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Der Bedeckungsveränderliche WZ Cet

Anton Paschke hat mich kurz nach der BAV-Tagung in Osnabrück 2002 auf diesen Stern hingewiesen und die Elemente des GCVS in Frage gestellt. Worauf er diesen Verdacht gründete vergaß ich leider zu fragen. Zur Klärung des Falls schlug er mir eine Untersuchung des Sterns anhand von Stardial-Aufnahmen vor.

Aber zuerst: Was gibt der GCVS in seiner online-Version (Stand 08.06.2003) zum Stern an?

Position (2000) 01h41m00.7s -0643'34"
Typ Bedeckungsveränderlicher
Helligkeit 10,8-11,4p (Nebenminimum 11,0)
Elemente (Min) 26308.350 + 6.645088d x E
Spektrum A0
Entdeckungsanzeige    W.Strohmeier, R.Knigge, H.Ott, Bamb Ver 5, N13, 1962

In der Originalarbeit (mir netterweise von Werner Braune übersandt) werden zu BV 376 = BD -70277 = HD 10354 die zur Ableitung der Elemente verwendeten Minima gelistet sowie die folgende reduzierte Lichtkurve gegeben:

Lichtkurve von WZ Cet, Originalarbeit
Abb. 1) Lichtkurve von WZ Ceti nach Strohmeier, Knigge und Ott, gegeben sind pg-Helligkeiten

Die Lichtkurve sieht auf den ersten Blick überzeugend aus. Sie ist dicht besetzt, hat sowohl ein gut ausgeprägtes Hauptminimum als auch ein gut ausgeprägtes Nebenminimum, und die Streuung der Beobachtungen ist erstaunlich gering (berücksichtigt man, dass hier Stufenschätzungen auf photografischen Platten zugrunde liegen). Es gibt keine weiteren Bearbeitungen des Sterns, vielleicht klang alles zu endgültig geklärt.

Noch ohne die Originalarbeit vor mir zu haben ging ich an die Auswertung der vorliegenden Stardialaufnahmen, von denen etwa 300 zu gebrauchen waren. Nun ist zwar Stardial eine tolle Sache, aber für einen Stern, der im Normallicht nur 10,2 mag visuell zu bieten hat, ist Stardial nur noch zum Nachweis der Veränderlichkeit zu gebrauchen, nicht aber für eine Analyse des Lichtwechsels. Mit anderen Worten: trotz der Bearbeitung von über 300 Aufnahmen war keine Lösung zu finden. Die alten Elemente, die auch im aktuellsten GCVS noch angeboten werden und nie eine Modifikation erfuhren, bringen keine vernünftige Lichtkurve mit dem Stardial-Material zustande, auch die Periodensuche mit AVE brachte kein brauchbares Ergebnis. So niederschmetternd hatte ich das Ergebnis nicht erwartet, deshalb wurden die noch nicht lange verfügbaren ASAS-3-Werte (verfügbar unter der folgenden Internet-Adresse: http://www.astrouw.edu.pl/~gp/asas//asas3_catalog.html) zu Hilfe genommen, und hier hatte ich nach kurzer Zeit Erfolg. Eine Periode von ca 2,306 Tagen vermochte die Werte brauchbar darzustellen, hatte aber leider denkbar wenig mit dem Originalwert von 6,645 Tagen zu tun. AVE stellt die ASAS-3-Werte mit der neu gefundenen Periode wie folgt dar:

Lichtkurve von WZ Ceti anhand von ASAS-3-Daten
Abb. 2) Lichtkurve von WZ Ceti anhand von ASAS-3-Daten

Es fällt auf, dass die Streuung im Normallicht überraschend groß ist, während das Minimum einen sehr glatten und überzeugenden Verlauf hat. Ein Nebenminimum ist mit dieser Periode nicht zu sehen. Irritierend ist der Versuch, die Stardial-Werte mit der neugefundenen Periode von 2,306 Tagen darzustellen. Eine leicht verrauschte Version der Bedeckungsveränderlichenlichtkurve hatte ich erwartet, zu sehen war aber nur reines "Rauschen".

Der Stern hat also den folgenden "Status": Offenbar ist auch dem Wert von 2,306112 Tagen nicht zu trauen und der Stern wartet immer noch auf die Ableitung seiner korrekten Periode. Da mit Erscheinen des Rundbriefs auch seine aktuelle Sichtbarkeitsperiode beginnt, wäre eine Beobachtungskampagne sinnvoll.

 

Umgebung von WZ Ceti nach Stardial
Umgebung von WZ Ceti nach Stardial-Aufnahmen (mehrere Dutzend Aufnahmen wurden addiert).
Feldgröße ca 3° x 3°, Norden ist oben, Westen rechts

 

Minimum von WZ Ceti
Ausschnitt der Lichtkurve um das Minimum


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Autor: Béla Hassforther. Letzte Änderung: 28.08.2003
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