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Journal 2026

Was ist ein Kuli?

(03.10.2026) Bei meiner gegenwärtigen Lektüre von Ernst Jünger "Siebzig verweht I" schaue ich immer mal Begriffe nach, die ich meine zu kennen - aber ahne, sie nicht genau genug zu kennen. "Kuli" war bisher für mich nur eine Art chinesischer Tagelöhner, was sich dahinter aber für eine schreckliche Geschichte von Menschenjagd und Ausbeutung verbirgt, das ist wahrhaft beklemmend zu lesen. Da begreift man, wieso Ernst Jünger beim Beobachten der unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Kulis ein Erschrecken nicht unterdrücken kann. Die Lektüre des Wikipedia-Artikels zu den Kulis kann ich nur dringend empfehlen. Wie so oft wird einem bewusst, in welchem Ausmaß unsere Köpfe im schulischen Geschichtsunterricht mit Müll à la Herrschergeschichten gefüllt wurden, und was wir alles an wichtigen Themen nicht wissen und nur zufällig irgendwann erfahren - wenn überhaupt.

Die Sängerin und Lautenistin Emma-Lisa Roux

(02.10.2026) Auf YouTube habe ich aufs Geradewohl als Suchbegriff "John Dowland" eingegeben, den ich sehr gerne höre und immer mal wieder neue Musikstücke oder Interpretationen kennenlernen möchte. Zwei Titel der Sängerin und Lautenistin Emma-Lisa Roux habe ich gefunden und zwei- oder dreimal angehört, weil so gut, dann gezielt nach Emma-Lisa Roux gesucht und eine Playlist gefunden. Ich war hin und weg: Wunderschöner Gesang, die Laute selber dazu gespielt als explizites Begleitinstrument, und eine schöne Frau ist sie überdies. Große Empfehlung: Die Playlist von Emma-Lisa Roux anzuhören, es sind rund 70 Minuten, die sich lohnen. Natürlich interpretiert sie nicht nur Dowland, es gibt also die Chance, auch eher unbekannte Komponisten kennenzulernen.

Birger Rosendahl (Hrsg.) - Jakob Danielsen. Ein Fängerleben in früheren Zeiten

(20.07.2026) Eine der vielen Überraschungen auf unserer zweiwöchigen Grönlandreise war die, dass man in Ortschaften, die man in Deutschland noch nicht einmal als Dorf bezeichnen würde, interessante und mit viel Liebe und Herzblut gepflegte Museen findet. Das Museum von Qeqertarsuaq auf der Diskoinsel, mit immerhin zwei großen Geschossen Ausstellungsfläche, hat uns besonders gut gefallen. Deswegen haben wir uns auch brav an das Fotografierverbot gehalten.

Rosendahl, Jakob Danielsen

Jakob Danielsen, typische Doppelseite
Eine typische Doppelseite aus dem Buch

In einem der Räume war eine Ausstellung von Jakob Danielsen (1888-1938), mit überwiegend kleinen, meist postkartengroßen Bildern. Ich fand die Bildchen vom Format, dem Malstil und Erzählstil her rührend, dachte aber auch daran, mit welchem Aufwand es zur damaligen Zeit verbunden sein musste, überhaupt an Papier und Farben zu kommen. Hauptberuflich war Danielsen ein "geschickter Fänger", für sein Hobby musste er wohl einiges auf sich nehmen. Seine Bilder sind meist Teil einer Bilderzählung, zum Beispiel die Beschreibung eines Fangzugs im Frühjahr, der vier bis fünf Wochen dauert, und bei dem die ganze Familie dabei ist; oder die Beschreibung, wie ein neues Haus aus Torf und Steinen gebaut wird; oder wie ein Eisbär gejagt wird. Auch Feste werden beschrieben (Heiligabend, Tanz in der Mitternachtssonne). Der Katalog ist schön gestaltet, dreisprachig (grönländisch, dänisch und deutsch), hat aber nur 40 Bildseiten und einen sehr kurzen Text über Danielsens Leben. Dennoch ein sehr schöner Appetizer, wenn man sich für dieses Land und seine Kultur interessiert.


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Erstellt von: Béla Hassforther