacksdose gearbeitet und mit einem Deckel versehen ist, immer bereit hält; der Deckel wird aufgehoben, wenn der König gesonnen ist, auszuspucken, und dann schnell wieder zugeschlagen. Dieses sorgfältige Aufbewahren des königlichen Speichels rührt von dem Aberglauben her, daß im Besitze dieses Schatzes ihre Feinde ihnen durch Zauberei keine Krankheit zuschicken können.[S.171]

Bei den Edelleuten auf Hawaii war es zu dieser Zeit modern, Kleidung aus Europa oder Amerika zu tragen - egal, aus welchem Bereich, egal in welcher Größe. Ein durch Kotzebue ausgerichtetes Fest auf der Rurik muss daher einen Karnevalscharakter gehabt haben:

Meine Gäste hatten sich alle in den höchsten Staat geworfen; kaum erkannte ich Kareimoku, welcher in der Tracht eines englischen Steuermanns, mit gewichsten Stiefeln, und einem dreieckigen Hut prangte; es saß ihm aber alles so enge, daß er kein Glied frei zu bewegen vermochte, und die Mittagshitze ihn in dieser Tracht zu ersticken drohte; nicht minder stolz, aber eben so unbequem, bewegten sich die übrigen Jerris in ihren europäischen Anzügen, und man sah hier Matrosen, Modegecken und Herrnhuther in buntem Gemisch. Alle waren durch ihren Schmuck in der peinlichsten Lage, und erinnerten an geputzte Affen. (...) Es ist hier so weit gekommen, daß selbst dem gemeinsten Manne, ein europäisches Kleidungsstück zum Bedürfniß geworden ist, daher man auf dem Lande die lächerlichsten Figuren erblickt; mancher geht im bloßen Hemde, ein anderer hat Hosen, und ein dritter paradirt in einer Weste. (...) Einer meiner Gäste hatte einen unendlich langen Rock an, mit Knöpfen von der Größe einer Obertasse, die er unaufhörlich mit Wohlgefallen betrachtete.[S.177ff]

Bei den Marshall-Inseln fielen Kotzebue wieder zwei Eigenschaften der Bewohner auf, die er durch ihre vorwiegend vegetarische Ernährung versuchte zu erklären:

Ich war wie von wilden Kindern umgeben, obgleich der ganz graue Bart des einen sein Alter verrieth; oft aber habe ich hier die Bemerkung gemacht, daß bei diesem Volke das Alter den kindischen Frohsinn nicht unterdrückt; einige, die sich vor Altersschwäche kaum mehr bewegen konnten, nahmen mit jugendlichem Geiste an allem Theil und nie sah ich sie mißvergnügt. In ihrem schönen Klima, und ihrer nur aus Früchten bestehenden Nahrung, mag der Grund von dieser bei uns so seltenen Erscheinung zu suchen sein und an dem Genuß der Vegetabilien mag es auch liegen, daß das ganze Volk lang und sehr schlank ist.[S.205]

Ein Beispiel von Kotzebues feinem Humor findet man wieder bei der Erwähnung eines "Inselkönigs", dessen ganzes Reich aus drei Frauen bestand:

(...) von der Bevölkerung aber brachte er mir eine sehr geringe Idee bei, indem er versicherte, daß sich da nur ein alter Mann mit drei Weibern befände. Der Alte war also nur Beherrscher seiner Weiber, oder vielleicht gar selbst ein dreifach Beherrschter. [S.211]

Die geographischen Kenntnisse der Inselbewohner überraschen immer wieder, es zeigt sich, dass sie sogar Karten zeichnen können:

Nach einem langen Gange, wo mir nichts merkwürdiges aufgestoßen war, (...) setzte ich mich ans Ufer, und benutzte die Gelegenheit, meine Kenntniß von der Geographie dieser Inselkette zu erweitern; ich zeichnete, die mir durch Lagediack schon bekannten Gruppen in den Sand; Langedju erstaunte sehr, daß ich die Namen derselben so gut wußte, fand aber ihre Lage nicht richtig, und zeichnete sie nun selbst hin. Er stellte sich gegen N fing bei der Gruppe Bigar an, und fuhr bis nach S fort, bis die Karte vollendet war; die Zahl der Gruppen stimmte mit Lagediacks Angabe überein, die Richtung derselben aber nicht ganz. Er hatte außer der Kette noch zwei einzeln liegende Inseln angezeigt, von denen ich die eine, welche von Ai-lu in O lag, für die Neujahrsinsel erkannte; die andere lag in der Entfernung einer Tagereise nach W; die östliche nannte er Miadi, die in W Temo. Die Karte war, wie sich nachher auswies, als ich alle diese Gruppen entdeckte, sehr richtig; ich habe sie in meiner Schreibtafel treu aufgezeichnet.[S.224] [vgl. auch S.242]

Gerade die Inselgruppe Radack muss Kotzebue wie das Paradies vorgekommen sein, den Reiseinstruktionen (seinem Auftrag) kam er offenbar immer nur widerwillig und im letzten Moment nach. Es ist auch zu schön hier; auch wenn das Essen nicht ganz seinem Geschmack entspricht, es gibt wichtigeres:

Besser gefiel mir das liebevolle Betragen der Eltern gegen ihre Kinder, das ich hier wieder in hohem Grade bemerkte.[S.224]

Das muss einen Mann, der mit drei Jahren seine Mutter verlor und vom Vater nicht mehr viel hatte und der mit 14 Jahren in ein Seekadettencorps kam, natürlich innerlich berühren.

Wieder auf Hawaii wird das Thema "Tabu" beschrieben, auch die Konsequenzen bei Nichtbefolgung desselben:

Auf meinem Wege nach den Pflanzungen begegneten mir zwei Knaben, welche große Bündel Bananen trugen, und immer nach hundert Schritt stehen blieben, um durch einen lauten Ausruf die Anwesenden auf ihre Gegenwart aufmerksam zu machen. Die Männer warfen sich sogleich auf die Erde, bedeckten das Gesicht mit beiden Händen, und standen nicht eher auf, als bis die Knaben vorüber waren; von den Weibern forderte man noch mehr, denn sie mußten sich bei dem Anblick der Knaben sogleich entkleiden. Man sagte mir: diesen Abend fange ein wichtiges Tabu an, die Bananen würden in das Murai getragen, wo sie den Göttern geopfert werden, und daher müsse man den Trägern der heiligen Früchte diese Unterwürfigkeit erweisen. Bald nachher ging ich an dem Hause eines bekannten vornehmen Chefs vorbei, der mit verschiedenen andern vor der Tür sitzend, den Untergang der Sonne erwartete, um ins Murai zu gehen; er grüßte mich freundlich, warnte mich aber, ihn ja nicht zu berühren, weil ich dadurch Tabu werden und mit ins Murai gehen müßte. Die Weiber dürfen ihren Männern in dieser gefährlichen Zeit nicht unter die Augen treten, und begeht eine gar den Frevel, ihn zu berühren, so muß sie mit dem Tode büßen. Der Leichnam eines Weibes, den ich im Hafen herumschwimmen sah, wurde von Erwachsenen und Kindern mit Steinen beworfen; man sagte mir: das Weib habe ein Tabu verletzt.[S.263/264]

Rauchen und überhaupt der Gebrauch von Tabak ist Kotzebue immer wieder als eminent wichtig an allerlei Orten begegnet. Ganz besondes fiel das in Manila und Umgebung auf:

Erst gegen Abend fängt die vornehme Klasse der Einwohner an, sich zu bewegen; bis dahin wird geschlafen, gegessen und Taback geraucht, was gewiß nirgend so häufig geschieht, als auf der Insel Luconia; denn Kinder, welche noch nicht gehen können, schmauchen bereits ihren Cigarro. Die Weiber treiben es in dieser Liebhaberei noch weiter als die Männer; sie begnügen sich nicht mit den gewöhnlichen kleinen Cigarros, sondern bestellen sich welche, die einen Fuß lang und verhältnißmäßig dick sind. Man denke sich einen Mund, der ein solches Tabacksröllchen mit den Lippen zu fassen vermag. Diese großen Cigarros werden hier Weiber-Cigarros genannt, und es gewährt den possirlichsten Anblick, wenn Abends die eleganten Damen, mit diesen brennenden Dingern im Munde, spazieren gehen.[S289/290]

Einmal, auf der Rückfahrt nahe Sumatra, wird der Rurik von einem Seeräuberschiff bedroht. Kotzebue lässt sich nicht durch abweichende Meinungen der "Herren" auf dem Schiff umstimmen, und lässt das Schiff in Gefechtsbereitschaft setzen. Und er behält recht: Nur durch seine Vorsicht kann die Mannschaft den Angriff abschlagen.[S.294/295]